Ex-Außenminister bei "Lanz":Fischer: Worte des Kanzlers haben außenpolitische Folgen
von Felix Rappsilber
Joschka Fischer bezweifelt, dass Merz‘ Kritik am Iran-Krieg klug gewesen ist. Von der Koalition fordert er ein gemeinsames Projekt, vom Bundeskanzler erwartet er Führung.
Joschka Fischer, der ehemalige Außenminister (Grüne), sieht die globale Sicherheitsordnung im Umbruch und mahnt tiefgreifende Reformen in Deutschland an.
06.05.2026 | 45:52 min"Ich hätte es nicht gesagt, nicht in dieser Form. Man weiß, wie Trump auf sowas reagiert." - Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer kritisierte am Mittwochabend bei "Markus Lanz" die Wortwahl des Bundeskanzlers.
Ende April hatte Friedrich Merz den US-amerikanischen Angriff auf den Iran öffentlich hinterfragt. Im Rahmen einer Schulveranstaltung hatte er gesagt: "Die Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie."
Ex-Außenminister Fischer kritisiert Merz' Aussagen zu Trump
Mit Blick auf die USA hatte Merz, der zuvor als engster europäischer Partner des US-Präsidenten Donald Trump gegolten hatte, erklärt: "Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung."
Bundeskanzler Merz glaubt, einen guten Zugang zu US-Präsident Trump zu haben. Der Iran-Krieg hatte zuletzt zu Spannungen geführt.
20.04.2026 | 0:36 minIm Gespräch mit Markus Lanz betonte Fischer: "Worte haben Konsequenzen und vor allen Dingen die Worte des Bundeskanzlers." Offenkundig hätte der ehemalige Außenminister ein diplomatischeres Vorgehen erwartet:
Der Bundeskanzler spricht ja nicht als Friedrich Merz. (...) Er spricht als Chef der Bundesregierung für Deutschland.
Joschka Fischer, ehemaliger Bundesaußenminister
"Ob es klug ist, sich so zu äußern, das wage ich zu bezweifeln", so Fischer.
Joschka Fischer (*1948) ist ein ehemaliger Spitzenpolitiker von Bündnis 90/Die Grünen. Von 1998 bis 2005 war er Bundesaußenminister sowie Vizekanzler unter Gerhard Schröder. In dieser Rolle prägte er die deutsche Außenpolitik, etwa im Kontext des Irakkriegs 2003.
Quelle: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Auf Ehrlichkeit komme es in dem Fall nicht an, sondern auf das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der amerikanischen Regierung. Trump hatte harsch auf Merz' Kritik reagiert und dem Kanzler in einem Social-Media-Post vorgeworfen, nicht zu wissen, wovon er spreche. "Kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht", hatte Trump geschrieben.
Nach der Kritik am Irankrieg von Bundeskanzler Merz kündigt die US-Regierung an, 5.000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen.
02.05.2026 | 1:40 minInhaltlich stimmt Fischer dem Kanzler zu
Inhaltlich, so sagte Fischer bei "Lanz", teile er die Einschätzung des Bundeskanzlers. Trump habe die Risiken des Iran-Krieges nicht durchdacht: "Ein Blick auf die Landkarte - man muss da kein Genie sein - zeigt: Es gibt nur einen Zu- und Ausgang, durch die Straße von Hormus. Und hinter der Straße von Hormus liegt die Tankstelle der Weltwirtschaft."
"Was der amerikanische Präsident Donald Trump gemeinsam mit Benjamin Netanjahu, dem Premierminister von Israel, ausgeheckt" habe, stehe auf tönernen Füßen:
Es gibt keinen Gedanken über das Endspiel: Wie kommt man da wieder raus? Was sollen die Ergebnisse sein?
Joschka Fischer, ehemaliger Bundesaußenminister
Er fürchte, das werde die Welt noch lange beschäftigen.
Bundeskanzler Merz hat Teheran nach Angriffen auf die Vereinigten Arabischen Emirate zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert. Auch Irans Blockade der Straße von Hormus müsse enden.
