Olympia 2026: Philipp Raimund und der Sprung seines Lebens

Gold-Coup auf der Normalschanze:Philipp Raimund und der Sprung seines Lebens

von Stephan Klemm, Predazzo

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Skispringer Philipp Raimund hat noch nie einen Weltcup gewonnen - jetzt ist er Olympiasieger. Den sonst so coolen Bundestrainer Stefan Horngacher bringt das völlig aus der Fassung.

Olympiasieger Philipp Raimund (GER) jubelt bei der Siegerehrung auf der Normalschanze neben Kacper Tomasiak (POL), Ren Nikaido (JPN) und Gregor Deschwanden (SUI) über seine Goldmedaille.

Erste Winterspiele, erstes Gold: Philipp Raimund krönt sich in Predazzo zum Olympiasieger von der Normalschanze und feiert den größten Erfolg seiner Karriere.

09.02.2026 | 8:07 min

Die Anspannung muss riesig sein: Führung nach dem ersten Durchgang. Und in der zweiten Runde landen in einem hochklassigen Wettbewerb sehr viele Springer sehr weit unten und fordern den letzten Springer heraus.

Das ist der Deutsche Philipp Raimund. Er nimmt Platz auf dem Balken der Normalschanze von Predazzo und weiß, dass er den Flug seines Lebens zeigen muss. Ein paar Sekunden später, nach der Landung, weiß Raimund, dass ihm dieser Coup gelungen ist.

Ein Olympiasieger mit kräftiger Stimme

106,5 Meter, Telemark, hohe Wertungsnoten - und dann die Erlösung: Auf der Anzeigetafel taucht neben Raimunds Namen die "1" auf. Er, der Skispringer aus Göppingen, ist nach einer grandiosen Leistung Olympiasieger.

Danach feiert der 25-jährige seinen Triumph exaltiert, reißt die Arme in die Luft, schreit seine Freude heraus, liegt in den Armen seiner Kollegen und sitzt kurz darauf auf deren Schultern. Zu hören ist ein lautes: "Ja." Bei der Siegerehrung singt Raimund inbrünstig die Hymne mit, so laut und energiegeladen, wie er zuvor "Ja" in die Nacht geschrien hatte.

Raimund: "Ich musste was liefern"

Was ihm im Augenblick des Triumphs durch den Kopf gegangen ist, erzählt Raimund ein paar Minuten nach seinem Sieg: "Vor dem ersten Sprung war ich scheiße nervös. Vor dem zweiten wusste ich, dass die Jungs vor mir riesige Weiten erzielt hatten."

Ich musste was liefern. Ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe. Ich bin Olympiasieger. Das ist unglaublich.

Philipp Raimund nach seinem Olympiasieg

Philipp Raimund ist ein offener Mensch, ein nahbarer, extrovertierter Mann. Und er ist ein Weltklassespringer. Im Weltcup hat er schon eine Reihe von zweiten und dritten Plätzen gesammelt. Was allerdings noch fehlt, ist ein Tagessieg.

Leistungskurve von Raimund zeigt seit Wochen nach oben

Dass Raimund aber hier, in Predazzo, bei den 25. Olympischen Winterspielen gewinnen würde, war nach den Eindrücken der sechs Trainingsrunden gleichwohl keine Sensation mehr. Er gewann am Sonntag zwei von drei Runden, einmal wurde er Zweiter.

Die wichtigste Voraussetzung für einen Triumph auf einer Kleinschanze sind ein starker Absprung, das ist Raimunds Spezialität. Wichtig ist zudem eine famose Landung im Telemarkstil. Denn die Weitenabstände sind gering, es zählen die Noten der Punktrichter, die Flug und Aufsprung bewerten.

Raimund vom ersten Durchgang weg stark

Raimund brachte all das schon im ersten Durchgang zusammen. 102 Meter, schlechter Wind, viele Kompensationspunkte und eine hohe Punktwertung hievten ihn auf Platz eins. Im finalen Durchgang waren große Weiten und insgesamt eine formidable Flugshow zu sehen. Und Skispringer, die überraschend stark auftrumpften.

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Die Höhepunkte des 3. Wettkampftages kompakt zusammengefasst unter anderem mit den Entscheidungen im Skispringen, Curling und den Vorläufen im Rodeln der Frauen.

09.02.2026 | 5:47 min

Kacper Tomasiak etwa, ein 18-jähriger Pole, sprang 107 Meter, es war die Topweite am Montagabend. Raimund musste in diesem Bereich kontern und perfekt landen - nur dann würde er eine Chance auf den Sieg haben.

Raimund flog 106,5 Meter weit, bekam hohe Haltungsnoten, zweimal die 19,5, einmal die 19,0 - 20,0 ist der Höchstwert. Außerdem bekam er mehr Windpunkte als Tomasiak. Es musste reichen. Und es reichte.

Horngachers erfüllter Traum zum Abschluss

Raimund gewann vor Tomasiak und den punktgleichen Ren Nikaido aus Japan und Gregor Deschwanden aus der Schweiz. Auf dem Trainerturm jubelte nach Raimunds Sprung Bundestrainer Stefan Horngacher wie wahrscheinlich noch nie zuvor.

Horngachers Amtszeit endet am Ende dieser Saison, nun ist seine Hinterlassenschaft ein Triumph bei Winterspielen.

Einen Athleten zum Olympiasieger zu coachen, war immer das Ziel. Aber das ist nicht leicht zu erreichen.

Stefan Horngacher über den Olympiasieg von Philipp Raimund

Am Dienstagabend geht es gleich weiter für den Olympiasieger und nach Lage der Dinge für Hoffmann: In Predazzo steht der Mixed-Wettbewerb an. Zwei Männer und zwei Frauen bilden ein Team. Nach den Vorleistungen des Montags ist das deutsche Team mindestens ein Medaillenkandidat.

Über die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina berichtet das ZDF ab dem 04.02.2026 täglich bei "sportstudio live".

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