Spekulationen über Verhandlungen:Experte: Das sind die Knackpunkte beim Iran-Deal
Kommt jetzt ein Abkommen? Berichten zufolge stehen die USA und Iran kurz vor einer Verlängerung der Waffenruhe. Sicherheitsexperte Hans-Jakob Schindler erklärt, worauf es ankommt.
"Das iranische Regime möchte eine Einigung, wenn möglich, noch etwas hinauszögern", sagt Sicherheitsexperte Hans-Jakob Schindler zu den Verhandlungen zwischen den USA und Iran.
28.05.2026 | 4:27 minKaum ein Tag vergeht, an dem die US-Medien nicht über einen möglichen Deal zwischen Iran und den USA spekulieren. Unterhändler hätten sich laut Angaben von US-Regierungskreisen auf eine vorläufige Verlängerung der Waffenruhe geeinigt, meldeten die Nachrichtenagenturen am Donnerstag. Auch der Beginn von Gesprächen über das iranische Atomprogramm stünde im Raum.
Was könnte auf eine Waffenruhe folgen - und was steht für beide Seiten auf dem Spiel? Antworten von dem Sicherheitsexperten Hans-Jakob Schindler im Interview mit ZDFheute live. Sehen Sie das Interview oben im Video in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagte Schindler ...
… darüber, welche Seite mehr unter Zugzwang steht
Der Sicherheitsexperte glaubt:
Beide Seiten sind enorm unter Druck.
Hans-Jakob Schindler, Sicherheitsexperte
In den USA drängten die steigenden Preise die Politik, aber auch Teheran hadere mit ökonomischen Folgen des Krieges. Wegen der Seeblockade der US-Amerikaner könnte Iran nur geringe Mengen an Öl verkaufen.
"Die Waffenruhe habe Bestand, betonen beide Seiten", berichtet ZDF-Reporter Stefan Schlösser aus Istanbul. In den zentralen Punkten "Atomfrage und der Öffnung der Straße von Hormus" gebe es "noch keine Annäherung".
28.05.2026 | 3:41 minAuch deswegen brauche das Regime eine Einigung - doch man zögere den Deal hinaus. Das Regime versuche, möglichst nah an die US-Kongresswahlen im November zu kommen. Bei einer Niederlage der Republikaner könne Teheran das Narrativ kreieren, die amerikanischen Wahlen beeinflusst zu haben.
... ist Nahost-Experte und "Senior Director" beim "Counter Extremism Project". Er arbeitete unter anderem in der Forschung und für den UN-Sicherheitsrat im Bereich Terrorismusüberwachung. Schindler schrieb seine Doktorarbeit über internationalen Terrorismus an der schottischen Universität in St. Andrews.
… darüber, was die Knackpunkte beim Deal sein könnten
Für die Amerikaner sei das Atomprogramm in Iran zentral. Die Iraner müssten sich bereit erklären, über 15 bis 20 Jahre ihre Anreicherung von Uran auszusetzen. Außerdem forderten die USA und Israel eine Beschränkung des iranischen Raketenprogramms. Die Beziehungen zu Hamas, Hisbollah und den Huthis müssten ebenso von Teheran adressiert werden.
Für die Iraner gehe es um Geld: Das Regime verlange eine massive Sanktionserleichterung und die Freigabe eingefrorener Gelder in Milliardenhöhe. Dies sei "ganz schwer auch für Donald Trump politisch zu Hause zu verkaufen", schätzt Schindler.
Iran gibt an, einen amerikanischen Öltanker in der Straße von Hormus beschossen zu haben. Das US-Militär reagiert mit einem Angriff auf die iranische Küstenstadt Bandar Abbas.
28.05.2026 | 1:43 min… auf die Frage, was der Krieg überhaupt gebracht habe
Das Regime in Teheran sei zwar nach den Angriffen weiterhin an der Macht, aber maximal isoliert - sowohl in der Region als auch im Rest der Welt.
Das Regime hält sich eigentlich nur noch durch brutale Gewalt an der Macht.
Hans-Jakob Schindler, Sicherheitsexperte
Um die Kontrolle zu behalten, sei das Regime auf Hilfe aus dem Irak und von schiitischen Milizen aus Afghanistan angewiesen. Sobald der Konflikt mit den USA vorbei sei, habe das Regime einen "Berg von Problemen" vor sich - inklusive der Frage, wo eigentlich der neue oberste Religionsführer Chamenei verbleibe.
Nach Angriff auf Iran: Nahostexpertin Scheller sagt, der Fokus liege nur noch auf der Außenpolitik, die Menschen in Iran spielten keine Rolle mehr.
26.05.2026 | 11:08 minSolange der Machtapparat weiterhin funktioniere, könne sich das Regime mittelfristig halten. "Ob es langfristig mit einer komplett zerstörten Wirtschaft und einer kompletten Isolation international zurechtkommen wird, das wird sich zeigen", so Schindler.
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