Iran-Krieg setzt Chemieindustrie zu: Wer trotzdem profitiert

Lieferkettenkrise in der Chemiebranche:Könnte der Iran-Krieg manchen Chemiefirmen Gewinn bringen?

ZDF-Reporter Sven-Hendrik Hahn mit Mikrofon in der Hand.

von Sven-Hendrik Hahn

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Steigende Preise und gestörte Lieferketten: Der Krieg in Iran setzt die Chemiebranche unter Druck. Einige deutsche Hersteller spüren jedoch kurzfristig auch positive Effekte.

Blick auf das Firmengelände des Chemiekonzerns BASF.

Der Iran-Krieg belastet viele Chemiefirmen in Deutschland durch hohe Energiepreise und unsichere Lieferketten. Einige profitieren jedoch von steigender Nachfrage und Vorratskäufen.

16.07.2026 | 0:40 min

Hohe Ölpreise, teure Transporte, Unsicherheit rund um die Straße von Hormus - das sind für viele Unternehmen in Deutschland schlechte Nachrichten. In der Chemiebranche verzeichnen jedoch einige Firmen zuletzt Zuwächse beim Umsatz. Vorratskäufe stützen laut Verband der chemischen Industrie (VCI) die Nachfrage.

Lieferkettenprobleme bei anderen helfen hierzulande kurzfristig

Viele Industriekunden deckten sich vorsorglich mit Basischemikalien ein, um mögliche Engpässe zu vermeiden. "Gleichzeitig ergeben sich Chancen, wenn Wettbewerber oder Lieferanten aus der Golfregion nur eingeschränkt liefern können", so der VCI. In solchen Fällen können europäische Anbieter Aufträge übernehmen. Vor allem für manche deutsche Hersteller von Grundstoffen wie Ethylen oder Polyethylen steigen dadurch Nachfrage und Auslastung.

sgs-Sauer-Wehrmann

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15.07.2026 | 2:01 min

BASF sieht sich gut vorbereitet

Der Chemiekonzern BASF sieht sich für die kommenden Wochen gerüstet, so eine Sprecherin gegenüber ZDFheute. "Wir können wichtige Rohstoffe wie Naphtha, Methanol oder Benzol je nach Situation sowohl global als auch lokal beziehen." Für die nächsten Wochen sieht man "keine wesentlichen Versorgungsrisiken für die Produktion".

Die europäische Chemieindustrie bezieht nur einen geringen Teil ihrer Ausgangsstoffe für Chemikalien wie das Rohbenzin Naphtha oder auch Flüssiggas aus der Krisenregion im Nahen Osten, während asiatische Unternehmen nach Angaben des Verbands VCI direkt abhängig von Lieferungen über die Straße von Hormus sind. Daher sei die Produktion in Asien aufgrund des Rohstoffmangels ins Stocken geraten, was europäische Unternehmen kurzfristig ausgleichen könnten.


Doch der VCI räumt auch ein: "Positive Effekte konzentrieren sich bislang nur auf einzelne Unternehmen und Marktsegmente." Das seien "vor allem Unternehmen, die kurzfristig zusätzliche Mengen liefern können".

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Chemiebranche leidet unter steigenden Kosten

Auch Branchenexpertin Anna Wolf vom ifo Institut betont, dass die positive Entwicklung nur einen Teil der Geschichte erzähle: "Die breite Mehrheit der Chemieunternehmen ist von höheren Kosten negativ betroffen", so die Volkswirtin.

"Die Versorgung mit Vorprodukten ist angespannt und die Preise für Chemikalien sind deutlich gestiegen." Kurzfristig zögen einige Unternehmen daher Nutzen aus Lieferausfällen aus dem Nahen Osten und einer gestiegenen Nachfrage etwa aus Asien. Von einem echten Profit will sie aber nicht sprechen:

Die höhere Nachfrage verzeichnen gerade jene energie- und rohstoffintensiven Bereiche, in denen zugleich die Energie- und Rohstoffkosten besonders stark ins Gewicht fallen.

Dr. Anna Wolf, ifo Institut

Dadurch führten höhere Umsätze nicht automatisch zu höheren Erträgen, so Wolf.

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Chemiebranche im "absoluten Krisenmodus"

Für die Mehrheit der deutschen Chemieunternehmen überwiegen die Belastungen. Das zeigt eine Mitgliederbefragung des Chemie-Verbands VCI vom Juni, an der 300 Unternehmen teilgenommen haben. 78 Prozent der Firmen berichten demnach von negativen Auswirkungen des Nahost-Konflikts.

Als "absoluten Krisenmodus" bezeichneten viele der im VCI organisierten Unternehmen die Lage. Strategische Planung sei schwierig, Investitionen würden zurückgestellt: "Zahlreiche Unternehmen steuern ihr Geschäft derzeit auf Sicht", so der Verband.

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30.03.2026 | 1:36 min

Große Unternehmen im Vorteil

Auffällig: Je kleiner die Unternehmen sind, desto häufiger berichteten sie in der Befragung des VCI von negativen Folgen. Positive Effekte sehen vor allem große Hersteller der Grundstoffchemie. Die aktuelle Krise wirkt damit wie ein Brennglas für die Ausgangsbedingungen der Unternehmen.

Die unterschiedliche Betroffenheit verdeutlicht, welche Unternehmen widerstandsfähiger aufgestellt sind.

Dr. Anna Wolf, ifo Institut

Vor allem "energieeffiziente Unternehmen mit spezialisierten Produkten und dadurch starken Marktpositionen" seien hier im Vorteil, so Wolf.

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Standortnachteile in der Chemiebranche bleiben

Die strukturellen Probleme der Chemieindustrie bleiben jedoch bestehen. Der Branchenverband sieht die deutschen Chemieunternehmen derzeit in der Zwickmühle: "Die VCI-Mitgliederumfrage weist auf eine durchschnittliche Kostensteigerung bei Rohstoffen und chemischen Vorprodukten von rund 25 Prozent hin." Hinzu kämen Kostensteigerungen bei Energie, Transport und sonstigen Vorprodukten in der Größenordnung von 15 Prozent. Zugleich werde der Druck aus Asien nach Ende des Konflikts wieder wachsen. Für diesen Wettbewerb sei der Industriestandort Deutschland derzeit nicht aufgestellt, heißt es vom VCI.

Ökonomin Wolf stimmt zu, dass es zu viele Hürden gebe: "Hohe Energie- und Standortkosten, regulatorische Komplexität und daraus resultierende Nachteile im internationalen Preiswettbewerb". Längst sei zu beobachten, dass Unternehmen außerhalb Deutschlands investieren und dort ausbauen, wo die Standortbedingungen attraktiver seien.

Sven-Hendrik Hahn ist Redakteur beim ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Iran-Krieg trifft Chemieindustrie ungleich" am 16.07.2026 um 07:53 Uhr.

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