250 Jahre Kriege der USA:Amerikas Problem ist nicht Schwäche - sondern Stärke
von Dagmar Gallenmueller
Kriege machten die USA zur Weltmacht. Heute droht ihr Niedergang. Das liegt nicht an verlorenen Schlachten, sondern auch an zu vielen gewonnenen Kriegen.
Nach 9/11 beginnt der "War on Terror" - Afghanistan und Irak sind Schauplätze eines globalen Feldzugs. Donald Trump definiert die Rolle der USA neu: Macht ersetzt Bündnisse, Kriege brechen aus.
17.06.2026 | 45:49 minSie waren Sieger im Kalten Krieg. Militärisch und ökonomisch dominieren sie seit Jahrzehnten die Weltpolitik. Doch zum 250. Jahrestag der USA zieht Lawrence Wilkerson, ehemaliger Stabschef im US-Außenministerium unter Collin Powell, eine ernüchternde Bilanz: "Wir haben an Führungsstärke, Kompetenz und militärischer Schlagkraft verloren."
Wie konnte es dazu kommen? Wie haben Kriege die Geschichte und das Selbstverständnis der Vereinigten Staaten geprägt? Dieser Frage geht die dreiteilige ZDFinfo-Dokumentation "Die Kriege der USA" nach. Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent in den USA, stellt darin fest: "Das Amerika, so wie wir es kennen, steht kurz vor dem Untergang. Es wird ein anderes Amerika sein."
Siege für die USA ohne dauerhaften Frieden
Der Weg zu dem "anderen Amerika" unter Donald Trump, über das die Welt heute rätselt, begann ausgerechnet in einer Phase beispielloser Stärke. Nach dem Ende des Kalten Krieges Anfang der 1990er schien eine friedlichere Weltordnung möglich. Die Sowjetunion war zerfallen, die USA blieben als einzige Supermacht zurück. Nie zuvor war ihre globale Dominanz größer.
Doch ausgerechnet auf dem Höhepunkt dieser Macht begann eine Welle neuer Kriege und militärischer Interventionen. Ein Viertel aller US-Militäroperationen fand erst nach 1990 statt. Diese Kriege sind meist kürzer als früher, die eigenen Opferzahlen sinken - doch der dauerhafte Frieden bleibt aus.
Als junge Nation befreien sich die USA aus der britischen Kolonialherrschaft, erzwingen im Bürgerkrieg blutig die Einheit und steigen im Ersten Weltkrieg zur Weltmacht auf.
17.06.2026 | 45:26 minÜber "Nation building" spricht heute keiner
Die Kriege in Afghanistan, Irak, Libyen oder Syrien stehen für ein fatales Muster: Militärische Ziele wurden zwar erreicht, stabile politische Ordnungen entstanden daraus jedoch selten. Kriege wurden begonnen ohne einen tauglichen Plan für die Zeit danach. Ethnische und religiöse Spannungen wurden unterschätzt. Der Zusammenbruch bestehender Machtstrukturen hinterließ Leerstellen für neue Extremisten.
Der Versuch, Demokratie mit Waffengewalt zu exportieren, gilt vielerorts als gescheitert. Über "Nation Building" oder die "Responsibility to Protect" spricht heute kaum noch jemand.
Wo haben wir denn Kriege gewonnen - im Sinne eines Gewinns, der den Menschen in der Region und den Vereinigten Staaten zugutekommt? (…) Wir haben jeden einzelnen davon verloren.
Lawrence Wilkerson, ehemaliger Stabschef im US-Außenministerium unter Collin Powell (2002-2005)
Supermacht, Vorbild, Feindbild: Die Doku fragt, welche Verantwortung aus Amerikas Macht erwächst – und ob die USA ihr noch gerecht werden in Zeiten von Spaltung, Kriegen und "America First".
