Wahlkampf in den USA:Trump setzt seine Partei aufs Spiel
von Bastian Hartig
In Texas gewinnt der umstrittene Ken Paxton mit Hilfe Trumps die Vorwahl um die Kandidatur für den Senat. Viele Republikaner befürchten, das könnte die Partei die Wahl kosten.
Bei den Vorwahlen der Republikaner hat sich der von Donald Trump unterstützte Kandidat in Texas durchgesetzt. Ob der sich aber bei den Wahlen im November auch durchsetzen kann, ist unsicher.
27.05.2026 | 2:00 minAls Ken Paxton am Dienstagabend um halb neun im Ballsaal des Marriott Hotels in einem Vorort von Dallas auf die Bühne tritt, weiß er genau, wem er seinen Wahlsieg zu verdanken hatte:
Präsident Trump ist der Anführer unserer Partei und seine Unterstützung ist die mächtigste Kraft in der Politik.
Ken Paxton, Republikanischer Senatskandidat
Das sagt Paxton seinen jubelnden Unterstützern im Saal und den Fernsehkameras aller wichtigen US-Sender, die an diesem Abend auf ihn gerichtet sind.
Trump stärkte Paxton bei Vorwahl in Texas
Mit nahezu Zweidrittelmehrheit gewann der erzkonservative Paxton die Stichwahl um die republikanische Kandidatur für einen der beiden Senatssitze für Texas, der bei den Zwischenwahlen im November neu besetzt wird. Er besiegte den 74-jährigen viermaligen Amtsinhaber John Cornyn.
Trump habe die Republikaner weiter fest im Griff, sagt USA-Experte Müller Kaler. Seine Machtbasis sei umfangreich und er habe die Partei um neue Wählergruppen erweitert, so Müller-Kaler.
22.05.2027 | 12:15 minBis vor kurzem stand die Wahl verschiedenen Umfragen zufolge noch auf der Kippe. Doch dann kam Donald Trump. Mitte Mai sprach er auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social Ken Paxton seine "komplette und totale Unterstützung" aus.
Wählerin: Trump hat viel für uns getan
Für Roxanna Maddox war das entscheidend. "Ich war bis zuletzt unentschlossen, für wen ich stimmen soll, aber Trumps Unterstützung gab für mich den Ausschlag", sagt die 68-jährige Immobilienmaklerin aus Jacksboro, einem kleinen Ort inmitten von Kuhweiden und Ölquellen etwa zwei Stunden westlich von Dallas.
Ich habe gesehen, was Trump in den letzten zwei Jahren nicht nur für unser Land getan hat, sondern auch für unseren Bundesstaat und unseren Landkreis.
Roxanna Maddox, republikanische Wählerin
Roxanna Maddox, Immobilienmaklerin aus Jacksboro in Texas, unterstützt die Republikaner.
Quelle: ZDF/Bastian HartigSie steht vor dem Gerichtsgebäude von Jacksboro. Gerade hat sie hier ihre Stimme für Paxton abgegeben. "Es geht uns viel besser als noch vor zweieinhalb Jahren. Deswegen bedeutet mir seine Unterstützung sehr viel", sagt die Trump-Anhängerin über ihren Präsidenten.
Paxton immer wieder im Zentrum von Skandalen
Dass Paxton, der seit mehr als zehn Jahren Generalstaatsanwalt von Texas ist, immer wieder im Zentrum von Skandalen stand, stört Maddox nicht. Bereits 2015 wurde er wegen Betrugs angeklagt.
Paxtons eigene Partei leitete 2023 ein Amtsenthebungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs und Betrugs gegen ihn ein. Am Ende wurde er freigesprochen.
Nach Trumps verlorener Wahl 2020 verklagte Paxton mehrere Bundesstaaten wegen Wahlbetrugs. Die Fälle wurden allesamt abgewiesen. Aber bei Trump, der bis heute seine damalige Wahlniederlage nicht eingestanden hat, machte ihn das beliebt.
Paxton’s Gegner in den Vorwahlen, Cornyn, fiel bei Trump in Ungnade, als er ihn bei den letzten Präsidentschaftswahlen nur zögerlich unterstützte. "Die Zeit hat ihn überholt", sagte Cornyn im Mai 2023 über Trump. So etwas vergisst Trump nicht.
Der US-Präsident muss einen doppelten Rückschlag vor den US-Zwischenwahlen hinnehmen. Auch Widerspruch aus den eigenen Reihen verhinderte die gewünschten Wahlkreis-Zuschnitte.
27.05.2026 | 0:46 minTrump räumt Gegner aus dem Weg
Trump hat sich in den letzten Wochen gleich mehrerer seiner Gegner entledigt. In Louisiana und Kentucky verloren mit Bill Cassidy und Thomas Massie zwei langjährige Amtsinhaber gegen durch Trump unterstützte Kandidaten in den Vorwahlen.
Amtsinhaber gegen vergleichsweise unbekannte Kandidaten zu ersetzen, kann oft ein Risiko darstellen, zumal so kurz vor einer Wahl. Das gilt besonders, weil Trump in der Wählergunst immer weiter absackt. Dass die Republikaner im November ihre ohnehin knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren werden, nehmen viele in der Partei bereits als gegeben hin.
Inzwischen halten es aber immer mehr für möglich, dass die Demokraten auch den Senat gewinnen könnten. Noch vor wenigen Monaten galt das als extrem unwahrscheinlich.
Republikanische Senatoren stellten sich auch gegen Trump, weil dessen unpopulären Maßnahmen ihre Wiederwahl in den anstehenden Zwischenwahlen gefährden könnten, sagt USA-Korrespondent Theveßen.
22.05.2026 | 14:10 minRepublikaner befürchten Niederlage bei den Zwischenwahlen
Diese Befürchtungen nährt nicht zuletzt Ken Paxton. Sogar einige seiner Parteifreunde sehen ihn als Problem. Fast 100 Millionen Dollar gab die Partei aus, um ihn zu verhindern. Es werde "dreimal so teuer", den texanischen Senatssitz mit Paxton zu verteidigen, als wenn Cornyn der Kandidat gewesen wäre, klagte der Senator und Trump-Freund Lindsey Graham.
Trump scheint das wenig zu stören. Und auch an der Basis war für viele offenbar der Wunsch nach Veränderung in Trumps Sinn stärker als die Angst, die Mehrheit im Senat zu verlieren.
"Ich hoffe und bin vorsichtig optimistisch, dass wir im November gewinnen", sagt Roxanna Maddox. "Texas wird auf jeden Fall Paxton wählen." Längst nicht alle in der republikanischen Partei scheinen sich da so sicher.
Bastian Hartig berichtet aus dem ZDF-Studio in Washington D.C.
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