Ex-Nato-General Egon Ramms: Trump kann nicht ohne die Nato

Ex-Nato-General Egon Ramms:Militärexperte: Trump kann nicht ohne die Nato

|

Weniger US-Schutz, mehr Verantwortung für Europa: Trump will die Mittel der Nato kürzen. Ex-General Egon Ramms erklärt Europas Defizite und warnt vor Risiken für die Ukraine.

Ex-NATO-General Egon Ramms

Europa hätte schon nach der Krim-Annexion 2014 reagieren müssen - nicht erst 2022, sagt Ex-Nato-General Egon Ramms.

27.05.2026 | 23:02 min

US-Präsident Donald Trump will die militärischen Prioritäten der USA neu ausrichten. Europa könnte das direkt spüren: Weniger Kriegsschiffe, weniger Drohnen, weniger Bomber für die Nato. Dazu gibt es Berichte über mögliche Kürzungen der in Europa stationierten US-Streitkräfte.

Steht Europa militärisch also bald alleine da und wird verwundbarer? Und könnte das Russland in die Hände spielen? Der frühere Nato-General Egon Ramms macht bei ZDFheute live deutlich, wie groß der Druck auf Europa schon ist und worum sich die Nato-Staaten jetzt kümmern müssen. Denn: Das Problem liege nicht nur in Washington, sondern auch in Europa selbst.

Sehen Sie oben das gesamte Interview bei ZDFheute live und lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt der frühere Nato-General Egon Ramms dazu, …

… wie sich ein Rückzug der USA auf die Nato auswirken würde

Ein Abzug US-amerikanischer Fähigkeiten würde die Nato spürbar treffen, sagt Ramms. Die möglichen Auswirkungen bewertet er zwar nicht als dramatisch, trotzdem stehe Europa schon unter Druck und sei bei zentralen militärischen Fähigkeiten nicht unabhängig genug und nicht ausreichend ausgerüstet.

Vor allem bei strategischen Bombern, Drohnen und Aufklärungsmitteln könne Europa zurzeit nicht ersetzen, was die USA der Nato bieten. Zwar hätten viele Nato-Staaten ihre Verteidigungsausgaben erhöht, doch der Aufbau neuer Fähigkeiten brauche Zeit.

Hier können Lücken gefüllt werden - aber Lücken füllen heißt auch Zeit verbrauchen.

Egon Ramms, Ex-Nato-General

USA machen Ernst mit teilweisem Rückzug

In Europa herrsche die Sorge, dass Donald Trump die Truppenbewegungen "als Belohnung oder Bestrafung nutzen will", berichtet ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers vom NATO-Treffen.

22.05.2026 | 1:38 min

Kritik übt der ehemalige General deshalb vor allem an Versäumnissen der Vergangenheit: Europa habe nach dem Ende des Kalten Krieges zu stark abgerüstet und Warnsignale, etwa seit 2014, nicht konsequent genug beachtet. Mit den Bemühungen, die 2022 nach Beginn des russischen Angriffskrieges gestartet wurden, hätte 2014 begonnen werden müssen, so Ramms.

Wenn die europäischen Nato-Partner in der Vergangenheit richtig reagiert hätten und richtig gehandelt hätten, dann wären wir heute stärker.

Egon Ramms

Diese alten Lücken müssten genauso geschlossen werden wie neue Lücken, die durch einen Rückzug der USA entstehen könnten, damit die Nato verteidigungsfähig bleibe.

ZDF-NATO-Korrespondentin Isabelle Schaefers und ZDF-Korrespondent David Sauer aus Washington

ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers und ZDF-Reporter David Sauer über die Pläne der USA für die Nato

27.05.2026 | 10:26 min

… welche Folgen ein US-Rückzug für den Angriffskrieg gegen die Ukraine hätte

Mit Blick auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine könnte ein teilweiser Rückzug der USA aus Europa die Sicherheitslage deutlich verschärfen. Man müsse die Frage stellen,

ob das […] eine Einladungskarte an Herrn Putin sein kann, sich möglicherweise weiter in der Ukraine zu engagieren oder vielleicht auch weiterzudenken.

Egon Ramms 

Das wäre, so warnt der ehemalige General, auch für die US-Amerikaner politisch-strategisch falsch.

Nato-Außenministertreffen in Schweden

Gestiegene Energie- und Verteidigungskosten sowie Spannungen mit dem Bündnispartner USA: Beim NATO-Außenministertreffen in Helsingborg steht einiges auf der gemeinsamen Agenda.

22.05.2026 | 2:04 min

… wieso auch Trump die Nato braucht

Dass Trump sich ganz von der Nato abkehren wird, hält Ramms für unwahrscheinlich.

Trump kann nach meiner Auffassung, wenn er eine vernünftige Strategie für die Vereinigten Staaten von Amerika betreibt, nicht ohne die Nato.

Egon Ramms 

Sowohl Trump als auch die europäischen Partner seien von dem Bündnis abhängig. Der Experte vermutet, dass hinter der amerikanischen Truppenverlegung eine Strategie stecken könnte: Die USA bräuchten mehr Soldaten im Indopazifik.

Donald Trump mit erhobener Faust als Schattenriss vor US-Flagge, darunter Schriftzug: "Der Trump Effekt - Speed-Dating mit Xi", rechts Foto von Putin und Xi Jinping

Kaum ist US-Präsident Trump aus Peking abgereist, stattet mit Putin der nächste Staatschef Xi Jinping einen Besuch ab. Was ist das strategische Ziel? Die Debatte im ZDF-Podcast.

22.05.2026 | 52:08 min

Dort bedrohe China die Unabhängigkeit Taiwans - die USA stellten sich hingegen auf die Seite des kleinen Inselstaats. Falls sich der Indopazifik zu einem Schauplatz entwickeln könnte, bräuchte Trump womöglich eine Rückendeckung. "Und die sichere Rückendeckung kommt dann möglicherweise über den Atlantik", so Ramms weiter.

Der Experte glaubt: Selbst wenn Trump seinen Einsatz für die Nato herunterfahren würde, bliebe die strategische Abhängigkeit zwischen beiden bestehen. Was sich verschiebe, sei dann das Kräfteverhältnis.

Das Interview führte Barbara Parente, ausgewertet hat es Janine Arendt.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 26.02.2026 ab 19:30 Uhr.

Mehr zu Trump, Europa und der Nato

  1. Nato-Außenministertreffen in Schweden

    Rubio betont Ansprüche der USA:Europas Nato-Länder stehen unter Druck

    mit Video2:32

  2. Ein Mann läuft am 21.05.2026 an einem Plakat zum NATO-Außenministertreffen in Helsingborg vorbei.

    Nato-Treffen in Schweden:Und die Allianz bröckelt weiter

    Isabelle Schaefers, Helsingborg
    mit Video1:37

  3. Archiv: Nordamerikanisches Militär Übung in Polen

  4. BELGIUM-NATO-DEFENCE