Solidaraktion für Heraskewytsch:Wurde dem Team Ukraine der Ton abgedreht?
Nach der Rodel-Mixed-Staffel ruft das Team Ukraine solidarische Ansagen für Skeletoni Heraskewytsch in die Kamera. Dass der Ton gerade in diesem Moment leise ist, wirft Fragen auf.
Die Rodler des Teams Ukraine zeigen sich solidarisch mit Skeletoni Wladislaw Heraskewytsch.
Quelle: dpaDas ukrainische Rodel-Team hat sich mit dem Skeleton-Fahrer Wladislaw Heraskewytsch solidarisiert. Nach ihrem Rennen in der Team-Staffel im Ziel angekommen, knieten sich Julianna Tunyzka, Andrij Mandsij, Ihor Hoj, Nasarij Katschmar, Olena Stezkiw und Olexandra Moch gemeinsam hin und hielten ihre Helme hoch.
Ukrainisches Team schwer zu verstehen
In der sogenannten Leaders Box, in der sich die jeweils Führenden während eines Rennens versammeln, präsentierten sie sich daraufhin demonstrativ mit einer ukrainischen Fahne. Zudem riefen die Rodler unter anderem die Botschaft "Wlad, wir sind bei dir. Ukraine, wir sind bei dir" in die Kamera, waren dabei aber kaum zu verstehen.
Die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina live im Stream. Moderation: Katrin Müller-Hohenstein, Jochen Breyer.
12.02.2026"Man hört, dass der Ton runtergepegelt wurde", sagte Moderator Jochen Breyer in der ZDF-Olympia-Sendung: "In anderen Fällen - wenn die Sportler in die Leaders Box kommen - ist der Ton voll drauf", so Breyer im Gespräch mit Experte Johannes Ludwig.
Absicht oder Panne?
Der Ex-Rodler und Bundespolizist findet es "äußerst fragwürdig, dass in solche Momentgen einem fast das Wort verboten wird". Breyer lenkte jedoch ein, man könne nur dann von einer Art Zensur sprechen, "wenn es so war, dass das IOC vorher gesagt hat: Liebe Weltregie, pegelt den Ton runter, wenn die Ukrainer kommen."
In der Eskalation um den Helm des ukrainischen Skeletoni hatte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry am Vormittag in Tränen aufgelöst den Ausschluss des 27 Jahre alten Ukrainers von den Wettbewerben in Italien erklärt.
Heraskewytschs Helm mit Fotos getöteter Athleten
Heraskewytsch wollte trotz eines Verbots und mehrfacher Warnungen des IOC nicht auf das Tragen des Helms mit Bildern von im Krieg gegen Russland getöteten Sportkollegen in der olympischen Entscheidung verzichten.
Bei den Olympischen Winterspielen in Cortina ist Skeleton-Pilot Wladyslaw Heraskewytsch ausgeschlossen worden. Das IOC wertet seinen Helm mit Bildern getöteter Athleten als Regelverstoß.
12.02.2026 | 1:31 minAuf dem Helm von Heraskewytsch sind Bilder von rund 20 Athletinnen und Athleten zu sehen, die bei russischen Anschlägen ums Leben gekommen sind. Dies deutet das IOC als politische Botschaft. Laut Olympischer Charta sind dies während eines laufenden Wettbewerbs untersagt.
Heraskewytsch: Hommage, keine Propaganda
Heraskewytsch jedoch erklärt, der Helm sei "eine Hommage an Athleten - und einige von ihnen waren Medaillengewinner bei den Olympischen Jugendspielen. Das bedeutet, sie gehören zur olympischen Familie." Er habe keine Regeln gebrochen.
Vor allem in seiner ukrainischen Heimat ist die Solidarität mit Heraskewytsch, aber auch der Ärger über die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) groß: Präsident Wolodymyr Selenskyj verlieh dem Skeleton-Athleten den Orden der Freiheit - die zweithöchste Auszeichnung des Landes. Er schreibt:
Wir sind stolz auf Wladislaw und seine Tat. Mut zu haben, bedeutet mehr als der Gewinn von Medaillen.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
"Sport bedeutet nicht Erinnerungslosigkeit, sondern die olympische Bewegung sollte den Krieg stoppen helfen und nicht dem Aggressor zuspielen", so Selenskyj weiter. Der Außenminister der Ukraine, Andrij Sybiha, sprach nach dem Rauswurf von einem "Moment der Schande".
Im ZDF sagt der ausgeschlossene Olympia-Athlet Heraskewytsch: "Mein olympischer Moment wurde mir gestohlen."
12.02.2026 | 5:07 min"Extrem hart": Athleten stellen sich hinter Heraskewytsch
Die Vereinigung Athleten Deutschland prangerte den Ausschluss Heraskewytschs an. Man halte die Entscheidung für "falsch" und "unverhältnismäßig", hieß es in einer Mitteilung.
Rückhalt für den Ukrainer gibt es auch von anderen Athleten: "Das ist extrem hart", erklärte Skeleton-Olympiasieger Christopher Grotheer: "Ich kann mir da kein Urteil zu bilden, weil in Deutschland kein Krieg herrscht. Ich kann mich nur in die Situation hineinversetzen als Sportler."
Bilder von getöteten Sportlern zieren den Helm des Skeleton-Athleten Wladislaw Heraskewytsch. Genau deswegen wird er nun von Olympia ausgeschlossen.
Quelle: dpaDer dreimalige Rodel-Olympiasieger Felix Loch erklärte im ZDF: "Es ist Wahnsinn." Es sei eine "sehr, sehr schlechte Entscheidung." Loch ist Mitgründer der Vereinigung "Athletes for Ukraine".
Dem "IOC fehlt das Fingerspitzengefühl", sagt ZDF-Reporter Markus Harm über den Ausschluss von Wladislaw Heraskewytsch von Olympia.
12.02.2026 | 7:46 minDOSB pocht auf Regeln für Olympia
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zeigt Verständnis für die Entscheidung des IOC. "Im Wettkampf sind politische Botschaften und solche, die so interpretiert werden können, sinnvollerweise untersagt", hieß es in einem Statement des DOSB am Donnerstag.
Der ukrainischen Skeletoni Wladyslaw Heraskewytsch ist wegen politischer Stellungnahme von den Spielen suspendiert worden. Verbandsboss Schwab findet das richtig.
12.02.2026 | 3:49 minOlympische Spiele:Athleten-Sprecherin: "Ausschuss unangemessen"
Video6:56Skeleton:Helm-Aktion Heraskewytschs bleibt umstritten
Video3:27Bedruckter Helm beim Skeleton:Verbandsboss Schwab: "Aktion war zu krass"
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