09.06.2026 | 43:46 minDie zwei Gesichter der USA
Der Krieg als Mittel der Politik und das wiederkehrende Scheitern beim Friedensaufbau - die Gründe dafür sucht der Militärhistoriker Sönke Neitzel auch in der politischen Kultur Amerikas: "Die USA sind in ihrer Gesellschaft und auch in ihrer Außenpolitik ein gewaltgesättigtes Land. Die USA haben eine besondere Gewaltkultur." Gleichzeitig seien sie ein Staat, "der über Jahrzehnte für Demokratie eingestanden ist". Ein Spannungsfeld, das die amerikanische Geschichte prägt.
Für viele Europäer sind die Amerikaner vor allem die Befreier vom Nationalsozialismus und Verteidiger westlicher Demokratie. Im Nahen Osten fällt der Blick auf die USA deutlich kritischer aus.
Aus Isolationismus zur Weltmacht: Nach Jahren des Rückzugs steigen die USA im Zweiten Weltkrieg zur Militärnation auf. Atomwaffen, Kalter Krieg und das Trauma Vietnam prägen ihr Selbstbild.
17.06.2026 | 45:26 minErster Auslands-Einsatz der USA in Tripolis
Bereits der erste Auslands-Einsatz der USA führte 1801 in die arabische Welt, nach Nordafrika. Präsident Thomas Jefferson entsandte Kriegsschiffe nach Tripolis gegen die Barbaresken - Piraten, die US-Handelsschiffe angriffen und Lösegeld erpressten.
Heute ist die Region immer noch ein Kriegsschauplatz der USA. Der Nahost-Experte Daniel Gerlach sieht hier eine Kontinuität ihrer Politik, die oft nach dem Muster handelt: "Immer dann, wenn wir irgendein Problem haben, dann schicken wir da einfach Truppen hin."
Sehen Sie die Doku-Reihe "Die Kriege der USA" am 24. Juni 2026 ab 18:45 Uhr bei ZDFinfo oder streamen Sie sie jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Amerika und das chinesische Jahrhundert
Für Daniel Gerlach hat sich aber die Logik amerikanischer Machtpolitik verändert. Wo einst langfristige Allianzen US-Interessen sichern sollten, dominieren heute kurzfristige Interessen. Nicht selten gehe es um "Spekulationsgewinne durch Marktschwankungen". Krieg werde damit auch zu einem Instrument der Finanzmärkte, die von der Destabilisierung ganzer Regionen profitierten.
Umstrittene Interventionen wie in Venezuela oder in Iran haben die moralische Glaubwürdigkeit der USA weiter beschädigt, gleichzeitig präsentiert sich China als Ordnungsmacht. Sönke Neitzel glaubt: "Es spricht sehr viel dafür, dass wir in 100 Jahren sagen werden, das 21. Jahrhundert war das chinesische Jahrhundert."
Unter Donald Trump gerät die Demokratie in den USA zunehmend unter Druck. Aktivisten und Journalisten berichten, was es bedeutet, gegen einen der mächtig-sten Männer der Welt aufzustehen.
15.06.2026 | 43:48 minBolton: USA werden auch Donald Trump überstehen
Doch diese Prognose wollen selbst Kritiker des aktuellen Präsidenten nicht teilen. John Bolton, der frühere Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Trump, zählt auf die Widerstandsfähigkeit der Institutionen: "Ich glaube nicht, dass Amerika im Niedergang begriffen ist. Unsere Wirtschaft ist nach wie vor die stärkste der Welt. Unsere Freiheit und Kreativität sind sehr ausgeprägt." Das politische System sei in einer schwierigen Phase, aber die USA hätten schon Schlimmeres erlebt, sagt Bolton.
Wir haben einen Bürgerkrieg geführt und überstanden. Darum werden wir auch Donald Trump überstehen.
John Bolton, früherer Nationaler Sicherheitsberater von Donald Trump
Selbst die größte militärische Stärke kann politische Konflikte nicht dauerhaft lösen. Vielleicht ist das die wichtigste Lehre aus 250 Jahren Kriege der USA.
Wer gehört in den USA dazu? Die Doku zeigt ein zutiefst gespaltenes Amerika: zwischen Freiheitsversprechen, Protesten, Gewalt und Ungleichheit. Ein Land auf der Suche nach Zusammenhalt.
09.06.2026 | 43:30 minMehr zum Thema USA
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