Ausweichroute für die Straße von Hormus?:Neue Häfen: Wo Öl und Gas in Zukunft herkommen können
von Susanne Pohlmann
Die Vereinigten Arabischen Emirate suchen Alternativen zu der unsicheren Schifffahrtsroute im Nahen Osten. Neben neuen Häfen sind auch Zugstrecken und Pipelines in der Planung.
Ein neuer Hafen in den Vereinigten Arabischen Emiraten könnte eine Handelsroutenalternative zur Straße von Hormus werden.
24.07.2026 | 1:01 minNach einer schnellen Konfliktlösung sieht es an der Straße von Hormus nicht aus - und damit auch nicht nach einem in absehbarer Zeit freien Transportweg für Öl, Flüssiggas, Düngemittel und andere für die Weltwirtschaft unerlässliche Güter, die sonst täglich auf Tankern und Containerschiffen die Meerenge im Nahen Osten passierten.
Aus diesem Grund, so berichtet Martin Henkelmann, CEO der Deutsch-Emiratischen Handelskammer, gegenüber ZDFheute, haben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) angekündigt, ihre Infrastruktur an der Ostküste, also am Golf von Oman, auszubauen. Das Ziel: Unabhängiger werden von der Straße von Hormus.
Ausweichen auf neue Hafenstandorte
Das in Dubai ansässige Logistikunternehmen DP World plane die Entwicklung des Hafens Dibba Al Fudschaira und eines Containerhafens, Al Rughailat. Diese Häfen werden neu angelegt, zusätzlich zu dem bereits bestehenden Hafen Fudschaira, der, so der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Volker Treier, für die großen Mengen an Gütern nicht ausreicht.
Der Hafen Fudschaira wird zwar bereits heute als Ausweichoption zum Hafen Dschabal Ali genutzt, verfügt bislang jedoch nicht über vergleichbare Umschlags- und Logistikkapazitäten.
Volker Treier, DIHK-Außenwirtschaftschef
Iran wird weiterhin von den USA angegriffen. Die USA habe sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die Kontrolle über die Straße von Hormus zurückzugewinnen.
23.07.2026 | 0:22 minDrehkreuz unter Beschuss
Der Hafen Dschabal Ali, südwestlich der Straße von Hormus und der Stadt Dubai, war bislang eines der wichtigsten globalen Logistikdrehkreuze zwischen Asien, Afrika und Europa. Durch den Konflikt zwischen Iran und den USA soll laut Medienberichten das Umschlagvolumen dort zeitweise um 95 Prozent eingebrochen sein.
Mit neuen Hafenkapazitäten an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate könnten Risiken besser verteilt und Ausweichmöglichkeiten geschaffen werden. Per Lkw könnten Container von den neuen Häfen aus nach Dubai, Abu Dhabi und in andere Golfstaaten transportiert werden. Treier warnt jedoch vor zu viel Hoffnung auf eine schnelle Lösung:
Gleichzeitig müssen wir realistisch bleiben: Kurzfristig gibt es keine vollständige Alternative zur Straße von Hormus.
Volker Treier, DIHK-Außenwirtschaftschef
Zu groß seien die Waren- und Energiemengen, die über diesen Seeweg transportiert werden, meint Treier. Neue Häfen und Verkehrskorridore könnten zusätzliche Optionen schaffen, die strategische Bedeutung der Meerenge ersetzten sie derzeit jedoch noch nicht.
Nach erneuten Angriffen im Iran-Krieg sinkt der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus deutlich. Die Meerenge ist für den Welthandel essenziell.
09.07.2026 | 0:32 minDie Golfstaaten investieren nun intensiv in Häfen, Logistikzentren, Bahnverbindungen und grenzüberschreitende Infrastruktur.
Wie wir von beteiligten Unternehmen wissen, wird mit Hochdruck an der zweiten Ölpipeline von Abu Dhabi nach Fudschaira gebaut, deren Planung und Bau schon vor der Krise begonnen hatte. Die Pipeline soll 2027 in Betrieb gehen.
Martin Henkelmann, CEO Deutsch-Emiratische Industrie- und Handelskammer (AHK)
Vor der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten wurde täglich ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion - das sind rund 20 Millionen Barrel - durch die Straße von Hormus verschifft. Auch große Mengen an verflüssigtem Erdgas und Düngemittel passierten vorher diesen Weg.
Die Rohölpreise schnellen in die Höhe. Laut ZDF-Wirtschaftsexpertin Stephanie Barett werden das vermutlich auch Verbraucher an der Tankstelle merken.
23.07.2026 | 2:00 minBedeutung für Deutschland und Europa
Für Martin Henkelmann ist jede Maßnahme, die Lieferketten robuster macht und Transportkosten sowie Planungsrisiken senkt, gut für Europa. Er betont außerdem die Bedeutung der Vereinigten Arabischen Emirate für deutsche Unternehmen:
"Deutsche Unternehmen profitieren davon, wenn es künftig mehr Möglichkeiten gibt, Waren in die Vereinigten Arabischen Emirate zu liefern. Die VAE waren mit 11,4 Milliarden Euro der größte Exportmarkt in der Region. Auch als Drehscheibe für deutsche Produkte sind die VAE wichtig", so Henkelmann.
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16.07.2026 | 0:40 minGrund genug für Unternehmen, erstmal weiterhin mit Sorge auf die Entwicklung an der Straße von Hormus zu blicken.
Der breite Ausbau der Infrastruktur zur Steigerung der Resilienz und zur Diversifizierung der Transportwege benötigt Zeit.
Martin Henkelmann, Deutsch-Emiratische Industrie- und Handelskammer (AHK)
Bis also neue Häfen, Bahnverbindungen und Pipelines in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen, bleibt die Straße von Hormus ein bedeutendes Druckmittel Irans für den globalen Handel.
Susanne Pohlmann ist Redakteurin beim ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO.
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