Wichtige Handelsroute:Straße von Hormus: Können Länder die Meerenge umgehen?
Nach den erneuten gegenseitigen Angriffen zwischen USA und Iran am Wochenende hat Iran die Straße von Hormus erneut gesperrt. Gibt es andere Handelsrouten? Fragen und Antworten.
Zwei Tage nach Abschluss der Absichtserklärung hat Israel erneut den Libanon angegriffen. Iran wirft den USA vor, den Krieg nicht zu beenden und sperrt erneut die Straße von Hormus.
20.06.2026 | 1:20 minIn der Golfregion träumen einige von einer Zukunft, in der die Straße von Hormus beim Exportgeschäft weniger wichtig ist. Rund vier Monate dauert die weitgehende Blockade nun schon - und selbst nach dem Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran weiß niemand, wann der Krieg enden und der Seeweg wieder normal befahrbar sein könnte.
Mit den jüngsten Angriffen beider Seiten ist die Lage wieder eskaliert. Iran beansprucht in der Meerenge zudem erneut die vollständige Kontrolle.
Wie schwer wiegt die Blockade der Straße von Hormus?
Durch die Meerespassage werden rund 20 Prozent des globalen Energiehandels abgewickelt. Weil das Nadelöhr für Schiffe der einzige Zugang zum Persischen Golf und damit auch zu mehreren arabischen Golfstaaten ist, kann Iran die Straße von Hormus in Konflikten als Hebel benutzen. Die Schließung zeigt die Verwundbarkeit globaler Lieferketten und hat massive Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte.
Deutschland schickt Schiffe ins Rote Meer, um in der Straße von Hormus für eine Minenräumung einsatzbereit zu sein. Der Bundestag könnte sich im Juli mit einem Mandat befassen.
18.06.2026 | 2:48 minWarum gibt es nicht längst andere Exportwege?
Die gibt es teils, aber Pipelines über Land sind teuer, über Ländergrenzen hinweg politisch oft schwierig umsetzbar und von Verzögerungen geplagt.
Das Problem einer möglichen Blockade ist aber bekannt. Iran hat schon vor mehr als 40 Jahren damit gedroht, die Straße von Hormus faktisch zu schließen, damals im Krieg mit dem benachbarten Irak. Schon lange forderten Energieexperten deshalb, dass die Golfstaaten andere Wege für ihre Exporte finden müssten.
Nun - mit laufenden Verlusten in Milliardenhöhe - ist der Druck nochmals gestiegen. Die niederländische Denkfabrik HCSS spricht vom "größten und komplexesten Energie-Schock der Geschichte". Ein Viertel des weltweiten Erdöltransports zur See läuft über die Straße von Hormus. Ein Teil davon kann über bestehende Pipelines in Saudi-Arabien, den Emiraten und dem Irak umgeleitet werden - der Rest ist weitgehend blockiert.
Nach Bekanntgabe des Rahmenabkommens zählte für die globale Wirtschaft vor allem, dass Handelsschiffe die Straße von Hormus wieder ungehindert nutzen können. Doch wie reagierten die Finanzmärkte?
15.06.2026 | 3:30 minWelche Ideen für Alternativen zur Straße von Hormus gibt es?
Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und der Irak suchen dringend nach Alternativen. Es geht vor allem um neue Pipelines, aber auch um den Landweg auf Straßen und Schienen, damit Öl oder auch Containerwaren auf einer anderen Route ans Ziel kommen. Saudi-Arabien denkt auch darüber nach, seine Lagerkapazitäten für Öl weltweit zu erhöhen.
Dies sind einige der Ideen für alternative Strecken:
Das Land ist mit Saudi-Arabien einer der wenigen Staaten, die zumindest einen Teil des Rohöls auch über Pipelines befördern können. Um die Kapazität noch zu erhöhen, wird der Bau einer weiteren West-Ost-Pipeline an den Golf von Oman beschleunigt - mit dem Ziel, diese schon kommendes Jahr in Betrieb zu nehmen. Das Land will seine Förderkapazität über diese Strecke von 1,8 auf 3,6 Millionen Barrel pro Tag verdoppeln.
Als Idee ist sogar eine "Straße der Einheit" im Gespräch - ein künstlicher maritimer Korridor quer durch die Emirate, vom Persischen Golf zum Oman. Ein Architekturbüro aus Dubai hat den Vorschlag in ersten Entwürfen vorgestellt und träumt im Begleittext von "größerer Kontrolle, Kontinuität und Widerstandsfähigkeit in Handelsnetzen". Viel mehr als futuristische Designs dürfte aus diesen Plänen allerdings nicht werden.
