Warnung vor Trump-Führerkult: "USA sind ein autoritäres Regime"

Interview

US-Philosoph:Stanley: "USA sind ein autoritäres Regime"

|

US-Philosoph Jason Stanley warnt im ZDF: Die USA sind kein demokratischer Staat mehr, sondern "ein autoritäres Regime". Es gebe einen Führerkult und kaum Widerstand gegen Trump.

Einen Feiertag zu seinen Ehren, sein Porträt auf der 100-Dollar-Note oder ein "Donald J. Trump International Airport" nahe Washington: Die Republikaner zeigen viel Einfallsreichtum, wenn es darum geht, ihren US-Präsidenten zu würdigen. Zahlreiche entsprechende Gesetzesanträge wurden bereits eingebracht.

Seit sechs Monaten ist Donald Trump wieder im Amt. Die Liste der Vorschläge, wie der Präsident schon jetzt augenfällig geehrt werden sollte, ist lang. Am weitesten wagt sich wohl die Republikanerin Anna Paulina Luna vor. Sie vertritt Florida im Repräsentantenhaus.

Luna möchte Trumps Abbild in die Felswand des "Mount Rushmore" meißeln lassen, wo schon vier der bedeutendsten Präsidenten der US-Geschichte verewigt sind: George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln.

X-Post von Anna Paulina Luna

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von X nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von X übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von X informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.

US-Philosoph sieht Führerkult um Trump

Die republikanische Mehrheit sieht ihre Aufgabe darin, Trump blind zu folgen. "Er führt, wenn er sagt, wir sollen alle hochspringen und uns am Kopf kratzen, dann machen wir das", sagt der republikanische Abgeordnete Troy Nehls im November 2024.

Philosophieprofessor und Propagandaforscher Jason Stanley fällt im ZDF heute journal ein klares Urteil: Er sieht Kennzeichen eines Führerkults im Trump-Amerika und beschreibt die USA als ein autoritäres Regime.

Wir müssen aufhören, vom Ende der US-Demokratie zu sprechen. Wir sind weit über diesen Punkt hinaus. Die Vereinigten Staaten sind ein autoritäres Regime.

Jason Stanley, Propagandaforscher

"Wir können diskutieren, ob es faschistisch ist oder nicht. Aber wir haben keine Grenzen mehr", so Stanley weiter.

Eigentlich setzt die amerikanische Verfassung Trump Grenzen. Doch die Verfassung und auch das Parlament umgeht er, indem er Notstände erklärt, die seine Befugnisse erweitern. Wenn Richter das als Unrecht bewerten, ist es schon passiert. Die Gewaltenteilung funktioniert nicht mehr.

Zwar gebe es nicht etwa Massenverhaftungen von Oppositionellen, "aber sie werden angegriffen durch unser Justizsystem". Er stellt fest: "Wir sind nicht im Jahr 1938 in Deutschland." Aber es fühle sich an wie 1933. Damals ergriff Adolf Hitler die Macht.

Stanley: Wie China oder Nordkorea

Trump erzeuge ein Klima der Angst, meint Stanley. Das könne man beispielsweise daran sehen, dass die wichtigsten Tech-Bosse in den USA den Präsidenten mit Lob überschütteten.

"Ich meine, das sah wie China aus oder wie Nordkorea", sagt Stanley. "Selbst die europäischen Führer haben ihn [bei ihrem Treffen mit Trump im Weißen Haus] hochgelobt. Das ist, wie man ihm jetzt begegnet. Und das ist nicht wie in einem demokratischen System."

Demokraten kritisieren Verherrlichung Trumps

In den Reihen der Demokratischen Partei sorgen die Bemühungen zur Verherrlichung Trumps wie die von Republikanerin Anna Paulina Luna eher für Spott und Unverständnis. Die Kritik: Statt sich dem Wohl des amerikanischen Volkes zu widmen, versuche man lediglich, die eigene Basis zu besänftigen.

Der demokratische Fraktionsvorsitzende Hakeem Jeffries etwa bezeichnet die Republikaner im Repräsentantenhaus als "Schleimer und Schmeichler" und wirft ihnen vor, sich "immer wieder selbst zu blamieren". Doch für die scheint es mitunter ein kluger Schachzug zu sein. Schließlich kann die Unterstützung Trumps ihnen den politischen Weg ebnen.

Das Interview führte Marietta Slomka, zusammengefasst hat es Katharina Schuster.

Quelle: mit Material von dpa

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen

Jetzt aktivierenMehr erfahren

Mehr zu Donald Trump

  1. Donald Trump
    FAQ

    Vor den Midterms:Wie die US-Regierung die Frankreich-Proteste für sich nutzt

    von Katharina Schuster
    mit Video2:15

  2. Das Logo der Firma Meta ist auf einem Handydisplay zu sehen. (Archiv)

    Analysefirma hatte Nutzerdaten gesammelt:Cambridge-Analytica-Skandal: Meta soll Milliarden zahlen

    mit Video0:25

  3. Demonstranten bei einer Kundgebung unter dem Motto „No Kings: Vote Early“ („Keine Könige: Wählt früh“) in der Nähe des Memorial Circle in Arlington, Virginia

    Midterms in den USA:Trump gewählt, nun frustriert: Eine Kleinstadt vor der Wahl

    Katharina Schuster, Virginia
    mit Video1:23

  4. US-Präsident Donald Trump geht auf der Joint Base Andrews in Maryland zur Air Force One.

    Ukraine-Krieg:Trump offen für Gipfel mit Putin und Xi

    mit Video0:24

  5. FIFA-Chef Gianni Infantino.

    FIFA soll in zwei Wochen antworten:Investorendeal: UEFA hat Fragen an Infantino

    mit Video1:35

  6. Waldimir Putin besucht einen militärischen Einsatzleitstand
    Analyse

    Berichte über Gipfel mit Trump und Xi:Ukraine-Krieg: Für Putin läuft es wieder

    von Sebastian Ehm
    mit Video2:35

  7. Trump spricht bei einer Tagung der Republikaner.
    Analyse

    US-Bürger wählen Kongress:Wie viel Macht bleibt Trump? Vier Szenarien nach den Midterms

    Katharina Schuster, Washington D.C.
    mit Video7:11

  8. No Kings Protest Washington

    Widerstand gegen Trump in den USA:"No Kings": Landesweite Proteste vor den Midterms

    Victoria Weskamp, Washington
    mit Video0:55