Politologin: US-Angriffe auf Iran sind "vertrautes Muster"

Interview

Nahost-Expertin zu Krieg in Iran:USA wollen Verhandlungen mit Angriffen "Nachdruck verleihen"

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Die Angriffe auf iranische Ziele während der laufenden Verhandlungen sind für Nahost-Expertin Bente Scheller kein Widerspruch. Die USA versprächen sich davon einen Vorteil.

Nahost-Expertin Bente Scheller als Cut-Out vor einem ZDF-Hintergrund. Sie trägt ein blaues Sakko mit weißem Hemd darunter.

Nach Angriff auf Iran: Nahostexpertin Scheller sagt, der Fokus liege nur noch auf der Außenpolitik, die Menschen in Iran spielten keine Rolle mehr.

26.05.2026 | 11:08 min

Trotz der seit Wochen geltenden Waffenruhe und der laufenden Verhandlungen über ein Ende des Iran-Kriegs haben die USA Ziele im Süden Irans angegriffen. Attackiert wurden Raketenstellungen. Außerdem wurden Boote im Bereich der Straße von Hormus angegriffen.

Die Politologin Bente Scheller von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung sieht darin keinen strategischen Widerspruch. Im Interview mit ZDFheute live ordnete sie die Entwicklungen ein.

Sehen Sie das Interview oben im Video in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagte Scheller …

… über die Verhandlungsstrategie der USA

Die Angriffe bei zeitgleichen Gesprächen über einen möglichen Frieden seien ein vertrautes Muster, sagte Scheller. Das passiere in dem Konflikt nicht zum ersten Mal.

Ich denke, dass die US-Logik der jetzigen Regierung vielleicht darauf abzielt, den eigenen Verhandlungspositionen mehr Nachdruck zu verleihen, indem man durch derlei Angriffe dann auch zeigt, man meint es ernst.

Bente Scheller, Nahost-Expertin

Dabei bestehe jedoch das Risiko, dass "die Gegenseite von den Verhandlungen wieder abweichen wird".

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Dass es eine Reaktion aus Teheran geben wird, steht für Scheller außer Frage: "Die Iraner haben schon gesagt, sie werden darauf reagieren", sagte sie. Unklar sei jedoch, in welcher Form. Das sei bisher nicht kommuniziert worden.

...leitet das Referat Nahost und Nordafrika der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin. Zuvor führte die Politikwissenschaftlerin unter anderem das Böll-Büro in Beirut und arbeitete als Referentin für Terrorismusbekämpfung an der deutschen Botschaft in Damaskus.


Vorstellbar seien wie bereits in den vergangenen Monaten Angriffe auf Nachbarstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate. Iran habe immer wieder deutlich gemacht, dass es mit solchen Angriffen US-Stellungen in der Region treffen wolle.

… über die Knackpunkte der Friedensgespräche

In den Friedensverhandlungen sieht Scheller noch mehrere ungelöste Interessenkonflikte. Zunächst nannte die Politologin das Atomprogramm. Das sei "ein wirkliches Herzstück der iranischen Politik". Dessen Zerstörung sei das "Hauptinteresse" Israels in Bezug auf Iran.

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Die US-Regierung hingegen fahre einen "Zickzackkurs": Präsident Donald Trump habe sich nicht klar geäußert, ob bereits vereinbart wurde, dass das Atomprogramm zerstört werden und wer dies überwachen soll. Das lasse Iran noch zu viel Spielraum und gebe Israel zu wenig Klarheit.

Ein weiterer Knackpunkt: die Straße von Hormus. Die USA fordern die Öffnung. Iran will dagegen die Kontrolle über die Meerenge und könnte künftig womöglich Gebühren für die Durchfahrt erheben. Der Krieg habe Teheran erst deutlich gemacht, "welches Gewicht es hat damit, dass es diese Straße kontrollieren kann und hier die Schifffahrt behindern kann", sagte Scheller.

Krieg in Iran: Grafikvideo zur Straße von Hormus

Die Straße von Hormus ist das Öl-Nadelöhr der Welt.


Und auch Trump habe schon mit dem Gedanken gespielt, eine Maut zu erheben, von der dann sowohl Iran als auch die USA profitieren würden. Ein solches Vorgehen würde jedoch gegen internationales Recht verstoßen, betonte Scheller.

Sie bezweifelt, dass die USA ihr Versprechen, die Meerenge offenzuhalten, durchsetzen könnten. Denn Iran habe sein "Drohpotenzial" noch nicht ausgeschöpft. Verbündete Gruppen wie die Huthi im Jemen könnten zusätzlich andere Handelsrouten wie die Straße von Aden ins Visier nehmen.

Das wäre dann für alles, was durch den Suezkanal an Gütern gehen soll, verheerend.

Bente Scheller, Nahost-Expertin

... die Rolle Israels in dem Konflikt

Eine Entspannung zwischen den USA und Iran würde den Konflikt in der Region nach Einschätzung Schellers nicht automatisch lösen. Zwar sei Israel die Abschaffung des iranischen Atomprogramms wichtiger "als alles, was im israelischen Norden geschieht, also Richtung Libanon".

Doch die Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hisbollah habe eine eigene Dynamik. Israel wolle nach den Angriffen der vergangenen Monate alle Gefahren für sich eliminieren, so Scheller.

Hier möchte Israel daher Fakten schaffen.

Bente Scheller, Nahost-Expertin

Zugleich spielten innenpolitische Faktoren eine Rolle: Die Regierung könnte versuchen, militärische Erfolge für sich zu nutzen. In Israel stünden schließlich noch in diesem Jahr Neuwahlen an.

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Für die Menschen in Iran gebe das alles wenig Hoffnung: Von Trumps Versprechen, ihnen zu helfen, "haben wir jetzt überhaupt nichts mehr gehört". Im Prinzip laufe alles nur noch auf außenpolitische Interessen hinaus, "nicht aber auf eine Veränderung der Situation im Iran selbst".

Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Jessica Zahedi. Die Zusammenfassung ist von Anja Engelke.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 26.05.2026 ab 15:15 Uhr.

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