Iran-Krieg: Gerät die Weltmacht USA an ihre Grenzen?

Analyse

Experten ordnen ein:Gerät die Weltmacht USA in Iran an ihre Grenzen?

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Seit mehr als zwei Wochen tobt der Iran-Krieg. Ob er für die USA erfolgreich endet, ist offen - und die Kritik wird lauter. Hat Trump sich verrechnet? Zwei Experten ordnen ein.

US_Präsident Trump vor einer Flagge der USA

Der Erfolg von Donald Trumps Militärintervention in Iran ist weiter offen. Kritik kommt aus dem In- und Ausland. ZDFheute live analysiert, wie gefährlich der Krieg den USA werden kann.

17.03.2026 | 33:01 min

Jetzt ist da auch noch der Rücktritt von Joe Kent. Kent, bislang Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung in den USA, ist am Dienstag von seinem Posten zurückgetreten - aus Protest gegen den Iran-Krieg.

"Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar", schrieb Kent auf X, "und es ist offensichtlich, dass wir diesen Krieg aufgrund des Drucks seitens Israels und seiner einflussreichen amerikanischen Lobby begonnen haben." Diese Kriegsführung könne er nicht guten Gewissens unterstützen, begründete Kent seinen Rücktritt.

Allein wäre Kents Rückzug wohl kein Problem für Donald Trump. Der US-Präsident bezeichnete den Rücktritt auch prompt als "gute Sache". Doch in diesen Tagen ist Kent nur das jüngste Beispiel einer ganzen Reihe von Komplikationen, mit denen Trump nach dem US-Angriff auf Iran umgehen muss.

17.03.2026, USA, Washington: US-Präsident Donald Trump nimmt am St. Patrick's Day in Washington an einem Mittagessen der "Friends of Ireland" für den irischen Premierminister Martin im US-Kapitol teil.

2024 gewinnt Donald Trump in West Virginia deutlich. Nachdem er den Iran-Krieg begonnen hat, steigen auch hier die Preise. Verliert Trump so Rückhalt bei seiner Kern-Wählerschaft?

17.03.2026 | 2:32 min

Im Inland hat der US-Präsident zahlreiche Anhänger verprellt, die sich fragen, wie eine Militärintervention im Nahen Osten mit dem Grundsatz "America first" zu vereinbaren ist. Im Ausland weigern sich die Nato-Partner, dem Krieg beizutreten. Und in Iran selbst hält sich das Mullah-Regime weiter an der Macht - obwohl es den USA und Israel bereits am ersten Kriegstag gelungen war, den Obersten Führer Ajatollah Ali Khamenei zu töten.

Gerät die Weltmacht USA gerade an ihre Grenzen? Wie gefährlich ist die aktuelle Gemengelage für Donald Trump? Und was bedeutet das für die Nato?

ZDFheute live hat mit den Politikwissenschaftlern Herfried Münkler und Julian Müller-Kaler über den bisherigen Kriegsverlauf gesprochen.

Das gesamte Interview sehen Sie oben im Video - zentrale Aussagen können Sie hier nachlesen:

Haben die USA sich mit dem Angriff auf Iran verrechnet?

Experte Münkler sieht im Iran-Krieg zumindest die "Methode Trump" gescheitert - also das Kalkül, den Iran ähnlich wie Venezuela mit einem schnellen Militärschlag ohne Bodentruppen zu besiegen.

Iran habe sich genau darauf "geschickt" vorbereitet - und agiere nun "klug", indem das Land Zeit zu einer strategischen Ressource mache. Zeit, die Trump nicht habe, sagt Münkler. Der US-Präsident stehe mit Blick auf die eigene Wählerschaft unter Druck, "diesen Krieg relativ schnell erfolgreich und nachvollziehbar siegreich über die Bühne" zu bringen.

Aber er hat keine Antwort auf die Frage, wie er den Krieg beenden will, wenn die iranische Führung ihn (...) immer wieder abblitzen lässt.

Politikwissenschaftler Herfried Münkler

Zwar glaubt Münkler durchaus, dass Trump einen Plan für Iran hatte. "Aber er hat keine Strategie." Als Plan definiert Münkler dabei eine Abfolge von Handlungen zur Lösung eines Problems. "Eine Strategie rechnet mit dem Gegenhandeln eines klugen und effektiv agierenden Gegners", erläutert Münkler. "Und das hat er offenbar nicht gehabt."

Die USA hätten erwartet, dass ihre überlegene Macht ausreiche, um Iran zu besiegen. Aber Macht, "die die USA ja zweifellos haben, verdummt auch", attestiert Münkler, "insofern sie die Möglichkeiten des Gegenhandelns der anderen Seite unterschätzt oder gar nicht in Rechnung stellt."

Man hat das mal die Arroganz der Macht genannt, der wir hier begegnen.

Politikwissenschaftler Herfried Münkler

Trump hat die NATO aufgefordert, die USA bei der militärischen Sicherung der Straße von Hormus zu unterstützen.

US-Präsident Donald Trump fordert die NATO auf, sich an einem internationalen Militäreinsatz zur Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen.

16.03.2026 | 1:46 min

Was bedeutet die Absage der Nato für die USA?

Trump hatte die Nato-Partner am Sonntag gedrängt, die USA bei der Sicherung der Straße von Hormus gegen iranische Angriffe auf Öltanker zu unterstützen. Deutschland und andere Nato-Länder lehnten diese Forderung jedoch einhellig ab.

Für Politikwissenschaftler Münkler ist das "zweifellos richtig", immerhin hätten die USA die Nato zu Beginn des Iran-Kriegs auch nicht eingebunden. Allerdings befürchtet der Experte, dass die Ablehnung der Nato-Partner "nicht besonders klug" war. "Man hätte ihm vielleicht ein konditioniertes Gegenangebot machen können", sagt Münkler. Unterstützung also, aber mit einer Gegenleistung - etwa einem Entgegenkommen bei den Zöllen oder Hilfen für die Ukraine.

