"American Dream":250 Jahre USA - Freiheit und Gleichheit nur ein Mythos?
von Jens Strohschnieder und Jan Tenhaven
Die USA werden 250 Jahre alt. Was ist eigentlich vom "American Dream" geblieben? Gilt Gerechtigkeit und Freiheit für alle - oder nurmehr für einige Privilegierte?
250 Jahre Freiheit – doch für wen gilt sie wirklich? Zwischen "American Dream" und Ausgrenzung zeigt Folge 2 ein Land, das alte Werte neu verhandelt – und mit seinen Widersprüchen ringt.
09.06.2026 | 44:05 min1776 haben sich 13 britische Kolonien in Nordamerika vom Mutterland losgesagt und ihre Unabhängigkeit erklärt. Es ist die Geburtsstunde der USA. Alles beginnt mit einem revolutionären Versprechen: Das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück. Es gilt der Grundsatz: Alle Menschen sind gleich. Dieser "American Dream" ist der prägendste Gründungsmythos der USA.
Bis heute stehe die Freiheit über allem, so der ehemalige Sicherheitsberater von Donald Trump, John Bolton, in der ZDF-Dokureihe "Amerika - Traum und Wirklichkeit". Doch darüber, was Freiheit ist und für wen sie wirklich gilt, streitet das Land bis heute.
USA: Verheißung von Wohlstand und Freiheit?
Die iranisch-jüdische Schönheitschirurgin Sheila Nazarian lebt in Beverly Hills und ist überzeugt, dass in den USA alles möglich ist, wenn man nur hart genug arbeitet. Ihre Familie war in den 1970ern vor dem Mullah-Regime in Iran geflohen. "Wir hatten nichts." Heute betreibt Sheila eine Praxis für plastische Chirurgie für die Schönen und Reichen.
Wer in den USA in der Oberliga spielen will, muss Statussymbole aufbieten: Luxusvilla, Porsche, Rolex, Gucci - und den richtigen Partner finden.
23.02.2024 | 43:43 minSheilas Geschichte ist die amerikanische Verheißung von Wohlstand und Freiheit. "Zeigen Sie mir ein Land, das besser ist." Die US-Korrespondentin der "Zeit", Rieke Havertz, stellt aber fest: "Der amerikanische Traum war schon immer eine Lüge".
Grundsatz Gleichheit - aber nicht für jeden?
Das gilt auch für viele Einwanderer: Paul Engs Großvater ist über Umwege von China nach New York City gekommen, um sein Glück zu suchen. Die Einreise von Chinesen war viele Jahrzehnte sehr eingeschränkt und zum Teil sogar verboten.
Pauls Familie hat mittlerweile einen erfolgreich geführten Tofu-Laden in Chinatown. Paul ist nun der erste in seiner Familie, der sich auch als Amerikaner fühlt. Die Politikwissenschaftlerin Keisha Blain stellt fest:
Bestimmten Gruppen wurde die Einwanderung besonders schwer gemacht. Das gilt insbesondere für People of Color.
Keisha Blain, Politikwissenschaftlerin
Native Americans - als "Wilde" diffamiert und vertrieben
Und wie steht es um die, die schon vor den europäischen Siedlern das Land bewohnten und bewirtschafteten? - Heute identifizieren sich knapp drei Prozent der insgesamt knapp 349 Millionen US-Amerikaner als Native Americans. Sie wurden von den weißen Siedlern als "erbarmungslose Wilde" diffamiert, gewaltsam vertrieben und in Internatsschulen ihrer Kultur beraubt.
Amerikanische Indigene wurden von europäischen Eroberern vertrieben und ermordet - mit Folgen bis heute für die Nachfahren der Ureinwohner.
04.09.2025 | 14:46 minIn South Dakota wurden 1890 am Wounded Knee rund 300 Angehörige der Lakota getötet - ein Massaker, für das die damals beteiligten amerikanischen Soldaten Orden erhielten, die bis heute von Bestand sind. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bekräftigte kürzlich diese Ehrung: "Wir werden nie vergessen, was sie geleistet haben."
Für Millionen Amerikaner ist das Leben im XXL-Format Ausdruck für Freiheit und den American Way of Life.
13.05.2025 | 44:15 min"Return to the Land"-Bewegung will Siedlung nur für Weiße
Eric Orwoll und rund 40 weitere Siedler träumen ohnehin von einem Land, in dem nur Weiße, heterosexuelle Christen mit europäischen Wurzeln leben. Er hat deshalb in Arkansas die eigenwillige Bewegung "Return to the land" gegründet.
Orwoll beruft sich auf ein Amerika, in dem Staatsbürgerschaft einst "freien weißen Personen guten Charakters" vorbehalten gewesen sei. Für Historikerin Nell Painter ein Beispiel dafür, "dass es die selbe verdammte weiße Vorherrschaft wie früher ist", die unter der Oberfläche weiterlebe und immer wieder hervorbreche.
Persönliche Freiheit, freie Märkte, keine Steuern und wenig Staat sind die Grundprinzipien der libertären Bewegung in den USA. Kann das funktionieren?
21.05.2026 | 43:20 minJoy Davis aus der Hafenstadt Mobile in Alabama beispielsweise erlebt eine ganz andere Wirklichkeit als Sheila. Joy ist Nachfahrin von versklavten Menschen. Der Satz: "Alle Menschen sind gleich geschaffen" habe Menschen wie sie nie gemeint, sagt sie.
Freiheit in den USA - eine Frage der Definition
Die Idee der Freiheit spaltet die USA. Alle berufen sich auf sie - meinen damit aber nicht dasselbe. "Gerade steht der 'American Dream' stark unter Beschuss", meint die Politikwissenschaftlerin Rachel Tausendfreund. Und Nell Painter resümiert:
Jeder Fortschritt in Richtung Freiheit und Gleichheit musste erkämpft werden. Von allein passiert da nichts. Aber jeder Schritt nach vorn hat auch heftigen Widerstand provoziert.
Nell Painter, Historikerin
US-Präsident Trump und seine MAGA-Bewegung fordern Institutionen heraus. Strategie oder Chaos?
13.05.2026 | 12:37 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
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