So steht es um die Bundesregierung:Ein Jahr Schwarz-Rot: Zauberer ohne Trick
von Bernd Benthin
Das erste Jahr der selbsternannten Arbeitskoalition war geprägt von Krisenbewältigung - intern und extern. Die großen Würfe sollen jetzt kommen. Ist dafür genug Kraft übrig?
Seit einem Jahr ist die Bundesregierung im Amt. Was hat die Koalition aus CDU, CSU und SPD erreicht, wo ringt sie noch um ihren Kurs? Die Doku begleitet Regierungs- und Parteispitzen über Monate.
12.05.2026 | 44:04 minRund um diesen ersten Jahrestag der schwarz-roten Regierung ist eine seltsame Dynamik entstanden. Eine Mischung aus Scherbengericht und Stimmungs-Deuterei. Wer brüllt wann wie laut? Wer muss bald gehen?
Befeuert wird das von schlechten Umfragewerten und gegenseitiger Abgrenzungsrhetorik. Dabei hat die Regierung in ihrem ersten Jahr auch Dinge geschafft. Wie erklärt sich dieser so gar nicht feierliche erste Jahrestag?
Koalition der Geschwächten
Es gebe keine Politik mehr "für irgendwelche grünen und linken Spinner", nur noch für diejenigen, die "alle Tassen im Schrank" haben. Mit diesen Worten arbeitete Friedrich Merz noch im Wahlkampf am Graben, den er wenige Wochen später in Koalitionsgesprächen überbrücken musste.
Ein Jahr ist Friedrich Merz nun Kanzler, seine Umfragewerte sind ein Desaster. ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann fragt: Was hat Merz erreicht? Was nicht? Und warum ist er so unbeliebt?
03.05.2026 | 14:34 minEs war die Fortsetzung einer harschen Oppositionsarbeit, in der der Sauerländer Merz stetig suggeriert hatte, dass er es besser könne als die Ampel, und zwar ohne neue Schulden. Die Worte hat die SPD nicht vergessen, ebenso wenig wie den Eklat im Januar 2025, als Merz eine Parlamentsmehrheit mit der AfD in Kauf nahm.
Die SPD quälte sich nach dem Ampel-Bruch durch einen verkorksten Scholz-Wahlkampf und fuhr ihr historisch schlechtestes Ergebnis ein. Auch die Union verfehlte ihr Ziel, 30 + X. Am Ende bekam Schwarz-Rot im Parlament eine Mehrheit von nur zwölf Stimmen. Wackelig genug, um für ein Scheitern beim ersten Kanzler-Wahlgang zu sorgen. Ein Bündnis der Gereizten.
Vor einem Jahr wurde der Koalitionsvertrag der schwarz-roten Regierung unterschrieben. Doch die Bilanz fällt ernüchternd aus. Innenminister Dobrindt sieht Erfolge bei der Migrationspolitik und auch die SPD zeigt sich weiter zuversichtlich.
05.05.2026 | 1:47 minEnde der Verheißungen
Was der Koalition im ersten Jahr mit Sicherheit geschadet hat, ist die ständige Verheißungsrhetorik. Erst hieß es, bis zum Sommer 2025 werde sich die Stimmung drehen, dann war die Rede vom Herbst der Reformen - man möchte es gar nicht mehr schreiben, weil man es auch nicht mehr hören kann.
Dann hieß es, nach den Wahlen im Frühjahr stehe das Reformfenster offen. Die Regierung wirkte wie ein Zauberer, der ein Jahr lang einen Trick aufbaut - und am Ende ist unter dem Tuch doch wieder nur der Tisch. Unionsfraktionschef Jens Spahn sagt:
Im Rückblick hätten wir ein besseres Erwartungsmanagement machen sollen und auch deutlich machen müssen, dass das einen längeren Atem braucht.
Jens Spahn, CDU
Und SPD-Chef und Finanzminister Lars Klingbeil kritisiert hochgeschraubte Erwartungen, die nachher eigentlich nur noch enttäuscht würden.