Politikwissenschaftler Herfried Münkler

Europa hat Donald Trumps Forderung nach militärischer Hilfe abgelehnt. Welche Gegenleistung die EU stattdessen verlangen könnte, erklärt Politikwissenschaftler Herfried Münkler bei ZDFheute live.

17.03.2026 | 12:18 min

Deutliche Kritik übt Münkler aber auch an Trump, der "wie ein trotziges Kind" auf die Ablehnung der Nato-Partner reagiert habe. Trump hatte von einem "sehr dummen Fehler" der Nato gesprochen - und verkündet, die Hilfe nicht mehr zu brauchen.

"Das ist eindeutig (...) eine desaströse Form von Politik, die aber noch desaströser werden kann", warnt Münkler - nämlich dann, wenn die USA als Konsequenz tatsächlich aus der Nato austreten sollten. Das wäre ein großes Problem für die Europäer, aber auch "eine erhebliche Schwächung" für die Vereinigten Staaten, "weil sie dann ohne ihre bislang treuesten und besten Verbündeten dastehen", sagt Münkler.

Der Experte wird deutlich: "Wir sind in eine Phase von Politik eingetreten, in der (...) überforderte alte Männer in Washington an der Macht sitzen und Entscheidungen treffen, die mehr mit ihren Ressentiments, ihrer Wut, ihrem Zorn, ihrer Eitelkeit zu tun haben, als mit einem Plan oder einer weitreichenden Überlegung oder einer Strategie."

Belgium EU Foreign Ministers

Die EU-Außenminister haben sich zum ersten Mal seit Beginn des Iran-Kriegs persönlich in Brüssel getroffen. Sie sind verärgert über die Planlosigkeit der US-Kriegsführung.

16.03.2026 | 2:55 min

Kann der Krieg Trump innenpolitisch gefährlich werden?

Der Politikwissenschaftler Julian Müller-Kaler beobachtet in den USA verschiedene Reaktionen auf den Iran-Krieg. Trumps eigene Partei, die Republikaner, teilt Müller-Kaler dabei in drei Kategorien ein:

  • Die Trump-Loyalisten, "die ihm quasi bedingungslos in jeder Absurdität folgen".
  • Die traditionellen Republikaner, die "Iran schon immer als großes Problem amerikanischer Außenpolitik gesehen haben" und "ihr Glück kaum fassen konnten, dass jetzt ein amerikanischer Präsident im Weißen Haus sitzt, der es wagt (...), derartige Unterfangen auszuführen".
  • Die "Make America Great Again"-Bewegung (MAGA), die Trump überhaupt erst zur Macht verholfen hat, und "das alles sehr, sehr kritisch" sieht, weil sie in Trump jemanden gesehen haben, der "Kriege beenden (...) und nicht anfangen sollte".

MAGA "ist die Bewegung, die er aktuell verliert", sagt Müller-Kaler. Trump habe bereits 2016 als einziger Republikaner im Vorwahlkampf "das ganze Engagement im Nahen Osten" als "totale Katastrophe" bezeichnet - und damit jene US-Bürger abgeholt, die sich "America first" wünschten.

USA-Experte Julian Müller-Kaler in Washington

Im Wahlkampf war der US-Präsident mit dem Versprechen angetreten, Kriege zu beenden. Wie die Iran-Intervention Trumps Anhängerschaft spaltet, erklärt USA-Experte Müller-Kaler bei ZDFheute live.

17.03.2026 | 16:24 min

"Dieser Teil der US-Bevölkerung fühlt sich von der Trump'schen Außenpolitik verraten, weil sie genau das Gegenteil von dem macht, was er angekündigt und versprochen hat", sagt Müller-Kaler. Am Ende sei es Trump aber wichtiger, "als der Präsident in die Geschichte [einzugehen], der die Welt nachhaltig beeinflusst und verändert hat" - auch weil Trump selbst nicht mehr auf dem Wahlzettel stehen werde. "Das ist seine letzte Amtszeit, auch in den Midterms geht es um die Republikaner und nicht so sehr um ihn."

Müller-Kalers Fazit: "Donald Trump sitzt nach wie vor als Präsident fest im Sattel."

Die Interviews führte Victoria Reichelt für ZDFheute live. Zusammengefasst hat sie ZDFheute-Redakteur Kevin Schubert.

Alle Entwicklungen zum Iran-Krieg finden Sie unter dem Link in unserem Liveblog.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 17.03.2026 ab 19:30 Uhr.

Aktuelle Nachrichten zum Iran-Krieg

  1. US President Trump participates in shamrock presentation with Taoiseach of Ireland

    Militäreinsatz an der Straße von Hormus:Wegen Iran: Trump poltert gegen Deutschland und die Nato

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  2. Ali Laridschani (Archivfoto 2026)

    Chef des iranischen Sicherheitsrats:Iranischer Funktionär Laridschani von Israel getötet

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  3. Am 03.03.2026 sind Raketen am Himmel über Doha zu sehen.
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    Gerlach zu militärischer Zurückhaltung:Golfstaaten nicht willens, "Krieg gegen Iran zu führen"

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  4. 11.03.2026, Vereinigte Arabische Emirate, Khor Fakkan: Ein Schiff der Marine der Vereinigten Arabischen Emirate patrouilliert neben Frachtschiffen und Öltankern in der Straße von Hormus am 11.03.2026 in Khor Fakkan, Vereinigte Arabische Emirate.
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    Experte zu Trumps Druck auf die Nato:Straße von Hormus: "Absolute Sicherheit wird es nicht geben"

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