Experten analysieren die Lage:Steht ein Iran-Deal bevor? Positionen noch "weit auseinander"
von Ninve Ermagan
Wie nah ist ein Iran-Deal? Ungeachtet von Trumps Andeutungen warnen Experten: Die Positionen liegen weit auseinander - und die Energiekrise wäre auch bei einem Deal nicht vorbei.
Die USA und Iran könnten ihre Waffenruhe verlängern. Trump will eine "endgültige Entscheidung" treffen. Iran widerspricht teils seinen Worten. Was ist bisher bekannt? ZDFheute live analysiert.
29.05.2026 | 30:11 minStehen Iran und die USA kurz vor einem Kriegsende? Ist ein Abkommen zur Verlängerung der Waffenruhe nah? US-Präsident Trump deutete das in den vergangenen Tagen immer wieder an, am Freitag kündigte er eine "endgültige Entscheidung" an. Aus Iran hieß es, es gebe noch "keine abschließende Vereinbarung".
Iran-Experte Hans-Jakob Schindler sagt zur aktuellen Lage, beide Seiten versuchten, ihre Maximalforderungen in eine Grundsatzvereinbarung hineinzuverhandeln, sagt er bei ZDFheute live. Die Positionen lägen wohl "weit auseinander."
Die USA bestehen darauf, dass das hochangereicherte Uran vernichtet oder verdünnt wird. Iran fordert 12 Milliarden Dollar aus eingefrorenen Auslandskonten - eine bereits reduzierte Forderung, ursprünglich waren es 25 Milliarden, merkt Schindler an. Dazu kommen Sanktionserleichterungen und die Entfrierung weiterer Konten.
Experte: Iran steht "wirtschaftlich unter Druck"
Schindler verweist darauf, dass Iran seit mehr als einem Monat kaum noch Öl verkaufen könne - "die harte Währung wird langsam ernsthaft knapp". Genau das treibe die Verhandlungsbereitschaft, erkläre aber auch die Härte bei den Geldforderungen. "Das Regime steht massiv wirtschaftlich unter Druck", sagt der Iran-Experte.
Beim Atomprogramm sieht Schindler noch großen Klärungsbedarf. Vor den Angriffen hatte Iran knapp 400 Kilogramm Uran auf 60 Prozent angereichert - damit sei Teheran schon "sehr nah" an der Waffenfähigkeit. Das Uran soll in der bombardierten Anlage Fordow nun verschüttet sein. Washington fordert, es auszugraben und zu verdünnen - technisch möglich, aber Iran will das erst in einem zweiten Schritt der Verhandlungen klären.
In den Verhandlungen mit den USA stehe Irans Regime auch wirtschaftlich stark unter Druck, sagt Iran-Experte Schindler. Das erkenne man auch an der kürzlich gelockerten Internetblockade im Land.
29.05.2026 | 5:57 minGelingt Trump keine Lösung beim Atomprogramm und lockert er trotzdem Sanktionen, warnt Schindler, stehe am Ende ein Deal, "der sehr viel schlechter" sei als das, was der frühere US-Präsident Obama gehabt habe. Das iranische Regime hingegen hoffe darauf, aus einem Teilabkommen ein "Siegesnarrativ konstruieren" zu können - rechtzeitig vor den amerikanischen Zwischenwahlen im November.
Was würde ein Deal für die Energiekrise bedeuten?
Doch selbst wenn ein Deal gelingt - was bedeutet das für die weltweite Energiekrise? Energieexperte Professor Andreas Goldthau von der Uni Erfurt warnt: Eine schnelle Erholung des Ölmarkts ist nicht zu erwarten.
Selbst wenn die Straße von Hormus morgen wieder frei wäre, würde es etwa einen Monat dauern, bis der Export an Öl in etwa das Vorkriegsniveau erreicht.
Andreas Goldthau, Energieexperte von der Uni Erfurt
Der Ölpreis liege derzeit bei rund 90 Dollar pro Barrel - und damit 20 Dollar über dem Vorkriegsniveau. "Das wieder zu erreichen in kürzerer Zeit ist nicht realistisch." Analysten gingen davon aus, dass der Ölmarkt bis Ende des Jahres angespannt bleibe.
Der Grund: "20 Prozent der weltweiten Ölnachfrage sind letzten Endes über den Golf gedeckt - und die fehlen im Moment." Zwar werde ein Teil über strategische Reserven abgepuffert, ein Teil über Pipelines umgeleitet. Doch unterm Strich fehlten täglich rund 14 Millionen Barrel, die nicht aus dem Golf herauskämen. Aus diesem Grund reagiere der Markt so "hochsensibel."
Laut dem Energie-Experten Goldthau konnten die zuletzt freigegebenen Öl-Reserven den Markteinbruch abmildern. Dadurch werde dem Konsumenten aber auch ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt.
29.05.2026 | 13:18 minExperte warnt: Gasspeicher "kann sehr eng werden"
Wie schätzt der Experte die Gasversorgung ein? Beim Gas warnt Goldthau vor einem Problem, das die Verbraucher noch nicht spüren - aber bald könnten. Die Verträge pufferten noch ab, doch der Markt habe bereits weniger Angebot. Als Beispiel nennt er Ras Lafan in Katar, die größte Gasverflüssigungsanlage der Welt: Sie ist beschädigt worden.
Das bedeutet, dass fünf Prozent des weltweiten LNG-Angebotes vom Markt verschwunden sind - und die über Jahre hinweg nicht zurückkommen werden.
Andreas Goldthau, Energieexperte von der Uni Erfurt
Besonders für Europa werde das zum Problem: "Da kann es sehr eng werden" beim Auffüllen der Gasspeicher für den Winter.
Dass Trump eine Entscheidung in den Iran-Verhandlungen ankündigt, sei auch eine Reaktion auf schlechte Umfragewerte, sagt USA-Korrespondent Sauer. Inhaltlich gebe es keine Weiterentwicklung.
29.05.2026 | 6:12 minWeniger Autofahren - braucht es Verhaltensänderungen?
Goldthau warnt zudem vor einem Bieterwettbewerb mit Asien. Je nachdem, wie lange die Straße von Hormus noch geschlossen bleibe, könnten Europa und die großen asiatischen Wirtschaftsblöcke in einen Wettbewerb um das knappe LNG geraten. Europa habe dabei womöglich das Nachsehen - Asien werde wahrscheinlich mehr Geld auf den Tisch legen.
Was also tun? Goldthau kritisiert, dass Preissignale durch staatliche Maßnahmen wie den Tankrabatt abgedämpft werden.
Man sollte den Preis weniger dämpfen, sonst geht die Nachfrage nicht runter.
Andreas Goldthau, Energieexperte von der Uni Erfurt
Stattdessen brauche es Verhaltensänderungen: mehr öffentlicher Nahverkehr, weniger Autofahren, mittelfristig mehr Elektromobilität. "Ungefähr die Hälfte der deutschen Ölnachfrage läuft über den Verkehr - das ist eine Stellschraube, die man wirklich heben kann." Autofreie Sonntage wie in den 70ern hält er hingegen für wenig zielführend. Wichtiger sei das Bewusstsein der Menschen: "Der Preis an der Zapfsäule sendet ein Signal - nämlich Nachfragereduktion."
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