05.05.2026 | 0:33 minFischer: Trump wird verhandeln müssen
Fischer prognostizierte: "Am Ende wird Trump, so das Regime nicht kollabiert, verhandeln müssen. (...) Das Ergebnis wird mehr oder weniger das sein, was Obama ohne den Einsatz von Gewalt erreicht hat."
2015 hatte der damalige US-Präsident Barack Obama ein Atomabkommen mit der iranischen Führung geschlossen, welches Trump wiederum während seiner ersten Präsidentschaft aufgekündigt hat.
Mit dem Beginn des US‑Militäreinsatzes in der Straße von Hormus wächst die Sorge vor einer Eskalation. Angriffe auf Schiffe und Ziele verschärfen die Lage in der Golfregion.
05.05.2026 | 1:55 minFischer warnt vor wirtschaftlichem Absturz Deutschlands
Angesichts der politischen Lage Deutschlands sagte Fischer: "Für mich scheint es einfach sonnenklar, dass unser Land, wenn es so weitermacht wie bisher, abstürzen wird, wirtschaftlich und damit auch sozialstaatlich."
Daher müssten wir unsere Wettbewerbsfähigkeit unter den neuen Bedingungen des Weltmarktes wiedergewinnen: "Wir müssen eine große Aufholjagd starten und ich bin fest von dem Potenzial unseres Landes überzeugt."
Schlechte Umfragewerte und Streit in der Koalition. Reformen kommen nur schleppend voran. Wie will Bundeskanzler Merz das ändern? Fragen von Bettina Schausten und Anne Gellinek.
06.05.2026 | 2:17 minFischer äußerte Unverständnis über das Regierungshandeln. Für große Reformen brauche die Koalition ein gemeinsames Projekt. „Und für dieses Projekt musst du kämpfen und für dieses Projekt musst du werben."
Fischer: Merz sollte Zunge unter Kontrolle haben
Ganz offensichtlich habe sich Schwarz-Rot nicht auf ein gemeinsames Projekt einigen können. Ein Grund dafür sei die mangelnde Führung des Bundeskanzlers:
Führen heißt, er muss versuchen, zu überzeugen.
Joschka Fischer, ehemaliger Bundesaußenminister
„Das setzt voraus, dass er weiß, was er sagt und seine Zunge unter der Kontrolle hat, weil er Kanzler ist und sein Wort gilt oder gelten sollte."
Nach der Einigung im Kabinett bei Gesundheit und den Eckpunkten des Haushalts: Hat Schwarz-Rot die Kraft für Reformen oder geht der Streit jetzt erst richtig los?
03.05.2026 | 5:01 minEx-Außenminister appelliert an Einigkeit innerhalb der Regierung
Führung bedeute auch, "zu wissen, dass du nicht eine Ein-Parteien-Regierung führst, sondern dass du mit einer anderen Partei, die andere Schwerpunkte hat, einen Konsens herbeiführen musst".
Fischer appellierte: "Ein Kanzler muss die Menschen mitnehmen und vor allen Dingen, wenn es um große innenpolitische Reformprojekte geht“. Als Beispiele nannte Fischer die Reformvorhaben bei Rente und Gesundheit, über die „nicht erst seit gestern“ geredet werde.
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr über die Koalition
- Interview
Fuest fordert Wirtschaftsstrategie:Ifo-Präsident: Regierung "weicht den schwierigen Fragen aus"
mit Video10:09 - Exklusiv
Schwarz-Rot: Kanzler zieht im ZDF Bilanz:Merz: Bleiben hinter "selbstgestelltem Anspruch zurück"
von Achim Fluhrermit Video22:44 - Grafiken
Ein Jahr im Amt:Unbeliebter als Scholz: So steht es für Merz in den Umfragen
von Robert Meyermit Video0:22 - Analyse
So steht es um die Bundesregierung:Ein Jahr Schwarz-Rot: Zauberer ohne Trick
von Bernd Benthinmit Video44:04