Triumphbogen, Ballsaal, Skulpturengarten:Warum Trumps Umbaupläne für Washington so umstritten sind
von Fränzi Meyer, Washington, D.C.
Triumphbogen, Ballsaal, Skulpturengarten: Donald Trump hat große Pläne für Washington D.C. Doch warum lösen neue Denkmäler und Gebäude in der US-Hauptstadt so heftige Debatten aus?
Wer durch die Hauptstadt der USA läuft, wird ihm wahrscheinlich begegnen: auf riesigen Bannern an Ministerien oder als Schriftzug auf Gebäuden. Donald Trump wird so in Washington nicht nur zunehmend im Stadtbild sichtbar - er treibt auch seine Ideen für den Umbau der Hauptstadt voran. Während er davon spricht, Washington "schöner" zu machen, sind viele seiner Vorhaben hoch umstritten.
Was auf Trumps Wunschliste steht
Zu den Projekten des US-Präsidenten zählen zum Beispiel ein monumentaler Triumphbogen, ein riesiger Ballsaal am Weißen Haus sowie ein Skulpturengarten mit Denkmälern für 250 - aus Trumps Sicht - bedeutende Amerikaner. Und das weltberühmte Spiegelbecken vor dem Lincoln-Memorial, wo Martin Luther King einst seine "I Have a Dream"-Rede hielt, wird gerade im Eilverfahren in ein kräftiges "USA-Flaggen-Blau" umgefärbt. Einige Projekte haben bereits wichtige Genehmigungsschritte genommen, gegen andere laufen Klagen.
Dass sich nicht alle Vorhaben des Präsidenten durchsetzen lassen, zeigt das Kennedy Center. Nachdem Trump das Kulturzentrum Ende 2025 in "Trump Kennedy Center" umbenennen ließ, entschied ein Richter nun, dass sein Name wieder von der Fassade verschwinden muss. Ob die Umbenennung dauerhaft verhindert wird, ist allerdings noch offen.
Offiziell stehen viele der Projekte im Zeichen eines großen Jubiläums: Im Sommer feiern die USA 250 Jahre Unabhängigkeit, mit vielen Events in der Hauptstadt. Und nicht jede Neuerung sorgt dabei für Ärger: Viele Washingtoner freuen sich zum Beispiel, dass im Zuge der Vorbereitungen nach Jahren wieder Brunnen und Wasserfälle sprudeln. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Neubauten.
US-Präsident Trump muss seinen Namen von der Fassade des “Kennedy-Centers“ entfernen lassen – nur der Kongress dürfe den Namen ändern, entschied der US-Richter.
30.05.2026 | 0:22 minEine Hauptstadt mit traditionsreichen Regeln
Anders als viele andere Metropolen setzt die Hauptstadt der USA seit Jahrzehnten auf eine niedrige Skyline, klare Sichtachsen und strenge Planungsregeln, erklärt die US-Kunsthistorikerin Kathleen James-Chakraborty vom University College Dublin. Größere Veränderungen am Stadtbild seien selten. Die letzten prägenden Eingriffe lägen mehr als 80 Jahre zurück.
Der geplante Triumphbogen würde mit rund 76 Metern Höhe deutlich aus dem bisherigen Stadtbild herausragen und in eine historisch geschützte Sichtachse eingreifen. Für James-Chakraborty sind die Pläne deshalb keine normale Stadtentwicklung.
Es ist der kühne Versuch, einer Stadt seine eigenen Vorlieben aufzuzwingen.
Kathleen James-Chakraborty, Kunsthistorikerin
Ein neuer Ballsaal im Weißen Haus, ein Triumphbogen in Washington oder sogar sein Porträt im Mount Rushmore - die Ideen von Donald Trump werden immer bombastischer.
16.02.2026 | 2:33 minHistoriker: Trumps "Trophäenprojekte"
Kunsthistoriker Barry Bergdoll von der Columbia University in New York erklärt, historisch seien große Veränderungen in Washington meist Ergebnis langer politischer und gesellschaftlicher Prozesse gewesen - nicht die Vision eines einzelnen Präsidenten. Aus Bergdolls Sicht verbessern die Projekte weder die Lebensqualität noch lösen sie konkrete Probleme der Stadt.
Das sind Trophäenprojekte - und Trump liebt Trophäen.
Barry Bergdoll, Kunsthistoriker
Besonders deutlich werde das am geplanten Triumphbogen. Solche Monumente stünden historisch meist für militärische Siege oder Machtdemonstrationen. "Welcher Sieg wird hier eigentlich gefeiert?", fragt Bergdoll.
Im Weißen Haus haben Bauarbeiten begonnen. Ein Teil des historischen Gebäudes wird auf Anordnung des US-Präsidenten Trump entfernt, um Raum für einen neuen Ballsaal zu schaffen.
22.10.2025 | 2:30 minWarum Trumps Vorgehen ungewöhnlich ist
Anders als andere Städte untersteht die Hauptstadt in vielen Bereichen direkt der US-Regierung. Gleichzeitig würden Aspekte der Stadtplanung in Washington seit Jahrzehnten von unabhängigen Gremien und festen Verfahren geprägt, erklärt James-Chakraborty. Mit seinen Plänen bricht Trump mit diesem Prinzip.
Kein US-Präsident hat jemals in einem solchen Ausmaß in die Gestaltung der Hauptstadt eingegriffen, wie Trump es nun vorhat.
Kathleen James-Chakraborty, Kunsthistorikerin
Denkmalschützer warnen vor den Eingriffen ins Stadtbild. Gegen mehrere Projekte laufen weiterhin Klagen, die die Pläne beeinflussen könnten.
US-Präsident Donald Trump machte nach der Entscheidung, das Kennedy Center umzubenennen, kurzen Prozess. Nur einen Tag später prangt sein Name an der Fassade des Kulturzentrums in Washington.
19.12.2025 | 0:21 minEine Stadt, die Trump nicht gewählt hat
Hinzu kommt eine politische Dimension: Washington, D.C. gehört seit Jahren zu den demokratischsten Orten der USA; Trump erhielt bei den Präsidentschaftswahlen kaum Unterstützung. So hat er in der Stadt viele Gegner.
Für die beiden Experten geht es deshalb um mehr als neue Gebäude. Die Debatte dreht sich auch um Symbolik, nationale Identität und die Frage, was die amerikanische Hauptstadt repräsentieren soll.
Fränzi Meyer ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.
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