Bauprojekte am Weißen Haus:Trumps Ballsaal: Große Pläne und viel Widerstand
von Katharina Schuster, Washington D.C.
Proteste in Washington und das Nein eines US-Bundesrichters zum geplanten Ballsaal: Trumps Baupläne am Weißen Haus stoßen auf Widerstand. Ein Überblick über Pläne und Kritik.
Ein goldener WC-Thron: In der US-Hauptstadt Washington D.C. ist erneut eine Kunst-Installation aufgetaucht, die Präsident Donald Trump und seinen Regierungsstil kritisiert.
31.03.2026 | 0:58 minAuf dem Sockel aus künstlichem Marmor glänzt eine goldene Toilette in der hellen Mittagssonne. Daran befestigt eine Plakette: "Ein Thron für einen König". Der Ort für diese Kunstinstallation ist prominent gewählt: direkt auf der "National Mall", der wichtigsten Park- und Gedenkanlage im Zentrum Washingtons. Weiter steht auf der Plakette:
In einer Zeit beispielloser Spaltung, eskalierender Konflikte und wirtschaftlicher Turbulenzen hat sich Präsident Trump auf das konzentriert, was wirklich zählt: die Neugestaltung des Lincoln-Badezimmers im Weißen Haus.
Die Künstler spielen damit nicht nur auf die von Donald Trump angekündigte Renovierung des historischen Badezimmers im Weißen Haus an, sondern richten ihren Protest auch gegen die weitreichenden Bauvorhaben des US-Präsidenten insgesamt.
Touristen nutzen die Gelegenheit für ein Foto auf der ungewöhnlichen Sitzgelegenheit.
Quelle: AFPAm Donnerstag will die staatliche Planungskommission NCPC über eines seiner umstrittensten Projekte entscheiden: einen Ballsaal auf dem Gelände des Weißen Hauses sowie ein neues unterirdisches Besucherzentrum.
Kurz vor der Sitzung griff ein US-Gericht ein. Ein Bundesrichter ordnete am Dienstag einen Baustopp für den Ballsaal an. Für das Projekt fehle dem Präsidenten die Zustimmung des Kongresses, urteilte Richter Richard Leon. Trump sei "nicht der Eigentümer" des Weißen Hauses.
Trump wies die Klage als unbegründet zurück. Seine Regierung legte nur wenige Stunden nach dem Urteil Berufung ein. Nach aktuellem Stand will die Planungskommission wie geplant zusammentreten.
Was plant Trump am Weißen Haus?
Für den rund 400 Millionen US‑Dollar teuren Ballsaal wurde im Oktober bereits der historische Ostflügel des Weißen Hauses abgerissen. Der Neubau wächst und soll mehr als 8.000 Quadratmeter umfassen, mit Platz für etwa 1.000 Gäste.
Die Abrissarbeiten an einem Teil des "East Wing" im Weißen Haus haben im Oktober 2025 begonnen. Dort plant US-Präsident Donald Trump den Bau eines Ballsaals.
21.10.2025 | 1:10 minEs ist eines der größten Bauprojekte am Weißen Haus seit der Truman-Sanierung in den 1950er-Jahren, die notwendig wurde, weil das Gebäude damals strukturell einsturzgefährdet war und vollständig entkernt werden musste.
Parallel treibt die Regierung weitere Großvorhaben voran. Darunter ein unterirdisches Besucher‑ und Sicherheitszentrum, das die bisherigen Eingangszonen ersetzen soll. Befürworter argumentieren, dass der Bau nötig sei, um Sicherheit und Besucherströme besser zu managen.
Der "Secret Service", zuständig für den Schutz des Präsidenten, warnt zudem, ein Baustopp könne Sicherheitsabläufe beeinträchtigen.
Wer soll den Umbau bezahlen?
Offiziell betont das Weiße Haus, dass der neue Ballsaal vollständig privat finanziert werden soll. US-Präsident Trump erklärte mehrfach, für den Bau werde "kein Cent an Steuergeldern" verwendet. Das Projekt solle von ihm selbst sowie einer Gruppe wohlhabender Unterstützer getragen werden. Die Gesamtkosten werden inzwischen auf etwa doppelt so viel wie die ursprünglich veranschlagten 200 Millionen US-Dollar geschätzt.
Kritiker bemängeln, dass bislang keine detaillierten Finanzierungsunterlagen oder Spenderlisten veröffentlicht wurden, was die Herkunft der Mittel nur eingeschränkt nachvollziehbar macht. Auch für das geplante unterirdische Besucher- und Sicherheitszentrum lägen bislang keine klaren öffentlichen Angaben zu Kosten und Finanzierung vor.
Auch das berühmte "Kennedy Center" soll umgebaut werden und dafür zwei Jahre schließen. Kritiker sehen darin eine weitere Politisierung der Einrichtung.
02.02.2026 | 0:30 minWas sagen Kritiker der Bauvorhaben?
Nur einen kurzen Spaziergang entfernt von der Kunstinstallation versammelten sich zuletzt vor dem Zaun des Weißen Hauses immer wieder kleine Gruppen von Demonstrierenden. Auf Pappschildern waren Sätze zu lesen wie "No Construction, Stop Corruption" oder "Protect the People's House".
Auch für Organisationen wie "National Trust for Historic Preservation", die in den USA für den Schutz bedeutender historischer Gebäude eintritt, geht es um mehr als Geschmack. Das Weiße Haus sei ein historisch gewachsenes Gebäude mit bewusst zurückhaltendem Charakter. Ein Neubau könnte dieses Gleichgewicht verändern.
Auch das "Committee of 100 on the Federal City", eine einflussreiche bürgerschaftliche Planungs- und Denkmalschutzgruppe, warnt vor den Plänen. Kritisiert werden vor allem Dimension und Platzierung des Ballsaals.
Bei der Planungskommission NCPC, zu der mehrere von Trump ernannte Regierungsmitarbeiter gehören, gingen mehrere zehntausend öffentliche Kommentare ein. Ein Großteil davon kritisch.
Ein neuer Ballsaal im Weißen Haus, ein Triumphbogen in Washington oder sogar sein Porträt im Mount Rushmore - die Ideen von Donald Trump werden immer bombastischer.
16.02.2026 | 2:33 minWie könnte die Planungskommission entscheiden?
Der frühere NCPC-Planer Thomas Gallas betont in der "New York Times", der extrem verkürzte Zeitplan sei "nie schlüssig" gewesen und entspreche nicht den üblichen Standards für Bundesbauvorhaben.
Dennoch halten einige Beobachter in US-Medien eine Ablehnung des Baus für eher unwahrscheinlich, da in der Planungskommission auch vom Präsidenten ernannte Vertreter sitzen und die Vorbereitungen bereits zu weit fortgeschritten seien.
Gleichzeitig sorgt die Flut kritischer Stellungnahmen sowie Proteste und Kunstaktionen für Unruhe. Ob das reicht, um das Projekt zu stoppen, wird sich heute im Sitzungssaal der Kommission entscheiden.
Katharina Schuster ist Korrespondentin im ZDF-Studio in Washington D.C.
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