US-Präsident unter Druck:Iran, Ukraine, Gaza: Gehen Trump die Verbündeten aus?
von Alexander Glodzinski
Donald Trump will Konflikte schnell und entschlossen lösen. Mit seinen Alleingängen hat er seine Partner zunehmend verprellt. Lautstark versprochene Deals scheinen in weiter Ferne.
Wo bleibt der Deal mit Iran? Der Waffenstillstand ist brüchig, der Druck auf Trump wächst, Allianzen bröckeln, Märkte zittern. Steht Amerika plötzlich alleine da?
01.06.2026 | 58:36 minFast täglich sorgt US-Präsident Donald Trump im Iran-Konflikt mit Widersprüchen und Kurswechseln für Unsicherheit. Auf seinem eigenen Social-Media-Dienst irritiert er Freunde und Feinde mit fragwürdigen Selbstdarstellungen.
"Wer auf dieser Welt vertraut denn den Amerikanern mit ihrem Präsidenten Donald Trump noch wirklich?", fragt ZDF-Sonderkorrespondentin Katrin Eigendorf in der neuen Folge des auslandsjournal-Podcasts "Der Trump Effekt".
Trumps schwindende Macht: Warum ihm die Partner ausgehen
Die Nervosität steigt. In Washington beobachtet USA-Korrespondent Elmar Theveßen einen Präsidenten unter Druck:
Er merkt, er kriegt am Ende wahrscheinlich nur eine Vereinbarung, die er nicht als Sieg verkaufen kann.
Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington D.C.
Trumps Anspruch, Konflikte schnell zu lösen, stößt an Grenzen. Theveßen bezeichnet das als "One-and-Done-Syndrom" - der Glaube, komplexe Krisen ließen sich mit einem einzigen Schritt beenden.
Die Benzinpreise erreichen neue Höchststände, die Beliebtheitswerte für den US-Präsidenten neue Tiefststände, sagt Elmar Theveßen in Washington. Trump brauche einen Iran-Deal.
28.05.2026 | 2:35 minDoch genau das funktioniert weder in Iran, noch in Gaza oder der Ukraine. "Kriege oder Friedensschlüsse entstehen durch harte Arbeit", sagt Theveßen - nicht durch "Fingerschnippen".
Die Europäer seien zunehmend frustriert, sagt Brüssel-Korrespondent Ulf Röller. Europas Staatschefs seien regelrecht nach Washington gepilgert, hätten ihre Verteidigungsetats erhöht, auch um Trumps Gunst zu gewinnen. "Aber man hat gemerkt, dass diese Gunst eigentlich nicht verlässlich ist", sagt Röller.
Social-Media-Diplomatie: Risiko und Seuche
Die schnellen Erfolge auf der diplomatischen Weltbühne blieben aus. Nicht jeder Konflikt könne durch Stärke allein beendet werden, sagt Röller. Die nächtlichen KI-generierten Bilderfantasien, die Trump auf seinem eigenen Truth-Social-Kanal veröffentlicht, könnten auch der Versuch sein, die eigene Frustration zu überspielen.
Die USA wollen der Nato die militärischen Mittel kürzen. Grund dafür soll auch die Neuaufstellung im Indopazifik sein. ZDFheute live ordnete die Auswirkungen für die Nato ein.
27.05.2026 | 35:21 minStändig würde Trump Zwischenergebnisse von Verhandlungen auf Social Media veröffentlichen, sagt USA-Korrespondent Theveßen. Diese enthielten auch mal Fehlinterpretationen. "Und die lassen den amerikanischen Präsidenten dann schlecht aussehen." Social Media als Verhandlungswerkzeug zu nutzen, bezeichnet Theveßen als "Seuche".
Besonders problematisch: Trumps Stil erschwert echte diplomatische Erfolge. Statt vertraulicher Verhandlungen setzt er auf öffentliche Statements. Die Folge: Gesprächspartner gehen auf Distanz oder widersprechen öffentlich.
Große Konflikte, keine einfachen Lösungen
Selbst so enge Verbündete wie Israel seien mehrheitlich nicht mehr überzeugt, dass Trump für größere Sicherheit sorgen könne, sagt Sonderkorrespondentin Katrin Eigendorf. Im Prinzip hätten alle, Ukrainer, Russen, Israelis und Europäer, das Vertrauen in Amerika als globalem Friedensmakler verloren.
Eigentlich kann kein Frieden, den Trump miterarbeitet, ein dauerhafter sein.
Katrin Eigendorf, ZDF-Sonderkorrespondentin
Gleichzeitig fehlen Alternativen. Europa wirkt unsicher, uneinig, ohne klare Vermittlerrolle. "Das ist ein strategischer Nachteil", sagt Brüssel-Korrespondent Röller. Während Russland und andere Akteure eigene Interessen konsequent verfolgen, bleibt Europa oft Zuschauer.
Unter dem Strich entsteht ein gefährliches Bild: Ein US-Präsident, der große Konflikte lösen will, aber dafür immer weniger verlässliche Partner hat. Und eine Welt, in der genau diese Partner entscheidend wären. Oder, wie es Röller zugespitzt formuliert: "Donald Trump - Allein zu Haus."
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