Nahostexperte: Wie stark Iran nach dem Krieg wirklich ist

Interview

Nach Rahmenabkommen mit den USA:Experte: Iran wird versuchen, Machtstellung auszubauen

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Nach dem Krieg sei Iran militärisch geschwächt, sehe sich selbst politisch aber gestärkt. Nahostexperte Fabian Hinz erklärt, wie sich die Macht im Nahen Osten neu ordnen könnte.

Nahost-Experte Fabian Hinz vor dem Brandenburger Tor.

Das iranische Regime sehe sich als Sieger, sagt Nahost-Experte Fabian Hinz. Gleichzeitig sei es völlig offen, wer in Iran am Ende die Fäden in der Hand halte.

18.06.2026 | 12:30 min

Mit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens haben USA und Iran erklärt, den Krieg beenden zu wollen. In den nächsten 60 Tagen wollen beide Staaten die Bedingungen dafür verhandeln. Schon jetzt hat sich die Lage im Nahen Osten aber durch den Krieg verändert.  

Die Führung in Teheran sieht sich selbst als Sieger, auch wenn das eigene Militär vom Krieg schwer getroffen ist. Entscheidend ist laut dem Nahostexperten Fabian Hinz, wie sich das Regime innenpolitisch entwickelt, was aus dem Atomprogramm wird und welche Rolle Iran künftig in der Region spielen wird. Hinz spricht von einer Machtverschiebung im Nahen Osten.  

Sehen Sie oben das ganze Interview im Video und lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Fabian Hinz dazu, … 

… wie stark Irans Militär nach dem Krieg noch ist

Hinz spricht von einem sehr uneinheitlichen Bild des iranischen Militärs. Klassische Streitkräfte wie Marine und Luftwaffe seien stark geschwächt und größtenteils zerstört.

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18.06.2026 | 3:00 min

Andere Fähigkeiten seien aber weiterhin intakt, besonders Raketen- und Drohnensysteme. 

Das sind genau die Fähigkeiten, wegen deren man sich Sorgen gemacht hat.

Fabian Hinz, Nahost-Experte

Denn gerade die seien für Iran entscheidend. Klassische militärische Strukturen hätten ohnehin nicht den größten Einfluss gehabt, so Hinz. Marine und Luftwaffe seien nie wirkliche Machtfaktoren gewesen. 

… welche Gefahr von Irans Atomprogramm noch ausgeht  

Eine weitere wichtige Säule der iranischen Militärstrategie gilt nach Einschätzungen des Experten als zerstört oder schwer beschädigt: das Atomprogramm. Die zwei besonders wichtigen Anlagen in Natans und Fordo seien schwer getroffen. Unklar sei allerdings das Ausmaß der Schäden - und vor allem, was mit dem Material passiere.

Das große Problem ist hier aber noch das angereicherte Uran, das wohl verschüttet unter einem Berg liegt, aber trotzdem noch existiert.

Fabian Hinz, Nahost-Experte

Wie damit umgegangen wird, soll auch Teil der Verhandlungen mit den USA sein.

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… wie der Krieg das iranische Regime gestärkt hat  

Trotz militärischer Verluste sieht Hinz Irans Führung politisch nicht geschwächt.

Das iranische Regime sieht sich sehr stark als den Sieger dieser Auseinandersetzung.

Fabian Hinz, Nahost-Experte

In der eigenen Wahrnehmung habe es sich erfolgreich gegen die USA behauptet und gezeigt, dass es Druck ausüben kann. Etwa durch Angriffe auf die Energieinfrastruktur und die Schifffahrt in der Straße von Hormus.

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Gleichzeitig bleibe die Lage innenpolitisch aber angespannt.  

Sie haben ein Regime, das mit sehr großer Unzufriedenheit in der Bevölkerung konfrontiert ist.

Fabian Hinz, Nahost-Experte

Die Führung in Teheran stehe deshalb vor großen Herausforderungen und müsse sich nach dem Krieg neu aufstellen. Während des Krieges sei das für die iranische Führung strategisch leichter gewesen, da dieser die Eliten des Regimes kurzfristig geeint hätte.  

Durch den möglicherweise andauernden Frieden könnten aber die enormen internen Probleme und Differenzen wieder mehr in den Fokus rücken, so Hinz. Wie stabil das Regime künftig tatsächlich ist, bleibe daher offen.  

… wie sich die Machtverhältnisse im Nahen Osten verschieben 

Sollten sich die USA in der Zeit nach dem Krieg aus dem Nahen Osten zurückziehen, würde laut Hinz ein Machtvakuum in der Region entstehen. Viele andere Akteure, die diesen Raum füllen könnten, gibt es laut Hinz nicht. Auch die Golfstaaten hätten “keine wirklich guten Alternativen”, so der Nahostexperte.  

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Das Regime in Teheran werde aber versuchen, dieses zu füllen:

Ich glaube, der Iran wird versuchen, diese Machtstellung, die er jetzt scheinbar durch die Bereitschaft, in der Straße von Hormus zu eskalieren, gewonnen hat, auszubauen.

Fabian Hinz, Nahost-Experte

Die mögliche Verschiebung der Machtverhältnisse würde die Golfstaaten laut Hinz vor Herausforderungen stellen, eigene Fähigkeiten weiter auszubauen, alternative Sicherheitskonzepte zu erarbeiten sowie die Partnerschaft mit Pakistan weiter zu stärken.

Das Interview führte Jessica Zahedi bei ZDFheute live. Ausgewertet haben es Janine Arendt und Christian Hoch.

Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 18.06.2026 ab 19:30 Uhr.

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