Fußball-WM 2026: Warum die Vorfreude in den USA gedämpft ist

WM-Countdown in Nordamerika:Warum die WM-Euphorie in den USA ausbleibt

von Anne Sophie Feil, Washington, D.C.

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In wenigen Tagen beginnt die größte Fußball-WM aller Zeiten. Doch die Vorfreude auf ein amerikanisches Sommermärchen scheint sich vor Ort noch nicht einzustellen. Ein Stimmungscheck.

Blick auf das Levi's-Stadion in Santa Clara, Kalifornien

Die Fußball-WM soll in mehreren Städten der USA stattfinden, große Begeisterung ist bislang aber kaum spürbar. Teure Tickets, weite Reisen und politische Debatten sorgen für Zurückhaltung.

21.05.2026 | 1:37 min

Es soll die "größte und inklusivste Weltmeisterschaft aller Zeiten" werden, verspricht FIFA-Chef Gianni Infantino. Doch von Fußball-Euphorie ist in den USA bisher wenig zu spüren. Darauf weisen zumindest Buchungsdaten der American Hotel & Lodging Association (AHLA) hin.

Knapp 80 Prozent der Hotels in den US-Austragungsstädten meldeten Anfang Mai Buchungszahlen, die weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. In Städten wie Seattle oder Philadelphia wird das Turnier von Hoteliers teils sogar als "Nicht-Ereignis" wahrgenommen, da der erhoffte internationale Tourismus-Boom bisher fehlt.

Maskottchen der WM 2026

Die Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada ist das erste Turnier mit 48 Mannschaften. Die wichtigsten Informationen zur Mega-WM vom 11. Juni bis zum 19. Juli 2026.

09.05.2026 | 2:13 min

Drei Gründe, die dafür verantwortlich sein könnten:

1. USA sind keine traditionelle Fußball-Nation

Fußball ist der beliebteste Sport weltweit. Das gilt insbesondere für die meisten Länder Europas, Afrikas und Lateinamerikas. Doch in den Vereinigten Staaten hat Soccer, wie die Sportart dort heißt, wenig Tradition.

sportstudio live: FIFA Fußball-WM 2026

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Dort ist der American Football die unangefochtene Nummer eins. Der Tag nach dem Super Bowl, dem Endspiel der amerikanischen Football-Profiliga NFL, wird scherzhaft als inoffizieller Feiertag bezeichnet. Mit weiteren traditionell US-amerikanischen Sportarten wie Basketball, Baseball und Ice Hockey hat der Soccer viel Konkurrenz.

Kulturell scheint also der Funke noch nicht übergesprungen zu sein. Kritiker vermissen soziale Rituale, wie etwa das traditionelle Sammeln von Stickern, die das Turnier mit Emotionen aufladen. Andere bemängeln eine zu profitorientierte Vermarktung des Sports.

"Länderspiegel": Sendungslogo.

In drei Wochen beginnt die Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada, doch die Stimmung ist gedämpft. Einige Fans boykottieren das Turnier, kritisieren Trumps Einreisepolitik und hohe Ticketpreise.

23.05.2026 | 4:33 min

2. WM-Tickets sind ein Produkt für die Elite

Für den inflationsgebeutelten Durchschnitts-Amerikaner ist die WM nahezu unbezahlbar. Laut der Price-Tracking-Plattform TicketData kostet eine Karte für ein Gruppenspiel in New York Stand Mai im Schnitt 864 US-Dollar (etwa 740 Euro), Tickets für das Gruppenfinale gegen Ecuador am 25. Juni in New Jersey werden für über 3.200 US-Dollar (etwa 2.700 Euro) verkauft.

Zum Vergleich: Beim Finale der vergangenen WM 2022 in Katar etwa kostete das teuerste Ticket auf offiziellem Wege umgerechnet rund 1.600 US-Dollar (etwa 1.350 Euro).

Selbst Bayern-Legende Uli Hoeneß zeigt sich entsetzt über die Kommerzialisierung. Im Gespräch mit dem "Spiegel" sagte er:

Infantino hätte dafür sorgen müssen, dass Fußball bezahlbar bleibt.

Uli Hoeneß, ehemaliger Spieler und Manager sowie aktueller Ehrenpräsident des FC Bayern München

So sieht es auch US-Präsident Donald Trump. Von der "New York Post" auf die hohen Ticketpreise für das Eröffnungsspiel angesprochen, sagte dieser: "Ich wäre ganz sicher gern dort, aber offen gestanden, ich würde es auch nicht zahlen."

Dabei ist auch Trump mit seiner Politik nicht ganz unschuldig an der verhaltenen WM-Stimmung.

Donald Trump und Gianni Infantino

Vor dem Start der Fußball-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada gibt es viel Gesprächsstoff. Im Mittelpunkt: US-Präsident Donald Trump.

19.05.2026 | 1:45 min

3. USA in der Image-Krise

Der internationale Ruf der USA als Reiseziel hat massiv gelitten, was die globale Vorfreude spürbar bremst. Branchenexperten beobachten ein wachsendes "antiamerikanisches Sentiment" und warnen vor einem "Trump Slump", einem auf den Präsidenten zurückführbaren Einbruch im Tourismussektor.

Menschenrechtsorganisationen wie die Human Rights Watch warnen, die WM finde "vor dem Hintergrund menschenrechtsverletzender Einwanderungskontrollen in den Vereinigten Staaten, neuer Bedrohungen für die Medienfreiheit, Diskriminierung und nicht eingehaltener Menschenrechtsverpflichtungen seitens der FIFA und der Austragungsstädte statt", so die Human Rights Watch.

Menschen aus migrantischen Gemeinschaften könnten demnach in Stadien oder Fan-Zonen einem erhöhten Risiko von Übergriffen ausgesetzt werden. Eigentlich sollte die diesjährige WM im Zeichen der Menschenrechte stehen, sagte Minky Worden, Direktorin für globale Initiativen der Organisation.

Stattdessen führen die brutalen Maßnahmen der US-Regierung gegen Migrant*innen, ihre diskriminierende Politik und die Bedrohung der Pressefreiheit dazu, dass das Turnier Gefahr läuft, von Ausgrenzung und Angst geprägt zu sein.

Minky Worden, Direktorin für globale Initiativen bei Human Rights Watch

Es gibt jedoch Orte, an denen das Interesse spürbarer ist. Kansas City etwa hat sich als "Soccer Capital of America", also Fußball-Hauptstadt Amerikas, positioniert und viel in Infrastruktur investiert. Und Hotels in den Städten Atlanta und Miami zeigen stabilere Buchungszahlen, was auf ein gewisses lokales Interesse hindeutet.

Anne Sophie Feil ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.

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Über dieses Thema berichteten die heute-Sendungen am 21.5.2026 ab 17:00 Uhr und ab 19:00 Uhr.

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