Eishockey:NHL-Stars zurück auf olympischem Eis
von Bernd Schwickerath
Nach zwölf Jahren Pause betreten die Stars aus der National Hockey League am Mittwoch in Mailand wieder olympisches Eis. Zuvor gab es ein jahrelanges Ringen - ums Geld.
Mit Leon Draisaitl kehrt ein Topverdiener der NHL zurück auf die Olympia-Bühne.
Quelle: ImagoAm Sonntagmittag herrschte Aufregung am Flughafen Mailand-Malpensa. Kamerateams rannten hektisch durchs Terminal, Passanten zückten ihre Handys. Kurz zuvor waren die ersten der fünf Charterflieger gelandet, die die National Hockey League (NHL) von New York nach Mailand entsandt hatte.
Eishockey-Nationalspieler Leon Draisaitl im Gespräch mit Sven Voss über die Aussichten des deutschen Turniers beim olympischen Turnier und die Stimmung unter den Athleten.
07.02.2026 | 4:39 minZwölf Jahre ist es her, dass sich die Stars der Szene bei Olympia blicken ließen. Nun in Mailand sind sie wieder dabei. Und sollen ab Mittwoch für das aufregendste Eishockey-Turnier der Geschichte sorgen.
Eine Generation ohne Länderspiele auf Topniveau
Das erwartet auch der deutsche Nationalspieler Nico Sturm: "Wir werden die beste Mannschaft aller Zeiten haben, aber die Gegner natürlich auch." Denn hier betritt eine Generation Superstars die Bühne, die noch nie Länderspiele auf diesem Niveau erlebt hat.
"Es wird großartig", sagte Gary Bettman bereits vor Wochen. Überhaupt spricht der NHL-Chef gerade in höchsten Tönen über Länderspiele. Nicht nur, dass die Eliteliga ihr Personal wieder für Olympia freigibt, sie wird ab 2028 auch ihre eigene WM veranstalten, den World Cup of Hockey. Ein kompletter Sinneswandel, jahrelang hatten die NHL-Bosse kein Interesse an Länderspielen.
NHL sieht keinen kommerziellen Nutzen in Länderspielen
Zwar dürfen ihre Spieler zur jährlichen Weltmeisterschaft. Aber nur die, die dann nicht mehr in den Playoffs gefragt sind. Für eine WM die Saison unterbrechen? Käme in der NHL niemandem in den Sinn. Zuletzt nicht mal für Olympia. Die Liga sieht keinen kommerziellen Nutzen darin. Das gibt Bettman offen zu:
Es gibt viele Gründe, warum ich nie begeistert davon bin, eine zweiwöchige Pause in der Saison einzulegen.
Gary Bettman, NHL-Chef
Für Mailand ist das wieder anders. Was aber auf Druck der Spieler zustande kam. Weil sie eben noch kein Turnier mit den Besten der Besten erlebt haben. In anderen Sportarten wäre das undenkbar, aber im Eishockey sind die Machtverhältnisse andere.
1. Leon Draisaitl (Deutschland) 14 Millionen Dollar
2. Auston Matthews (USA) 13,3 Millionen Dollar
3. Nathan MacKinnon (Kanada) 12,6 Millionen Dollar
4. Connor McDavid (Kanada) 12,5 Millionen Dollar
5. Mitch Marner (Kanada) 12 Millionen Dollar
5. Mikko Rantanen (Finnland) 12 Millionen Dollar
7. Elias Pettersson (Schweden) 11,6 Millionen Dollar
8. Erik Karlsson (Schweden) 11,5 Millionen Dollar
8. William Nylander (Schweden) 11,5 Millionen Dollar
10. David Pastrnak (Tschechien) 11,3 Millionen Dollar
Klare Machtverhältnisse im internationalen Eishockey
Die NHL hat das alleinige Sagen über ihre Angestellten. Die anderen schauen nur zu - das Internationale Olympische Komitee (IOC), der Eishockey-Weltverband IIHF oder die nationalen Verbände. Jahrelang wurde zwischen NHL, der Spielergewerkschaft NHLPA, dem IOC und der IIHF verhandelt: über Vermarktungsrechte, Reisekosten, Versicherungen.
Im Sommer 2025 gab es den Durchbruch. Zur Freude von IIHF-Präsident Luc Tardif, der von einem "Wendepunkt für das Eishockey auf globaler Ebene" sprach. Aber es war ein zähes Ringen. Denn wie Bill Daly, Vizechef der NHL, kürzlich vorrechnete, sind die Verträge der rund 160 Profis, die in Mailand aufs Eis gehen, mehr als 3,7 Milliarden Dollar wert.
1988: Sowjetunion
1992: Gemeinschaft unabhängiger Staaten
1994: Schweden
1998: Tschechien*
2002: Kanada*
2006: Schweden*
2010: Kanada*
2014: Kanada*
2018: Olympische Athleten aus Russland
2022: Finnland
*mit NHL-Spielern
Auch die Deutschen haben immer mehr NHL-Stars
Zu denen gehören auch acht Deutsche. Allein in der aktuellen Saison verdienen sie zusammen 48,7 Millionen Dollar. Leon Draisaitl ist mit 14 Millionen sogar der derzeit bestbezahlte Eishockeyprofi der Welt.
Der größte Star ist aber ein anderer: Connor McDavid, Draisaitls Teamkollege von den Edmonton Oilers. Und was der sich erwartet, machte er dieser Tage deutlich: "Wenn wir über kanadisches Eishockey reden, gibt es eine gewisse Erwartung, und das ist die Goldmedaille."
Die deutschen Eishockey-Frauen sind bei Olympia nach der Auftaktniederlage wieder zurück in der Spur. Das DEB-Team besiegte Japan klar und machte einen großen Schritt Richtung Viertelfinale.
07.02.2026 | 7:49 minDie Favoriten kommen aus Kanada, USA, Schweden und Finnland
Kanada ist der Topfavorit. Dahinter kommen die USA um Torjäger Auston Matthews und Abwehrchef Quinn Hughes. Ebenfalls hoch im Kurs: die Schweden um William Nylander oder die Finnen um Mikko Rantanen.
Nicht zu vergessen die Tschechen mit David Pastrnak. Auch den Deutschen wird etwas zugetraut. Ebenso den Schweizern um Kapitän Roman Josi. Die Slowakei, Dänemark und Lettland haben ebenfalls NHL-Stars zu bieten.
Was alle Teams eint: Sie wissen nicht, wo sie stehen, sie spielen ja zum ersten Mal so zusammen und hatten nicht ein Vorbereitungsspiel. Erst am Donnerstag fanden die letzten NHL-Spiele statt. In der Woche nach Olympia geht es gleich wieder los. Die NHL will die Pause so kurz wie möglich halten. An Länderspielen verdient sie halt nichts.
Gruppe A: Tschechien, Frankreich, Schweiz, Kanada
Gruppe B: Finnland, Italien, Slowakei, Schweden
Gruppe C: Dänemark, Deutschland, Lettland, USA
Die Gruppensieger und der beste Zweite sind direkt im Viertelfinale. Die übrigen acht Teams spielen in der Qualifikationsrunde die restlichen Viertelfinalisten aus.