Der kleine Staat liegt eingezwängt im Nordwesten des Persischen Golfs und ist beim Export strikt auf den Seeweg angewiesen. Angedacht ist nun, Kuwaits Öl über die emiratischen und saudischen Pipelines an den Weltmarkt zu bringen, wie Nawaf Al Sabah, Vorsitzender von Kuwaits staatlichem Ölkonzern, zuletzt in Washington sagte. Beide Länder nutzen diese Pipelines seit Kriegsbeginn bereits in höchstmöglichem Maß.
Auch ein Anschluss Kuwaits an die eigentlich stillgelegte "Tapline" wird diskutiert. Diese Trans-Arabische Pipeline pumpte ab 1950 Öl aus dem Osten Saudi-Arabiens über Jordanien und Syrien bis zum Libanon ans Mittelmeer für europäische Abnehmer. Dann machten immer größer werdende Tanker und die Wiederöffnung des Suezkanals den Seeweg lukrativer. 1990 wurde der Betrieb eingestellt. Kuwait steht bei dem Thema enorm unter Druck - das Land hatte laut der Website Tankertrackers.com im April erstmals seit 1991 überhaupt kein Öl mehr exportiert.
Das Land machte schon im Krieg mit Iran in den 1980er Jahren bittere Erfahrungen damit, wie der Ölexport zur See kriegsbedingt zum Erliegen kommen kann. Als wichtigste Alternative diente hier eine Pipeline über die Kurdenregion und die Türkei zum Mittelmeer. Trotz politischen Streits wurden die Exporte hier wieder aufgenommen und liegen aktuell bei etwa 220.000 Barrel (je 159 Liter) täglich. Die irakische Regierung will diese Menge, wenn möglich, verdreifachen.
Eine weitere Pipeline führt aus dem Irak ebenfalls über die Türkei, aber vorbei an den kurdisch kontrollierten Gebieten. Nach einer Testphase sollen hier weitere 300.000 Barrel täglich für den Export gepumpt werden.
Weil der Irak stark abhängig ist vom Ölgeschäft - die Exporte machen in normalen Zeiten mehr als 90 Prozent der staatlichen Einnahmen aus - wird Öl neuerdings auch mit Tanklastern über Syrien ans Mittelmeer gebracht. Dafür starten täglich Hunderte Tankwagen auf der Route, die teurer und logistisch umständlicher ist als der Seeweg - und auch gefährlich mit Blick auf mögliche Anschläge und Überfälle auf Fahrer.
Quelle: dpa
Was passiert mit anderen Gütern unabhängig vom Öl?
Neben Kerosin und Benzin ist die Straße von Hormus unter anderem auch für den Import von Basisölen, Düngemitteln für Landwirte sowie Helium für beispielsweise Elektronikgeräte und Kühlung wichtig.
Auch hier gibt es Versuche, die Meerenge zu umgehen. Die Reederei MSC kündigte im Mai neue Routen an, die teils mit Lastwagen quer durch Saudi-Arabiens Wüste bedient werden, um "die herausfordernde Lage im Nahen Osten" zu bewältigen. Auch die dänische Großreederei Maersk informiert Kunden seit Wochen über neue "Landbrücken", um Lieferungen etwa aus und nach Saudi-Arabien, Bahrain und Katar möglich zu machen.
Mit Zügen wollen die Türkei und Saudi-Arabien unterdessen gemeinsam eine Zugstrecke über Jordanien und Syrien wiederbeleben, deren Anfänge bis ins Osmanische Reich zurückgehen. Dahinter stehen auch geopolitische Ambitionen und es ist unklar, wann der Betrieb starten kann und wer das Projekt überhaupt finanziert.
Die gesperrte Straße von Hormus belastet weiter den Warenverkehr. Verzögerte Rohstofflieferungen und steigende Preise sorgen auch in Deutschland für Probleme.
07.06.2026 | 1:30 minDennoch werde der Handel im "multimodalen Verkehr" - also mit verschiedenen Verkehrsmitteln - wegen der sinkenden Verlässlichkeit von Seewegen in der Region "neu geschrieben", sagt Kyle Henderson, der den globalen Containerverkehr beobachtet, dem Fachmagazin "FDI Intelligence". Transfers von Gütern in Saudi-Arabien, dem Oman und der Türkei vom See- auf den Landweg würden zu "entscheidenden Verbindungen im weltweiten Containerfluss" und das auf eine Weise, "die es so vorher noch nie gab".
Aktuelle Entwicklungen zum Krieg in Nahost finden Sie in unserem Liveblog:
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