Ich möchte eigentlich immer gern, dass wir Sachen machen und dass wir dann überraschen dadurch, dass wir sie hinkriegen.
Lars Klingbeil, SPD
Union und SPD haben sich viel für ihre Regierungszeit vorgenommen. Knapp ein Jahr ist die Koalition nun im Amt. Was konnte sie umsetzen? Managerin Julia Jäkel analysiert bei ZDFheute live.
04.05.2026 | 16:03 minOne Battle After Another
Kurz nach der Kanzlerwahl brachte die Regierung schnell Entlastungspakete auf den Weg, Stichwort: Investitions-Booster. Und sie verschärfte die Migrationspolitik. Am letzten Tag vor der parlamentarischen Sommerpause 2025 aber bekam die Regierung einen ersten Knacks, der kaskadenhaft bis heute nachwirkt.
Die Unionsfraktion sperrte sich gegen die von der SPD vorgeschlagene Richterin fürs Bundesverfassungsgericht. Jens Spahn gelang es nicht, den Unmut zu bändigen, und musste eine getroffene Zusage wieder einholen.
In der Rückschau bot Innenminister Alexander Dobrindt, selbst jahrelang Fraktionsmanager, eine interessante Deutung an. Die Änderung der Schuldenbremse sei der Grund für das Verhalten seiner Fraktion. Es werde immer sehr auf die Befindlichkeit der SPD geschaut. Was könne sie mitmachen? Wo habe sie Schwierigkeiten?
Was total vergessen wird, ist, dass diese Fraktion der CDU/CSU auch eine tiefe Verwundung hat. Und diese Verwundung heißt Schuldenbremse.
Alexander Dobrindt, CSU
Nach einem Jahr im Amt hätte die schwarz-rote Bundesregierung laut aktuellen Umfragen keine Mehrheit mehr. Wegen des Reformstreits mit der SPD steht besonders Bundeskanzler Merz unter Druck.
06.05.2026 | 0:24 minHält diese Koalition?
Mit der vermasselten Richterwahl schien der Anfangskredit früh aufgebraucht. Auch bei anderen Streithemen ließ die SPD immer wieder erkennen, dass sie genug geduldet habe und mehr Verbindlichkeit von der Union fordert. Diese wiederum nimmt die SPD als sperrig wahr, verunsichert von Wahlergebnissen und Umfragezahlen.
Fragt man die Regierungsspitzen nach ihrer persönlichen Jahresbilanz und ihrem Ausblick aufs zweite Jahr, fällt oft der Satz, man sei "zum Gelingen verdammt". Daraus spricht größte Anspannung aber auch der Wille, es hinzukriegen.
Ein Jahr nach Amtsantritt steht die Bundesregierung unter Kanzler Merz (CDU) unter Druck. In der Koalition blockieren sich die Partner, obwohl Reformen dringender denn je sind.
03.05.2026 | 2:46 minDas zweite Jahr entscheidet
Mindestens genauso häufig heißt es, das zweite Jahr sei das entscheidende Jahr. Dann müssten die Reformen kommen, solange noch genügend Kraft vorhanden ist.
Der Skeptiker stellt sich zwei Fragen: Ist sie da wieder, die Verheißungs-Rhetorik? Und ist denn noch genügend Kraft da? Der Optimist hofft, dass es klappt, auch in Zeiten abnehmender Sicherheiten. Und der Sauerländer würde wohl sagen: Muss.
Vor einem Jahr ist Friedrich Merz im zweiten Wahlgang zum Bundeskanzler gewählt worden. Was hat die Bundesregierung seitdem erreicht? "Was nun, Herr Merz?", fragen heute ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten gemeinsam mit ZDF-Nachrichtenchefin Anne Gellinek. Im ZDF läuft die Sendung um 19:20 Uhr, bei ZDFheute halten wir Sie den ganzen Tag auf Stand.
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