Kritik an Trump okay, an Putin nicht?:Jessica Diggins: "Ich laufe für das offene Amerika"
von Lars Becker
Langläuferin Jessica Diggins kritisiert bei Olympia die Einwanderungspolitik von Donald Trump. Politische Botschaften sind kein Einzelfall und werden je nach Adressat geduldet.
US-Skilangläuferin Jessica Diggins liegt mit der Einwanderungspolitik ihres Präsidenten über Kreuz.
Quelle: action pressEs gibt derzeit wohl kaum ein globales Thema, in das sich US-Präsident Donald Trump nicht öffentlich einmischt. Die Olympischen Winterspiele in Italien sind da keine Ausnahme. Konkreter Auslöser war die Aussage von Freestyler Hunter Hesse, der über "gemischte Gefühle" gesprochen hatte, die USA im Moment bei Olympia zu vertreten.
Nur weil ich die Flagge trage, heißt das nicht, dass ich alles repräsentiere, was gerade in den USA passiert.
Freestyler Hunter Hesse
Ski-Freestyler Hunter Hess äußert sich kritisch zu den politischen Entwicklungen in den USA. Trump reagiert mit Beleidigungen. Doch die Sportler wollen sich nicht den Mund verbieten lassen.
10.02.2026 | 3:27 minTrump schickte darauf auf seiner Plattform Truth Social eine Beleidigung zurück. Es sei schade, dass Hesse bei Olympia für die USA dabei sei: "Er ist ein echter Loser".
Auch Diggins für Trump eine "Loserin"?
In der Gedankenwelt von Donald Trump dürfte dann auch US-Skilanglauf-Star Jessica Diggins eine "Loserin" sein. Sie hat 2018 und 2022 einen kompletten Medaillensatz bei Olympia gewonnen, zwei WM-Titel gefeiert, je dreimal den Gesamtweltcup und die Tour de Ski gewonnen. Zu Olympia ist sie als Nummer eins der Welt gereist - mit einer politischen Einstellung, die mit der von Hunter Hesse und anderen prominenten US-Sportlern übereinstimmt.
Bei der 34-jährigen Diggins hat das einen ganz speziellen Hintergrund: Die Skilanglauf-Legende ist in Afton aufgewachsen, nicht einmal eine Stunde entfernt von Minneapolis. Also genau dort, wo durch das brutale Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE zwei Menschen ums Leben gekommen sind.
In den USA wurde in vielen Städten gegen den US-Präsidenten und ICE demonstriert. In Minneapolis trat Rockstar Bruce Springsteen mit seinem Protestsong auf.
31.01.2026 | 1:43 minDas ist auch deshalb zu einem großen Thema bei den Olympischen Winterspielen geworden, weil ICE-Agenten zum Schutz einer prominent besetzten US-Regierungsdelegation nach Italien gereist waren. In Mailand protestierten deshalb schon Hunderte Menschen auf den Straßen. Und bei der Olympia-Eröffnungsfeier wurde US-Vizepräsident JD Vance ausgebuht.
"Tiefe Angst" wegen Ereignissen in Minnesota
Jessica Diggins beschäftigt diese Situation enorm. "Ich bin in Minnesota geboren und aufgewachsen, die Gemeinschaft dort hat mein Leben geprägt." Und weiter:
Es ist unglaublich schwer, mich aufs Skifahren zu konzentrieren, wenn ich sehe, was diesen großartigen Gemeinden angetan wird. Zum Glück gibt es viele Menschen, die ihre Nachbarn schützen.
Jessica Diggins, Skilangläuferin
Trotz der komplizierten Situation in ihrer Heimat habe sie sich entschlossen zu starten, weil sie von vielen Menschen darum gebeten wurde: "Die tiefe Angst wegen den Ereignissen in meiner Heimat hat jedem Rennen Sinn und Bedeutung verliehen. Ich konzentriere mich darauf, das Amerika zu repräsentieren, das respektvoll, liebevoll, hilfsbereit, offen und füreinander da ist."
Er will auf im Krieg getötete ukrainische Sportler aufmerksam machen: Trotz IOC-Verbot will Skeleton-Pilot Heraskewytsch seinen Helm mit Bildern der Sportler tragen.
10.02.2026 | 0:51 minDas Thema ICE schlägt auch in der internationalen Sportwelt hohe Wellen. Der britische Freestyler Gus Kenworthy hatte kurz vor dem Start der Olympischen Winterspiele in Italien auf Instagram ein Bild gepostet, auf dem "Fuck ICE" zu sehen ist. Nach seinen Angaben hat Kenworthy den Schriftzug in den Schnee gepinkelt. Eine Strafe sprach das Internationale Olympische Komitee (IOC) trotzdem nicht aus - obwohl politische Proteste oder Botschaften nach Regel 50 der Olympischen Charta eigentlich weitgehend verboten sind.
Auch Ukraine-Präsident Selenskyj mischt mit
Kritik an Donald Trump ist bei den Winterspielen ganz offenbar erlaubt. Anders sieht es im Fall des ukrainischen Skeleton-Fahrers Wladislaw Heraskewytsch aus, der im Training einen Helm mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen trug.
Der ukrainische Skeleton-Pilot Wladyslaw Heraskewytsch darf laut IOC seinen speziellen Helm nicht tragen. Auf diesem sind die Gesichter von getöteten ukrainischen Sportlern abgebildet.
10.02.2026 | 0:51 minDas IOC untersagte das Tragen dieses Kopfschutzes für den am Donnerstag beginnenden Olympia-Wettkampf. Als Kompromiss wurde das Tragen einer schwarzen Armbinde und die freie Äußerung seiner Meinung in Interviews angeboten. Offener Protest gegen den Angriffskrieg von Russlands Präsident Wladimir Putin ist also scheinbar nicht erwünscht.
Heraskyewitsch will den Helm trotzdem tragen und bekommt dafür Unterstützung vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Die Weltpolitik ist präsent bei diesen Olympischen Winterspielen - nicht nur, wenn sich Donald Trump einmischt.
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