Teheran will den Rückzug von Israel:USA-Iran-Abkommen: Steht und fällt alles mit dem Libanon?
Die Kämpfe im Libanon drohen zum Stolperstein bei den Verhandlungen um ein Iran-Abkommen der USA zu werden. Warum Teheran Druck macht - und welche einzige Lösung ein Experte sieht.
In der Schweiz sollen neue Gespräche zwischen den USA und Iran beginnen. Delegationen beider Länder sind vor Ort. Wegen anhaltender Kämpfe im Libanon warnt Teheran vor einem Scheitern.
21.06.2026 | 0:24 minDie anhaltenden Kämpfe im Libanon entwickeln sich zum gefährlichsten Störfaktor der Verhandlungen zwischen den USA und Iran. Während die Delegationen in der Schweiz ihre Gespräche aufnehmen wollen, setzen die proiranische Hisbollah-Miliz und die israelischen Streitkräfte ihre gegenseitigen Angriffe fort - und das nur wenige Tage nach einer angeblichen Waffenruhe. Der Konflikt könnte die Gespräche zwischen Washington und Teheran entgleisen lassen.
Was der Libanon für Iran und Israel bedeutet, warum Teheran deswegen das gesamte Abkommen platzen lassen könnte - und ob es überhaupt eine Lösung geben kann: Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Warum ist der Libanon ein solcher Knackpunkt?
- Aus Sicht Irans: Die iranische Doktrin basiert auf der Feindschaft zu Israel und führte zur Bildung der sogenannten Widerstandsachse - von palästinensischen Gruppen über die Hisbollah bis zu den Huthi im Jemen. Die Hisbollah ist Teherans wichtigster Partner in der Region. Iran will diesen Verbündeten um jeden Preis schützen und macht deshalb den Rückzug Israels aus dem Südlibanon zur Bedingung für ein dauerhaftes Kriegsende.
Israel und der Libanon sind direkte Nachbarn.
Quelle: ZDF- Aus Sicht Israels: Israel verfolgt dagegen das Ziel, seine nördlichen Ortschaften dauerhaft zu sichern, die immer wieder von der Hisbollah mit Raketen und Drohnen angegriffen werden. Ohne eine Entwaffnung der Miliz und ihre Verdrängung - möglichst im Rahmen einer Vereinbarung mit der libanesischen Führung - gilt dies jedoch als unrealistisch. Israel will seine Truppen deshalb so lange im Südlibanon halten, bis die Hisbollah ausreichend geschwächt ist. Israels Verteidigungsminister Katz betonte zuletzt erneut, er sei nicht bereit, Einschränkungen beim Vorgehen seiner Armee im Südlibanon zu akzeptieren.
Gleichzeitig sorgt die israelische Besetzung im Süden des Libanon und die schweren Zerstörungen ziviler Orte für neue Spannungen. Sie verschaffen zudem der Hisbollah, die zu Beginn des jüngsten Iran-Kriegs intern noch stark kritisiert worden war, neuen Zulauf.
Die Waffenruhe im Libanon hält bislang nicht: Libanesischen Medien zufolge gibt es mindestens fünf Tote nach neuen israelischen Angriffen.
20.06.2026 | 0:24 minWas hält das Rahmenabkommen zum Libanon fest?
Die israelische Militärpräsenz wird in dem am vergangenen Wochenende beschlossenen Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran nicht explizit erwähnt. Allerdings ist in dem Text von der Gewährleistung der territorialen Integrität und der Souveränität des Libanons die Rede.
Ausdrücklich regelt das Rahmenabkommen auch das Ende sämtlicher Kämpfe, einschließlich der gegenseitigen Angriffe im Libanon.
"Man hat den Eindruck, dass Israels Regierung insgesamt dieses Rahmenabkommen ablehnt", so ZDF-Korrespondent Reichart mit Blick auf die Lage im Libanon.
19.06.2026 | 1:38 minWarum pocht Iran so sehr auf ein Ende der Angriffe?
Die Hisbollah dient derzeit als das größte und wichtigste Einflussinstrument Irans in der Region. Mit ihr hofft Teheran, sein strategisches Ziel verwirklichen zu können, die islamische Revolution zu exportieren. Eine Entkopplung wäre daher strategisch nachteilig, da sie den eigenen Handlungsspielraum schwächen würde. Libanon und die Hisbollah sind für Iran daher enorm wichtige Verhandlungspunkte.
"Was im Libanon passiert, ist gravierend", sagt ZDF-Korrespondent Thomas Reichart.
19.06.2026 | 1:09 minKann es überhaupt eine Lösung geben?
Aus Sicht des Politikwissenschaftlers Trita Parsi vom Quincy Institute stellt der Libanon für Iran eine rote Linie dar. Teheran werde keine weitere Waffenruhe wie in Gaza akzeptieren, die löchrig sei, wie ein "Schweizer Käse", und in der Israel einfach weiter nach Belieben vorgehe, sagte er dem Sender CNN. Er glaube zwar nicht, dass Iran die Straße von Hormus wie angedroht wieder vollständig schließen werde.
Doch sie wedeln kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde mit dieser Waffe, um zu signalisieren, dass sie es absolut ernst meinen mit der Forderung, dass Israel seine Angriffe einstellen muss.
Trita Parsi, Politikwissenschaftler
Parsi ist überzeugt: Iran wird darauf bestehen, dass sich Israel nach Ende der 60-Tage-Frist aus dem Libanon zurückzieht.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.