UN-Friedensmissionen am Limit: "Ein perfekter Sturm"

Sipri-Bericht über UN-Blauhelme:"Ein perfekter Sturm": Friedensmissionen am Limit

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Friedensmissionen am Rande der Belastbarkeit: Forscher des Sipri-Instituts warnen vor einer Entwicklung, die die internationale Konfliktbewältigung weiter schwächen könnte.

UN-Friedenstruppen im Libanon

Die Zahl der UN-Blauhelme war 2025 laut einem Bericht des Stockholmer Sipri-Instituts auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Gründe dafür seien mangelnde Finanzierung und politische Blockaden.

25.05.2026 | 0:23 min

Sie sind weltweit im Einsatz, oft unter gefährlichen Bedingungen: UN-Blauhelme sollen Frieden sichern, wo Konflikte eskalieren. Doch um internationale Friedensmissionen ist es immer schlechter bestellt. Das Geld wird knapper, die Einsätze weniger, die Truppen schrumpfen. Eine Analyse Stockholmer Friedensforscher zeigt: Während Kriege und Spannungen weltweit wachsen, droht der gemeinsame Einsatz für den Frieden schleichend zu zerfallen.

Laut dem aktuellen Bericht des Sipri-Instituts fiel die Zahl der UN-Blauhelme und anderer Einsatzkräfte bei Friedensoperationen 2025 auf den niedrigsten Stand seit mindestens 25 Jahren.

Mittelnahe Aufnahme von Tom Fletcher.

Der UN-Nothilfekoordinator Fletcher hatte die Vereinten Nationen im Dezember um Hilfsgelder gebeten. Er sprach von einem "harten Jahr", nachdem US-Präsident Trump die Zahlungen gekürzt hat.

19.09.2025 | 0:24 min

Ende Dezember betrug deren Zahl demnach 78.633. Das sind nach Sipri-Angaben 49 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren. Insgesamt 58 internationale Friedensmissionen in 34 Ländern oder Gebieten gab es im vergangenen Jahr - drei weniger als 2024.

Sipri warnt vor Bedeutungsverlust der UN

Jaïr van der Lijn, Leiter des Sipri-Programms für Friedensoperationen, sagte laut einer Mitteilung:

Wenn die Entwicklung so weitergeht, könnte es zu einer dramatischen Schwächung der multilateralen Konfliktbewältigung [...] kommen.

Jaïr van der Lijn, Sipri-Institut

Er warnte in diesem Zusammenhang vor einer "fast vollständigen Marginalisierung von Institutionen" wie den Vereinten Nationen.

Zwei Kinder helfen dabei, Essen zuzubereiten, in einem Flüchtlingscamp in El Fasher im Sudan.

Auch Unicef-Chefin Russel rechnete 2025 mit einem Minus von 20 Prozent. Dies habe insbesondere Folgen für Kinder in Krisenregionen.

15.10.2025 | 0:29 min

Milliardenloch bremst UN-Missionen

Die Gründe für den Rückgang laut dem Friedensforscher: ein "perfekter Sturm" aus finanziellen, politischen und geopolitischen Faktoren. Großen Einfluss hatte eine Finanzierungslücke von zwei Milliarden US-Dollar, die im Sommer 2025 bei den UN-Friedensmissionen klaffte.

Wichtige Geldgeber hatten ihre Zusagen laut Sipri nicht rechtzeitig oder vollständig erfüllt. Die Vereinten Nationen mussten daraufhin kräftig beim Personal sparen. Erst Ende Januar 2026 warnte UN-Generalsekretär António Guterres erneut vor einem finanziellen Kollaps der Vereinten Nationen.

Schulden der USA verschärfen Krise der UN-Missionen

Die Vereinigten Staaten spielen eine bedeutende Rolle bei den Friedenssicherungseinsätzen der Vereinten Nationen und sind der größte Beitragszahler. Allein die USA schulden der finanziell stark unter Druck stehenden Organisation Milliarden.

Collage: Mirko Drotschmann vor der "Non Violence"-Skulptur in New York.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schien sich Frieden durchzusetzen. Spätestens der Krieg in der Ukraine beendete diese Phase. Wann begann sich die Gewaltspirale zu drehen? Wie lässt sie sich stoppen?

26.03.2025 | 43:36 min

Im Budget für Friedensmissionen sind es nach UN-Angaben rund 2,2 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Haushalt für das gesamte UN-Peacekeeping beläuft sich für 2025/2026 auf 5,38 Milliarden Dollar. Sipri-Forscher Jaïr van der Lijn warnte vor den langfristigen Konsequenzen des Rückgangs von Friedenssicherungseinsätzen.

"Die Folge dürften mehr Konflikte sein, und diese Konflikte werden wahrscheinlich noch schwerwiegendere Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben, da Staaten seit langem etablierte Normen aufgeben", sagte van der Lijn laut Mitteilung.

Trump-Kurs belastet Arbeit der Vereinten Nationen

Damit dürfte auch US-Präsident Donald Trump gemeint sein. Trump hat sich immer wieder kritisch über die UN geäußert. Während die Reformbedürftigkeit der Vereinten Nationen kaum bestritten wird, sehen Kritiker im US-Kurs vor allem den Versuch, die Organisation finanziell und politisch unter Druck zu setzen.

Das Weiße Haus in Washington D.C.

Die USA ziehen sich aus 66 internationalen Organisationen und Verträgen zurück. Das gab das Weiße Haus bekannt. Grund sei die Unvereinbarkeit mit US-Interessen.

08.01.2026 | 0:20 min

Im Rahmen seiner "America First"-Politik hat Trump die Finanzierung zahlreicher UN-Organisationen drastisch gekürzt oder eingestellt. Unter dem Austritt seines Landes aus vielen UN-Organisationen leidet auch das Vertrauen in die Arbeit der Vereinten Nationen.

Im UN-Sicherheitsrat hätten harte Forderungen und Vetodrohungen der ständigen Mitglieder die Entscheidungen über die Verlängerung von Mandaten für Einsätze erschwert, so die Friedensforscher.

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Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete heute Xpress am 25.05.2026 ab 09:45 Uhr.

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