USA: Warum Libertäre in New Hampshire Einfluss gewinnen

Libertäre in New Hampshire:Der Staat als Feind

von Rebecca Ricker

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Das "Free State Project" will 20.000 Libertäre in den US-Bundesstaat New Hampshire bringen. Wie dort bereits jetzt der Staat ausgehöhlt wird und was weitere Ziele sind.

Zwei Personen vor einem Haus mit Holzverkleidung im Schnee, eine Person hält eine Pistole in ausgestreckter Hand, die andere steht daneben in langem Mantel.

Persönliche Freiheit, freie Märkte, keine Steuern und möglichst wenig staatliche Eingriffe – das sind die Grundprinzipien der libertären Bewegung in den USA. Kann das funktionieren?

21.05.2026 | 43:20 min

Für Ian und Jody Underwood ist der Feind klar: die Regierung. Sie wollen möglichst viel Unabhängigkeit vom Staat. Die Underwoods leben in einem abgeschieden gelegenen Haus im US-Bundesstaat New Hampshire. Sie haben einen Trinkwasserbrunnen, erzeugen Solarstrom und bekommen Internet über Starlink, das Satellitennetzwerk von Elon Musk.

Regelmäßige Schießübungen mit Pistolen sind für die Underwoods selbstverständlich: "Waffen und Bildung sind die beiden wichtigsten Mittel, um die Regierung in ihre Schranken zu weisen," sagt Ian Underwood in der ZDFinfo-Doku "USA extrem: Das andere Amerika - Freiheit um jeden Preis". Steuern sind in ihren Augen Diebstahl: "Sie behandeln dich wie Nutzvieh, wollen deine Eier, deine Milch und du darfst das nicht verweigern."

Gruppe von sechs Männern und einer Frau posieren mit USA-Flaggen im Arm oder über der Schulter und rechter Hand auf dem Herz vor der Kamera und stehen vor einem Pick-up.

Country, kultig, konservativ: die Rednecks. Die weiße, patriotische und oft verarmte Landbevölkerung in den US-Südstaaten lebt nach eigenen Regeln und Gesetzen. Größter Held: Donald Trump.

17.04.2025 | 44:13 min

Was das "Free State Project" ist

Die Underwoods sind mit ihrer Einstellung in New Hampshire nicht allein: Die Organisation "Free State Project" arbeitet daran, 20.000 Libertäre nach New Hampshire zu bringen. Mit Erfolg: Einige Tausend Anhänger sind schon in den US-Bundesstaat gezogen. Unter ihnen sind Impfgegner, Anarchisten, Waffenfans und Traditionalisten. Was sie vereint, ist die Ablehnung des Staats.

Wir Free Stater müssen zusammenhalten. Denkt dran: Wir kämpfen gegen die Scheiß-Regierung, nicht gegeneinander.

Carla Gericke, ehemalige Präsidentin des "Free State Projects"

Die Aktivisten des "Free State Project" machen Videos fürs Internet, in denen sie zeigen, wie sie den Staat, den sie so hassen, bekämpfen: Sie behindern Finanzbeamte, die ihre Geschäfte kontrollieren sollen oder weigern sich, ihre Waffenscheine vorzuzeigen.

Bildcollage aus Fotografien von drei Frauen unterschiedlichen Alters, zwischen 16 und 60. Zwischen und hinter ihnen sind US-amerikanische Flaggen vertikal und horizontal angeordnet.

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Aus ihren extremen Ansichten machen sie in der Öffentlichkeit keinen Hehl: So postete der Vorsitzende der Libertären Partei in New Hampshire, Jeremy Kauffman, im Wahlkampf 2024, dass jeder, der die damalige Vizepräsidentin Kamala Harris töte, ein amerikanischer Held sei. Meinungsfreiheit bedeutet für viele Libertäre, alles sagen zu können - sogar Todes-Drohungen.

