Deitelhoff bei Illner: Krieg und Spiele sind ein fatales Zeichen

Deitelhoff bei "maybrit illner":Krieg und Spiele sind ein fatales Zeichen

von Torben Schröder

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Erst Krieg, dann Fußball - für Politologin Deitelhoff ein Zeichen, dass Waffengänge nicht mehr das letzte Mittel sind. Kanzler Merz erhält Widerspruch von Parteifreund Röttgen.

v.l.: Nicole Deitelhoff, Norbert Röttgen, Maybrit Illner, Minu Barati, Guido Steinberg, zugeschaltet: Elmar Theveßen

Sehen Sie hier die Sendung "maybrit illner" vom 18. Juni 2026 in voller Länge.

18.06.2026 | 59:15 min

Während die Fußball-WM unter anderem in den Vereinigten Staaten läuft, schlägt ein Einigungsvorschlag zwischen den Kriegsparteien USA und Iran Wellen. Die Reaktionen reichen von Erleichterung bis Entsetzen. Unterdessen tritt, wie schon lange vom Fußball-Weltverband geplant, auch die iranische Nationalmannschaft in den USA an.

Eigentlich, sagt Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff in der ZDF-Sendung "maybrit illner", ist es kein gutes Zeichen, wenn inmitten einer kriegerischen Auseinandersetzung solche Spiele stattfinden. Da zeige sich, dass Krieg nicht mehr die Ultima Ratio ist, sondern von immer mehr Regierungen als normales Mittel der Politik aufgefasst wird.

Wenn Gewalt so normal ist, dann kann man auch am nächsten Tag wieder miteinander Fußball spielen.

Nicole Deitelhoff, Politologin

Im Grunde würden mächtige Staaten derzeit Politik machen, wie man sie früher von den Warlords kannte. Deitelhoff spricht von "neuen staatlichen Kriegsfürsten", für die die internationale Regelordnung keine Rolle mehr spielt.

Menschen hören einem Redner während einer Trauerfeier in Teheran zu

Nach vier Monaten Krieg haben die USA und Iran ein Rahmenabkommen unterzeichnet. In welcher Verfassung befindet sich Iran militärisch, wirtschaftlich und politisch?

18.06.2026 | 3:00 min

Röttgen sieht Niederlage der USA auf ganzer Linie

"Sport ist nie unpolitisch", sagt CDU-Fraktionsvize Norbert Röttgen. Das iranische Regime erhalte durch die WM-Teilnahme eine Aufwertung und Legitimierung - aber auch durch den jüngsten Kompromiss mit dem US-Präsidenten, der den Mullahs "alles" zugestehe: "Das ist jetzt die Rettung des Regimes durch Donald Trump."

Es handele sich um eine strategische Niederlage der USA auf ganzer Linie. Jedes einzelne genannte Kriegsziel sei verfehlt worden. In manchen Punkten ist die Lage nach Röttgens Einschätzung sogar schlechter als vor dem Angriff. Über das Raketenprogramm und das regionale Terrornetzwerk werde gar nicht mehr gesprochen, das Nuklearwaffen-Thema sei vertagt.

Nahost-Experte Fabian Hinz vor dem Brandenburger Tor.

Das iranische Regime sehe sich als Sieger, sagt Nahost-Experte Fabian Hinz. Gleichzeitig sei es völlig offen, wer in Iran am Ende die Fäden in der Hand halte.

18.06.2026 | 12:30 min

Iranische Filmproduzentin kritisiert Merz

"Dieses Abkommen ist verheerend für den Westen, verheerend für die ganze Region", sagt die deutsch-iranische Filmproduzentin Minu Barati. Scharf kritisiert sie, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dem iranischen Regime sogar zu dem Kompromiss gratuliert habe. Für das iranische Volk sei das Abkommen bitter.

Die Bevölkerung ist in einem Klammergriff dieses Regimes, wie wir es noch nie erlebt haben.

Minu Barati, iranische Filmproduzentin

Merz' Aussage, von Iran gehe nun kein staatlicher Terror mehr aus, nennt Parteifreund Röttgen "bedauerlicherweise keine berechtigte Einschätzung". Die aktuelle Form des amerikanischen Kriegsausstiegs sei der "Worst Case mit lang anhaltenden Wirkungen" und "eine strategische Niederlage".

Die Rahmenvereinbarung zwischen Iran und den USA ist nur ein Anfang. Viele Punkte bleiben ungeklärt.

ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen schätzt die Rahmenvereinbarung zwischen Iran und den USA ein.

18.06.2026 | 1:14 min

Experte spricht vom Ende der US-Hegemonie am Persischen Golf

Zumindest beinhaltet der Kompromissvorschlag in den Augen des Nahostexperten Guido Steinberg in der Öffnung der Straße von Hormus einen wichtigen Aspekt. Über die wirtschaftliche Bedeutung hinaus handele es sich um eine Überlebensfrage für viele Menschen. Allerdings sei das iranische Regime durch die wieder anlaufenden Öl-Verkäufe in der Lage, sich zu stabilisieren.

Steinberg geht allerdings von einem großen innenpolitischen Widerstand gegen den Kompromiss innerhalb der USA aus. Auch Deitelhoff sieht das Memorandum auf sehr wackeligen Beinen stehen.

Steinberg spricht vom Ende der US-amerikanischen Hegemonie am Persischen Golf: "Wenn es ganz schlecht läuft, haben wir es mit dem Beginn der iranischen Hegemonie dort zu tun." Durch die iranische Verfügungsmacht über die Straße von Hormus seien "wir nun alle erpressbar".

ZDF-Korrespondenten Elmar Theveßen und Golineh Atai

Der Iran-Krieg habe das Regime gestärkt, meint USA-Korrespondent Elmar Theveßen. Verlierer seien die Golfstaaten und Regimegegner in der Region, so Nahost-Korrespondentin Golineh Atai.

18.06.2026 | 14:15 min

Israel von USA im Stich gelassen

"Das ist sogar schlechter als das, was Barack Obama 2015 ausgehandelt hat", blickt ZDF-Journalist Elmar Theveßen auf den Kompromissvorschlag. Was am meisten beunruhigen müsse, sei, wie sehr Israel von den USA im Stich gelassen wurde.

Die Hisbollah, eine Terrororganisation und verlängerter Arm des Iran, bekommt hier noch diplomatischen Schutz durch den US-Präsidenten.

Elmar Theveßen, ZDF-Journalist

Die USA stehen nun deutlich geschwächt da.

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Über dieses Thema berichtete "maybrit illner" am 18.06.2026 ab 22:15 Uhr.

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