Materialengpässe in der Industrie:Warum selbst Dachdecker die Folgen des Iran-Kriegs spüren
von Arlette Geburtig und Christian Hauser
Materialengpässe in der Industrie nehmen wieder zu - und ihre Auswirkungen reichen bis auf deutsche Baustellen.
Laut einer aktuellen ifo-Umfrage klagen 15,9 Prozent der Industriebetriebe über Lieferengpässe. Durch aktuelle politische Spannungen, wie den Iran-Krieg, ist der Mangel seit 2020 deutlich gestiegen.
04.06.2026 | 1:45 minWas hat ein Konflikt im Nahen Osten, wie der Iran-Krieg, mit einem Hausdach in Deutschland zu tun? Auf den ersten Blick wenig. Doch die aktuelle Entwicklung zeigt, wie eng die Weltwirtschaft inzwischen verflochten ist.
Wer derzeit ein Dach saniert, eine Halle baut oder auf bestimmte Dämmstoffe wartet, merkt es bereits: Lieferzeiten werden länger, Materialien teurer.
Die steigenden Ölpreise nach dem Iran-Krieg setzen die Chemie-Industrie zunehmend unter Druck. Viele Unternehmen der Branche haben nun Preiserhöhungen angekündigt.
30.03.2026 | 2:53 minEngpässe nehmen wieder zu
Nach einer aktuellen Umfrage des ifo Instituts berichten rund 16 Prozent der Industrieunternehmen von Problemen bei der Versorgung mit Vorprodukten und Rohstoffen. Noch vor wenigen Monaten lagen die Werte deutlich niedriger. Ökonom Klaus Wohlrabe vom ifo Institut in München sagt:
Die Industrie spürt diese Folgen schon.
Klaus Wohlrabe, Ökonom
Besonders betroffen sind Branchen, die stark auf energie- und rohstoffintensive Vorprodukte angewiesen sind. Allen voran die für den Wirtschaftsstandort Deutschland wichtige chemische Industrie. Dort meldet fast jedes dritte Unternehmen Engpässe.
ZDFheute Infografik
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Deutlich geringer fallen die Probleme in der Automobilindustrie und bei Nahrungsmittelherstellern aus.
Ein Vorprodukt ist ein noch unfertiges Erzeugnis, das als Ausgangsmaterial zur Herstellung eines anderen (End-)Produkts benötigt wird. Vorprodukte sind in fast allen Wirtschaftszweigen zu finden und spielen in der deutschen Wirtschaft eine wichtige Rolle.
Geopolitische Spannungen als Risikofaktor
Ein wichtiger Hintergrund dieser Entwicklung sind aktuell die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Sie belasten zentrale Handelsrouten und können die Versorgung mit Rohstoffen empfindlich stören.
Deutschland ist als rohstoffarmes Land in hohem Maße auf Importe angewiesen. Besonders die Chemieindustrie benötigt Erdöl und petrochemische Vorprodukte, aus denen unter anderem Kunststoffe, Schäume und Dämmstoffe hergestellt werden. "Die deutsche Industrie ist generell sehr abhängig von globalen Rohstoffströmen", so Wohlrabe.
Der Iran-Krieg drückt auf die Einnahmen von Bund, Ländern und Kommunen. Laut Finanzminister Klingbeil bremst der Energiepreis-Schock die Wirtschaft - die Unsicherheit bleibe groß.
07.05.2026 | 2:31 minDrei Folgen des Iran-Konflikts
Nach Einschätzung des ifo-Experten gibt es drei Ursachen für die zunehmenden Probleme:
- werden weniger Rohstoffe geliefert.
- steigen die Preise.
- geraten die internationalen Lieferketten durcheinander: Handelsschiffe und Tanker seien nicht mehr dort, wo sie ursprünglich eingeplant waren.
Hinzu komme die wachsende Unsicherheit für Unternehmen, die Investitionen und Planungen erschwere.
Kleine Verzögerung - große Wirkung
Die Industrie ist heute eng verzahnt. Viele Produkte hängen von komplexen Vorleistungsketten ab. Bereits kleine Störungen können sich durch ganze Branchen ziehen.
Ein Beispiel: Wird Rohöl knapper oder teurer, fehlen wichtige chemische Grundstoffe. Diese sind wiederum Grundlage für zahlreiche industrielle Anwendungen - von Verpackungen bis hin zu Elektrogeräten. Am Ende werden Produkte teurer oder später geliefert.
Viele Betriebe haben zwar aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie gelernt und ihre Lieferketten breiter aufgestellt. Dennoch bleiben sie anfällig für externe Schocks.
Der Iran-Krieg treibt die Preise weiter nach oben: Im März lag die Teuerungsrate laut Statistischem Bundesamt bei 2,7 Prozent. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann ordnet ein.
30.03.2026 | 1:38 minMittelständler leiden besonders
Vor allem mittelständische Unternehmen geraten dabei unter Druck. Sie verfügen häufig über weniger Lagerkapazitäten und haben bei knappen Materialien weniger Verhandlungsmacht als große Konzerne.
Nach Beobachtungen des ifo Instituts müssen sich kleinere Betriebe deshalb oft "hinten anstellen", wenn Rohstoffe oder Vorprodukte knapp werden. Das belaste ihre Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich.
Keine Entwarnung in Sicht
Einen akuten Einbruch der Industrieproduktion sieht das ifo Institut derzeit nicht. Doch eine schnelle Entspannung ist ebenfalls nicht in Sicht. Selbst wenn sich die geopolitische Lage beruhigt, dürften die Folgen der aktuellen Störungen noch nachwirken.
Die Entwicklung zeigt: Globale Krisen bleiben nicht abstrakt. Sie wirken sich direkt auf Unternehmen, Baustellen und letztlich auch auf Verbraucher aus - manchmal bis hin zum eigenen Hausdach.
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