Human Rights Watch: Menschenrechte in Gefahr - "neue Qualität"

Human Rights Watch Report 2026:Menschenrechte in Gefahr: "Das ist eine neue Qualität"

Dorthe Ferber

von Dorthe Ferber

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Eine existenzielle Krise des internationalen Menschenrechtsystems stellt der World Report 2026 von Human Rights Watch fest. Auch in Deutschland gebe es Anlass zu Sorge.

Philipp Frisch, Direktor Human Rights Watch Deutschland

Laut Philipp Frisch, Direktor von Human Rights Watch, befindet sich das "System der Menschenrechte" in einer "existenziellen Krise".

04.02.2026 | 2:37 min

"Überleben Menschenrechte die Welt von Trump?" steht über dem 529 Seiten starken World Report 2026, der die Menschenrechtslage in über 100 Ländern untersucht. Die Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch sieht nach einem Jahr Donald Trump die Lage der Menschenrechte weltweit als besorgniserregend an: "Das regelbasierte System als solches wird infrage gestellt", sagt der Direktor von Human Rights Watch Deutschland (HRW), Philipp Frisch:

Das ist eine neue Qualität.

Philipp Frisch, Direktor von Human Rights Watch Deutschland

Russische Polizisten nehmen Demonstrant fest

Als Menschenrechte gelten angeborene, universelle Rechte, die jedem Menschen allein aufgrund seines Menschseins zustehen, unabhängig von Nationalität, Geschlecht, Religion oder Hautfarbe.

Quelle: epa

Russland, China und USA krempeln regelbasierte Ordnung um

Zwar sei die regelbasierte Ordnung als Rahmen für Menschenrechte schon immer mehr Anspruch als Wirklichkeit gewesen, nun werde das System aber zwischen einer immer autokratisch regierenden Trump-Administration und anderen autoritären Ländern wie Russland zerrieben, heißt es.

Obwohl China und Russland mit einer traditionell illiberalen Agenda strategische Rivalen der USA blieben, zeige die politische Führung in allen drei Ländern offene Verachtung für Normen und Institutionen, die ihre Macht beschränken.

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Auch in Deutschland Grund zur Sorge um Menschenrechte

Auch in Deutschland gebe es Anlass zu großer Sorge: "Die politische Rhetorik der AfD wurde von demokratischen Parteien übernommen", unterstreicht Almaz Teffera, Referentin bei Human Rights Watch. Unter der neuen Bundesregierung habe sich die harte Haltung Deutschlands in der Migrationspolitik verschärft.

Die Nichtregierungsorganisation hebt zudem den "beispiellosen Anstieg politisch motivierter Hasskriminalität" hervor und bezieht sich auf die offizielle Statistik des Bundeskriminalamtes.

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Anstieg von Homophobie als "Frühwarnsystem"

Weltweit gebe es einen Anstieg von Homophobie, den Human Rights Watch als ein "Frühwarnsystem für allgemeine Menschenrechte" wertet. In Deutschland verweist die Organisation auf den registrierten Anstieg von Straftaten aufgrund der sexuellen Orientierung und geschlechtsbezogenen Diversität. Kritisch sieht Human Rights Watch die Pläne der Union, das 2024 beschlossene Selbstbestimmungsgesetz wieder abzuschaffen.

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Klare Erwartungen an die Bundesregierung

Außenpolitisch hat die Nichtregierungsorganisation klare Erwartungen an die Bundesregierung: "Was wir uns von Deutschland wünschen, wäre ein sehr viel selbstbewussteres und klareres Einstehen für die universelle Geltung von Menschenrechten", sagt HRW-Direktor Frisch. Beispielhaft sei die deutliche Zurückhaltung der Bundesregierung in Bezug auf die Wahrung der Menschenrechte in den USA, aber auch beim Thema Gaza höre man von Deutschland viel zu wenig.

Deutschland sei als weltoffenes Land mit vielen Handelsbeziehungen, das von der Geltung internationaler Regeln besonders profitiere, auch beim Thema Menschenrechte besonders gefordert. Nach dem Rückzug der USA aus Programmen der Vereinten Nationen müsse Deutschland jetzt mehr Geld zum Schutz der Menschenrechte ausgeben, fordert Frisch:

An Menschenrechten zu sparen ist viel zu teuer.

Philipp Frisch, Direktor von Human Rights Watch

Dorthe Ferber ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Human Rights Watch: Menschenrechte in "existenzieller Krise" am 04.02.2026 um 06:01 Uhr.

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