Der politische Einfluss der Libertären wächst

Der Einfluss der Libertären auf die Politik wächst: Im Repräsentantenhaus von New Hampshire sitzen bereits einige Abgeordnete, die libertären Ideen anhängen. Schätzungen zufolge sympathisiert dort jeder fünfte Abgeordnete mit libertären Ideen.

Einer von ihnen ist Yury Polozov, ein Experte für Cybersicherheit. Seit 2022 ist er im Parlament - als Teil der Republikanischen Partei. Die Republikaner halten in New Hampshire die Mehrheit. Dort gewinnen die Libertären immer mehr an Einfluss.

Vier Männer und zwei Frauen posieren vor einem Pickup mit übergroßen Rädern.

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Das zeigt sich in den politischen Entscheidungen der vergangenen Jahre: Das Budget für öffentliche Dienstleistungen ist wegen der niedrigen Steuereinnahmen hier so gering wie in kaum einem anderen Bundesstaat. Im Juni 2025 wurden Kürzungen im Bereich Gesundheit und Soziales in Höhe von 51 Millionen US-Dollar beschlossen.

Ich bin stolz, dass wir jetzt fast komplett einkommensteuerfrei sind.

Yury Polozov, Abgeordneter im Repräsentantenhaus von New Hampshire

Heimunterricht statt öffentlicher Schulen

Viele Libertäre sind gegen öffentliche Schulen, sie wollen dem Staat keine Kontrolle über die Bildung geben. Auch hiermit haben sie in New Hampshire Erfolg. So wurde 2021 entschieden: Das Bildungsbudget kann an Familien direkt ausgezahlt werden, die ihre Kinder zuhause unterrichten. Pro Jahr und pro Kind gibt der Bundesstaat einen Zuschuss von viereinhalb Tausend Dollar. Die meisten libertären Familien nutzen diese Möglichkeit.

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Eine Unterschrift von US-Präsident Trump und das Ende des Bildungsministeriums ist besiegelt? Noch nicht - aber in der Forschung gefährdet seine Politik die Arbeit von Jahren.
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Die radikale Steuerpolitik der Libertären stößt bei vielen Bürgern auf Kritik. "Die Finanzierung von Schulen in New Hampshire ist ein Witz", konfrontierte Bobby den Abgeordneten Polozov vor dem Repräsentantenhaus in Concord. Sein Enkel wohne in einem ärmeren Bezirk, erklärte Bobby, diese Regionen seien zunehmend abgehängt.

Austritt aus den USA?

Manchen Libertären gehen die umgesetzten Vorhaben allerdings noch nicht weit genug: Sie wollen, dass New Hampshire aus den USA austritt. Sie diskutierten den angeblich "friedlichen Austritt" aus den USA, sagte Eric Brakery, der Sprecher des "Free State Projects": "Wir wollen ein Parallelsystem aufbauen, um der staatlichen Autorität etwas entgegenzusetzen."

Influencerin Alexia Delarosa richtet ihr Handy auf einem Stativ auf sich selbst aus. Sie trägt ein schulterfreies Kleid und steht in häuslicher Umgebung in einem hellen Raum.

Influencerinnen und Konservative in den USA propagieren als Tradwives ihr traditionelles Rollenbild: Frauen sollen sich wieder als Hausfrau um Heim, Herd und Kinder kümmern.

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Doch ein einseitiger Austritt ist nach einer Entscheidung des Supreme Court der USA aus dem Jahr 1869 rechtlich nicht möglich. Das Parlament in New Hampshire lehnte auch Anträge ab, die einen Austritt fördern. Stattdessen arbeiten die "Free Stater" in Zukunft jetzt weiter daran, den Staat und die öffentliche Ordnung immer mehr auszuhöhlen.

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Über dieses Thema berichtet die Sendung "USA extrem: Das andere Amerika - Freiheit um jeden Preis", online verfügbar am 21.05.2026 um 5 Uhr, in ZDFinfo am 06.06.2026 ab 14:45 Uhr.
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