Atomfrage und Waffenruhe im Libanon:USA und Iran nehmen Friedensgespräche in der Schweiz auf
In der Schweiz starten heute die Gespräche der USA und Irans. Binnen 60 Tagen soll ein Abkommen stehen. US-Vizepräsident Vance und Vertreter Irans sind bereits vor Ort.
Am Samstagabend war US-Vizepräsident JD Vance zu den Gesprächen in der Schweiz aufgebrochen. Eine iranische Delegation kam in der Nacht zum Sonntag an.
Quelle: APÜberschattet von den Kämpfen der israelischen Armee mit der libanesischen Hisbollah-Miliz sollen heute in der Schweiz hochrangig besetzte Gespräche zwischen den Kriegsparteien USA und Iran beginnen.
Am Sonntagmorgen ist US-Vizepräsident JD Vance in der Schweiz angekommen, wie der Sprecher des US-Vizepräsidenten mitteilte. Bereits am Samstagabend erreichte die iranische Delegation den Verhandlungsort.
Waffenruhe im Libanon und Irans Atomprogramm im Fokus
Ziel ist es, das von beiden Seiten unterzeichnete vorläufige Rahmenabkommen für ein Ende des Iran-Kriegs zu konkretisieren. Eine endgültige Vereinbarung, auch zum Umgang mit Teherans umstrittenem Atomprogramm, soll dem Rahmenabkommen zufolge innerhalb von 60 Tagen ausgehandelt werden.
US-Präsident Trump und der iranische Präsident Peseschkian haben die vorläufige Vereinbarung zur Beendigung des Iran-Krieges unterzeichnet. Das Rahmenabkommen umfasst 14 Punkte.
18.06.2026 | 1:45 minBesonders die Kämpfe im Libanon hatten zuletzt für Spannungen zwischen Washington und Teheran geführt. Iran verkündete deshalb am Samstag eine Schließung der Straße von Hormus. Die Meerenge war infolge des Rahmenabkommens gerade erst wieder nach und nach geöffnet worden.
US-Vizepräsident Vance rechnet mit Fortschritten
An den heutigen Gesprächen im Luxusresort Bürgenstock unweit von Luzern sollen neben den Kriegsparteien auch Vertreter der Vermittler Pakistan und Katar teilnehmen. Vor dem Abflug hatte sich US-Vizepräsident JD Vance vorsichtig optimistisch gezeigt:
Ich denke, wir werden hoffentlich Fortschritte in der Atomfrage erzielen und auch in der Frage der Waffenruhe im Libanon vorankommen.
JD Vance, Vizepräsident der USA
Vance sagte zudem, dass sich der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, sowie der US-Sondergesandte Steve Witkoff bereits in der Schweiz befänden. Sie kümmerten sich um technische Aspekte dieser Verhandlungen. Nach seinem Eindruck liefen die Dinge gut.
Erste Gesprächsrunde am Freitag wurde zunächst abgesagt
Von iranischer Seite sollen unter anderem Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf als Verhandlungsführer und Außenminister Abbas Araghtschi teilnehmen. Für den Vermittler Pakistan reiste unter anderem Premierminister Shehbaz Sharif an. Es war zunächst unklar, wie lange die Gespräche auf Ebene der Verhandlungsführer dauern sollten. Denkbar schien zum Beispiel, dass nach einem Auftakt zunächst für bestimmte Themen Arbeitsgruppen gebildet werden, die dann auf niedrigerer Ebene weiterverhandeln.
Die geplanten Gespräche zwischen den USA und Iran in der Schweiz wurden kurzfristig abgesagt. Und: Israel und die Hisbollah einigen sich Berichten zufolge auf eine Waffenruhe.
19.06.2026 | 1:41 minUrsprünglich hätte in der Schweiz bereits am Freitag eine erste Gesprächsrunde stattfinden sollen, diese war aber wegen der gegenseitigen Angriffe der israelischen Armee und der proiranischen Hisbollah nicht zustande gekommen.
Trump drohte mit US-Maut in der Straße von Hormus
Die am Mittwochabend separat unterschriebene Absichtserklärung sieht unter anderem eine Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende der US-Seeblockade vor. Zudem darf Iran während der 60-tägigen Verhandlungen nicht wie angedroht Gebühren für die Passage verlangen. Das Abkommen trat nach pakistanischen Angaben mit "sofortiger Wirkung" in Kraft.
Die zunächst für Freitag geplanten Friedensverhandlungen zwischen Iran und den USA wurden kurzfristig verschoben. Die ZDF-Korrespondenten Elmar Theveßen und Thomas Reichart erläutern die Hintergründe.
19.06.2026 | 2:31 minNach der erneuten Schließung drohte US-Präsident Donald Trump am Abend seinerseits mit einer US-Maut in der Meerenge. Sollte kein finales Friedensabkommen zustande kommen, könnten sich die USA so ihre Dienste als "Schutzengel" der Region vergüten lassen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.
Kämpfe im Libanon gehen trotz Waffenruhe weiter
Trotz einer neuen Waffenruhe im Libanon, die seit Freitagnachmittag gilt, gingen dort die Kämpfe zwischen israelischer Armee und Hisbollah-Miliz auch am Samstag weiter. Teheran sperrte deswegen nach eigenen Angaben die Straße von Hormus wieder für die Durchfahrt aller Schiffe. Iran fordert die Einhaltung der Waffenruhe und einen Abzug des israelischen Militärs aus dem Südlibanon.
Zwei Tage nach Abschluss der Absichtserklärung hat Israel erneut den Libanon angegriffen. Iran wirft den USA vor, den Krieg nicht zu beenden und sperrt erneut die Straße von Hormus.
20.06.2026 | 1:20 minDas US-Militär widersprach der Darstellung und bekräftigte, der Schiffsverkehr in der Meerenge laufe weiter. 55 Schiffe mit unter anderem 17 Millionen Barrel Öl hätten die Meerenge passiert. Wie die "New York Times" berichtete, war das die größte Anzahl an Schiffen seit der Schließung kurz nach Kriegsbeginn.
Konfliktparteien beschuldigen sich gegenseitig
Die israelische Armee warf der Hisbollah wiederholte Verstöße gegen die Feuerpause vor. Als Reaktion seien Raketenstellungen, Waffenlager und Kommandozentralen der Hisbollah angegriffen worden. Dagegen erklärte die Miliz, sie habe auf einen Vormarsch der israelischen Truppen reagiert. Die Angaben der Konfliktparteien ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Iran verlangt von den USA, Druck auf die israelische Führung auszuüben. Die israelische Armee erklärte jedoch, sie werde auch künftig gegen jede Bedrohung für den Staat Israel und seine Soldaten vorgehen.