Einwanderer ohne Aufenthaltserlaubnis:Weißes Haus inszeniert Migranten als "Aliens"
von Anne Sophie Feil, Washington, D.C.
Die US-Regierung ruft online dazu auf, "Aliens" zu melden. Doch gemeint sind keine Außerirdischen - man will Migranten ohne gültigen Aufenthaltstitel finden und gegen sie vorgehen.
Der US-Kongress hat weitere 70 Milliarden Dollar für die Einwanderungsbehörde ICE freigegeben. US-Präsident Trump kann so seine Vorhaben bei der Immigrationspolitik fortsetzen.
10.06.2026 | 0:26 min"Sie wandeln unter uns", schreibt das Weiße Haus auf der Website "Aliens.gov". Die US-Regierung geht gegen "Aliens" vor und ruft ihre Bürger dazu auf, sie dabei zu unterstützen.
Warum das Weiße Haus plötzlich vor "Aliens" warnt
In der Ästhetik von Science-Fiction-Filmen wie "Star Wars" flimmern auf der Startseite neongrüne Buchstaben vor einem schwarzen Sternenhimmel. 60 Jahre lang habe die US-Regierung das geheim gehalten, heißt es dort. Und Präsident Donald Trump - "kühn, unbeirrt, unerschrocken" - sei der Erste, der auf die Gefahr hinweise.
Auch auf den hauseigenen Social-Media-Accounts verbreitet das Weiße Haus die Botschaft: Ein Video zeigt beispielsweise, wie ein Mann von einem Ufo über einen Grenzzaun gezogen und auf der anderen Seite wieder abgesetzt wird.
X-Post des Weißen Hauses
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Doppelte Bedeutung des englischen Begriffs "Alien"
Was klingt wie eine Science-Fiction-Mission, hat einen sehr ernsten Kern. Denn hinter dem Online-Auftritt steckt eine Regierungskampagne gegen Einwanderer ohne gültigen Aufenthaltsstatus. Die Website nutzt gezielt die doppelte Wortbedeutung des englischen Begriffs "Alien", der sowohl "Außerirdischer" als auch "Fremder" beziehungsweise "Nicht-Staatsbürger" bedeuten kann.
Dass "Aliens.gov" eine offizielle Regierungswebsite ist, belegt die Endung ".gov". Diese ist der US-Behörde für Cybersicherheit (CISA) zufolge ausschließlich verifizierten Behörden vorbehalten. Gegenüber dem öffentlich-rechtlichen US-Sender NPR bestätigte ein Sprecher des Weißen Hauses, dass die Seite offizielle Daten des Heimatschutzministeriums nutzt. Ein Regierungsbeamter bezeichnete das Projekt bei Fox News zudem als Maßnahme, um Versäumnisse der Vorgängerregierung anzuprangern.
Eine interaktive Karte zeigt an, wo "Aliens" festgenommen wurden. Zudem verlinkt die Seite direkt zu einem Meldeformular der US-Einwanderungsbehörde ICE.
Der Alien ist in guten Händen. Wir kümmern uns um ihn … und bringen ihn sicher an seinen Herkunftsort zurück.
Das Weiße Haus auf "Aliens.gov"
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"Aliens": Warum die US-Politik über den Begriff streitet
Der Soziologe Ernesto Castañeda bezeichnete die Verknüpfung von Einwanderern mit Außerirdischen als entmenschlichend. Solche Begriffe könnten Ängste schüren und Vorurteile verstärken, sagte er dem öffentlich-rechtlichen US-Sender NPR.
Auch der Rechtswissenschaftler Keith Cunningham-Parmeter warnt vor den Folgen der Wortwahl: Er analysierte Urteile des Obersten Gerichtshofs der USA und kam zu dem Schluss, dass Begriffe wie "Alien" die Rechtsprechung und die öffentliche Wahrnehmung negativ beeinflussten. Er plädiert daher für neutralere Bezeichnungen wie "Migranten" oder "Nicht-Staatsbürger".
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09.06.2026 | 43:30 minDer veraltete Begriff nun wieder im Fokus
Tatsächlich ist der Begriff in den vergangenen Jahren zunehmend aus dem offiziellen Sprachgebrauch verschwunden. Mehrere Bundesstaaten strichen ihn aus Gesetzestexten. Auch die Biden-Regierung empfahl neutralere Formulierungen.
Die Trump-Regierung hält dagegen an der Bezeichnung fest. Abigail Jackson, eine Sprecherin des Weißen Hauses, erklärte in einem von CNN zitierten Statement, die Bezeichnung "illegal alien" sei nicht herabwürdigend, sondern eine sachliche Beschreibung. Die Administration werde den Begriff daher weiterhin verwenden und "ohne Reue illegale 'Aliens' abschieben".
US-Bürger befürworten Vorgehen gegen Migranten
Umfragen zufolge verschafft die harte Einwanderungspolitik der US-Regierung Rückhalt aus Teilen der Bevölkerung. Der Harvard/Harris Poll zufolge sind die Zustimmungswerte der US-Bevölkerung dazu im Juni 2026 höher als bei jedem anderen politischen Thema. Insbesondere die Abschiebung straffälliger Ausländer stößt demnach auf Unterstützung.
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22.05.2026 | 28:41 minEiner Analyse der Harvard Kennedy School von März 2026 zufolge scheint die Einwanderungspolitik mit 11 Prozent Zustimmung unter den Demokraten und 78 Prozent unter den Republikanern ein Thema zu sein, das die Wählerschaft polarisiert.
Gemischte Reaktionen auf die "Alien"-Kampagne
In den Sozialen Medien fallen die Reaktionen gemischt aus. Eine Trump-Unterstützerin lobt die Transparenz in Bezug auf die Festnahmen von Einwanderern. Ein anderer User wirft der Regierung vor, "Unsinn über blöde Außerirdische zu erzählen", statt sich mit "Problemen der normalen Amerikaner" zu beschäftigen.
Einige zeigen sich enttäuscht darüber, dass es nicht um tatsächliche Ufo-Enthüllungen geht oder vermuten ein Ablenkungsmanöver der US-Regierung von den Verbindungen Trumps zu Jeffrey Epstein.
Anne Sophie Feil ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.
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