Kulturhaus in Washington:Warum Trumps Umbau des Kennedy Centers so umstritten ist
von Beatrice Steineke, Washington, D.C.
Zwei Jahre lang soll das Kennedy Center in Washington geschlossen bleiben. US-Präsident Trump will das renommierte Kulturhaus umbauen. Kritik kommt nicht nur von den Erben Kennedys
Donald Trump hat angekündigt, das Kennedy Center in Washington wegen Renovierungsarbeiten für zwei Jahre zu schließen. Kritiker sehen darin eine weitere Politisierung der Einrichtung.
02.02.2026 | 0:30 minTheater, Tanz, Konzerte - jährlich mehr als 2.000 Veranstaltungen mit vielen der bekanntesten Künstler und Künstlerinnen: Seit Jahrzehnten ist das Kennedy Center in Washington ein Leuchtturm der amerikanischen Kulturszene. Seit Dezember heißt die renommierte Kultureinrichtung offiziell "The Trump Kennedy Center".
US-Präsident Donald Trump hatte die Namensänderung durchgesetzt, die wichtigsten Posten neu besetzt und verkündete am Montag die Schließung für zwei Jahre, um das Kulturhaus umzubauen. Details ließ er offen.
Seit Trump den Vorsitz inne hat, sagten mehrere Künstler und Künstlerinnen ihre Auftritte aus Protest ab. Die Ticketverkäufe sind rückläufig. Die angekündigte Renovierung sorgt für erneute Kritik an Trumps Kulturpolitik.
Seit der Eröffnung 1971 trägt das Kulturzentrum den Namen des demokratischen Präsidenten John F. Kennedy. So hatte es der Kongress nach dessen Ermordung beschlossen. Erst durch die Spendenaktionen der Kennedys konnte der Bau damals finanziert werden. Mehrere Mitglieder der Familie kritisierten jetzt die zweijährige Schließung.
Kennedy-Erben kritisieren Trumps Vorgehen
Kennedys Enkel, Jack Schlossberg, postete auf X, Trump könne "den Namen ändern, die Türen schließen und das Gebäude abreißen". Allerdings werde Kennedy am Leben erhalten, "indem wir uns jetzt erheben, um Donald Trump zu entfernen, ihn vor Gericht zu stellen und die Freiheiten wiederherzustellen, für die Generationen gekämpft haben".
Schlossberg will bei den Zwischenwahlen im November 2026 zum ersten Mal ins US-Repräsentantenhaus einziehen.
X-Post von Jack Schlossberg
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US-Präsident Donald Trump machte nach der Entscheidung, das Kennedy Center umzubenennen, kurzen Prozess. Nur einen Tag später prangt sein Name an der Fassade des Kulturzentrums in Washington.
19.12.2025 | 0:21 minDemokraten: Umbau ohne Zustimmung des Kongresses
Weitere Demokraten klagen an, erneut plane der US-Präsident nach der Namensänderung eine tiefgreifende Veränderung für das Kennedy Center - ohne die Zustimmung des Kongresses.
Stecken hinter der offiziellen Renovierung noch andere Gründe? Die demokratische Abgeordnete Chellie Pingree vermutet, Trump wolle eine "finanzielle Katastrophe" vertuschen. Sie sitzt in dem Ausschuss, der die staatliche Finanzierung des Kennedy Centers überprüft.
Er [Trump] hat es finanziell runiniert. Er hat es zu einem Ort gemacht, an dem Künstler nicht auftreten wollen und Menschen keine Vorstellungen besuchen wollen.
Chellie Pingree, demokratische Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus
Laut Pingree wurden die Kongressmitglieder nicht informiert, welche Renovierungsarbeiten genau geplant seien. Sie vermutet, letztlich plane Trump das Kulturzentrum abzureißen.
Instagram-Post von Chellie Pingree
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Trump: Bringen Kennedy Center "in Ordnung"
Als Trump im Februar 2025 den Vorsitz übernahm, sagte er im Konzertsaal: "Es ist so ein wichtiger Teil unseres Landes und von Washington. Wir bringen es in Ordnung." Danach wurde das Programm geändert, etwa das Kindermusical "Finn" gestrichen - eine Hommage an die LGBTQ-Community. Vor jeder Vorstellung soll die Nationalhymne gespielt werden.
Auf X bedankte sich der Präsident des Kennedy Centers, Richard Grenell, für 257 Millionen Dollar. Diese Mittel wurden vom Kongress im Juli 2025 bewilligt - als Teil von Trumps Steuergesetz. Grenell wurde - wie alle anderen Mitglieder im neuen Kuratorium - von Trump bestimmt. Ihre Zustimmung zur Renovierung gilt als Formsache. Die vorübergehende Schließung sei notwendig, so Grenell. Konkrete Details nannte er nicht.
So können wir unsere Ressourcen besser investieren, größer denken und die historischen Renovierungsarbeiten umfassender gestalten.
Richard Grenell, Präsident des "Trump Kennedy Center" seit Februar 2025
X-Post von Richard Grenell
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Künstler sagen Auftritte aus Protest ab
Die neue künstlerische Ausrichtung des Kennedy Centers unter Trump führte zu mehreren Absagen renommierter Künstler, darunter die Washington National Opera, das Musical "Hamilton" oder zuletzt die Uraufführung der "Symphonie No.15" des weltberühmten Komponisten Philip Glass. Auch der Direktor der New York Dance Company will ein Zeichen des Protests setzen:
Dies ist die einzige staatlich finanzierte Einrichtung für Künstler in unserem Land. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Künstler derzeit mit Trumps Namen auf diesem Gebäude durch diese Türen gehen möchte.
Doug Varone, Direktor New York Dance Company
Die Absagen und die "verheerenden Besucherzahlen" zeigten Wirkung, so der deutsche Journalist Klaus Brinkbäumer in "3sat Kulturzeit". Bei dem "sehr liberalen Publikum" in der Hauptstadt habe sich Trump "verkalkuliert". Es könne auch insgesamt in der US-Bevölkerung wirken, "es ist aber im Moment dafür noch zu früh".
Wenn sich die Demonstrationen, die es überall im Land gibt, verknüpfen mit dem, was auf der Kulturebene geschieht, dann kann daraus natürlich eine Massenbewegung werden.
Klaus Brinkbäumer, Journalist und Autor
Im Weißen Haus haben Bauarbeiten begonnen. Ein Teil des historischen Gebäudes wird auf Anordnung des US-Präsidenten Trump entfernt, um Raum für einen neuen Ballsaal zu schaffen.
22.10.2025 | 2:30 minDie Renovierung des Kennedy Centers ist nicht das einzige Projekt, welches Trumps zweite Amtszeit lange überdauern wird. In Planung ist ein großer Triumphbogen in Washington. Auch der von Jacqueline Kennedy gestaltete Rosengarten und der East Wing im Weißen Haus mussten weichen - für einen großen Ballsaal.
Ab dem 4. Juli schließt das "Trump Kennedy Center". Während die USA 250 Jahre Unabhängigkeit feiern, gehen im traditionsreichen Kulturzentrum die Lichter aus - vorübergehend. Doch ob und wie es weitergeht - 55 Jahre nach der Eröffnung - weiß nur einer: Donald Trump.
Beatrice Steineke ist Korrespondentin im ZDF-Studio Washington, D.C.
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