Trump und das Iran-Abkommen:Harter Aufprall nach dem Käfigkampf
von Matthias Pupat
Die USA und Iran haben sich auf ein Abkommen verständigt. Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer? Die Analyse im auslandsjournal-Podcast "Der Trump Effekt".
Rund 40 Mal hatte US-Präsident Donald Trump eine bevorstehende Einigung mit Iran angekündigt. Jetzt gibt es tatsächlich ein Abkommen. Aber ist das wirklich ein Sieg für Trump?
15.06.2026 | 38:39 minDie USA und Iran haben sich auf ein Rahmenabkommen für ein Ende des Iran-Kriegs geeinigt. Am Freitag soll in Genf eine Absichtserklärung unterzeichnet werden. Während einer 60-tägigen Waffenruhe nach der Unterzeichnung am Freitag sollen die Details für ein Friedensabkommen ausgehandelt werden.
US-Präsident Donald Trump feierte derweil seinen 80. Geburtstag mit einem Kampfsportspektakel direkt vor dem Weißen Haus - nur Stunden, nachdem er triumphierend die Einigung mit Iran verkündet hatte. Doch ist auch das Abkommen für Trump ein Grund zum Feiern? Für den Leiter des ZDF-Studios Brüssel, Ulf Röller, ist der Fall recht klar:
Der große Verlierer - und das ist auch für Europa nicht ganz einfach - ist das iranische Volk und die Menschen, die auf die Straße gegangen sind.
Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios Brüssel
"Wir erinnern uns: Trump hat sie aufgefordert, 'help is on the way' und all diese Sprüche", sagt er im auslandsjournal-Podcast "Der Trump Effekt". Doch statt Hilfe käme nun ein Abkommen mit dem alten, brutalen Regime. "Und das wird sich die internationale Gemeinschaft merken. Wie weit ist Verlass auf den Westen?"
Wenig ist bekannt rund um die Rahmenvereinbarung, auf die sich USA und Iran verständigt haben. Und es gibt weiterhin viele Unklarheiten – zum Beispiel zum Atomprogramm des Iran.
15.06.2026 | 1:17 minZDF-Korrespondent Theveßen: Kein Verhandlungserfolg für Trump
Viele Einzelheiten der Vereinbarung sind noch nicht bekannt, aber etwa aus dem jüngsten Interview Trumps mit der New York Times ergebe sich ein gewisses Bild, so Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington:
Da steht zum Beispiel drin, angeblich, sagt Donald Trump, dass der Iran komplett auf alle Atomwaffen verzichtet. Das ist null neu.
Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington
"Das hat der Iran seit 1971 beim Nicht-Weiter-Verbreitungspakt schon gesagt, dass er es nicht will. Es gibt eine Fatwa, die das auch bekräftigt."
Bei der USA-Iran-Vereinbarung gehe es darum, die Gefahr für Irans Nachbarn zu minimieren, so ZDF-Korrespondent Theveßen in Évian. Aber einen "Regime-Wechsel wird es nicht geben".
15.06.2026 | 2:50 minHat sich Trump über den Tisch ziehen lassen?
Ein Abkommen also, das nur einen alten Status Quo zementiert? Hat sich Donald Trump, der so massiv unter Druck steht, den Konflikt zu beenden und die Straße von Hormus frei zu bekommen, über den Tisch ziehen lassen?
Elmar Theveßen meint dazu: "Es sieht auch so aus, dass die Amerikaner bereit sind eben 25 oder 24 Milliarden Dollar an eingefrorenen Geldern freizugeben und obendrein noch einen Investitionsfonds von 300 Milliarden Dollar, um die Wirtschaft in Iran wieder flott zu machen."
Also es wäre ein Hammer, da kommt Donald Trump, wenn das drin stünde, am Ende unter Druck auch innerhalb seiner eigenen Partei.
Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington
"Die Absicht ist, weiter zu verhandeln. Das ist gut", so Außenminister Wadephul (CDU). Die Straße von Hormus müsse frei werden. Dabei sei Deutschland prinzipiell bereit zu helfen.
15.06.2026 | 5:21 minIrans Regime hat Situation "optimal genutzt"
Aus Sicht von ZDF-Sonderkorrespondentin Katrin Eigendorf hat Iran in dem Konflikt seine Karten perfekt ausgespielt. "Also ich würde da auch zustimmen, dass das Regime diese Situation für sich optimal genutzt hat. Zu sehen, wie es optimal die Straße von Hormus nutzen kann, um zu eskalieren."
Es sei bemerkenswert, wie "einfach es dem Regime gemacht wurde, mit einem Donald Trump als Präsidenten seine Interessen durchzusetzen. Ein Präsident, der von Anfang an eine klare Strategie hat vermissen lassen."
"Das wird sich Putin merken"
Die vorläufige Bilanz des Konflikts mit Iran, so Ulf Röller, falle aus seiner Sicht jedenfalls für Trump Stand jetzt wenig schmeichelhaft aus: "Der zweite große Verlierer ist, glaube ich, Donald Trump, der mittlerweile so bedürftig und hungrig nach einem Deal ist, dass er am Ende sich hinstellen wird und sagen würde, ich habe einen Riesenerfolg erzielt." Mit Blick auf den ursprünglich angestrebten Regimewechsel in Iran sagt Röller:
Und wenn man es zynisch sagt, hat er Chamenei durch Chamenei ausgetauscht.
Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios Brüssel
"Also man könnte sagen, dem Großkotz ist die Hose runtergezogen worden und er steht jetzt da und er weiß nicht, wie er damit umgehen soll. Das werden sich viele merken, das wird sich auch Putin merken, wenn es um die Ukraine geht", sagt er mit Blick auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin.
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