Erinnerung an getötete Sportler:Streit um Skeleton-Helm: Ukrainer bei Olympia ausgeschlossen
Er wollte an getötete ukrainische Sportler erinnern, die auf seinem Helm abgebildet waren: Jetzt wurde der Skeleton-Pilot Heraskewytsch von Olympia disqualifiziert.
Auf dem Helm von Heraskewytsch waren die Bilder von getöteten ukrainischen Sportlern zu sehen.
Quelle: dpa | Alessandra TarantinoIm Streit um seinen Helm mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen ist der Ukrainer Wladislaw Heraskewytsch vom olympischen Skeleton-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Diese Entscheidung traf eine Jury des Weltverbands IBSF. Zudem habe man dem Athleten die Akkreditierung für die Winterspiele entzogen, teilte das Internationale Olympische Komitee mit.
Heraskewytsch enttäuscht von IOC
In mehreren Trainingsläufen war Heraskewytsch mit dem Helm gefahren. Darauf sind Bilder von rund 20 Athletinnen und Athleten zu sehen, die bei russischen Anschlägen ums Leben gekommen sind. Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren gegen eine russische Invasion. Der Helm sei "eine Hommage an Athleten und einige von ihnen waren Medaillengewinner bei den Olympischen Jugendspielen. Das bedeutet, sie gehören zur olympischen Familie", erklärte Heraskewytsch.
"Ich wollte nie einen Skandal mit dem IOC und habe ihn auch nicht verursacht. Das IOC hat ihn durch seine Regelauslegung herbeigeführt, die viele als diskriminierend empfinden", sagte Heraskewytsch vor dem Ausschluss in einem Video. "Obwohl dieser Skandal es ermöglicht hat, lautstark über die getöteten ukrainischen Athleten zu sprechen, lenkt er gleichzeitig die Aufmerksamkeit enorm von den Wettkämpfen selbst und den teilnehmenden Athleten ab."
IOC-Chefin Coventry unter Tränen
Das IOC teilte mit, Heraskewytsch sei nicht an einem Kompromiss interessiert gewesen. Auch bei einem Treffen mit IOC-Präsidentin Kirsty Coventry habe Heraskewytsch keinen Kompromiss akzeptiert, teilte das IOC weiter mit. "Er startet nicht, so ist das Reglement", sagte IBSF-Präsident Ivo Ferriani der dpa.
Politische Botschaften sind laut IOC-Regeln an den Wettkampfstätten untersagt. Die Dachorganisation hatte Heraskewytsch als Kompromiss angeboten, anstatt des Helms ausnahmsweise einen Trauerflor am Arm zu tragen. Das hatte der Ukrainer abgelehnt.
"Ich wollte ihn heute wirklich gerne im Rennen sehen", sagte IOC-Chefin Kirsty Coventry am ZDF-Mikrofon unter Tränen. "Ich habe ihn nicht als Präsidentin gesehen, sondern als Athletin. Ich habe versucht, mit ihm als Athletin zu sprechen. Wir haben diese Regeln, um fair zu sein und den Athleten beides zu ermöglichen: ihre Meinung zu sagen, aber auch sicher zu sein." Es sei eine schwierige Situation für sie alle.
Heraskewytsch: Ohne Helm zu starten war keine Option
Auf dem Helm sei keine politische Propaganda zu sehen und er würde auch niemanden beleidigen, erklärte Heraskewytsch im Interview mit dem ZDF. Er habe damit keine Regeln gebrochen.
Er verwies im ZDF auch auf zahlreiche Sportler, die mit Fotos an verstorbene Angehörige erinnert hätten: wie Maxim Naumov bei den jetzigen Spielen in Mailand Cortina 2026 oder den Deutschen Matthias Steimer, der 2008 Gold im Gewichtheben holte und auf dem Podest mit einem Foto an seine tote Frau erinnerte. Er habe nie darüber nachgedacht, ohne den Helm zu starten. "Manche Dinge sind wichtiger als Medaillen", betonte er. Nun wolle er vor das Internationale Sportgericht CAS ziehen.
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