Israel "will kein Abkommen mit Iran" - sagt ein Nahost-Experte

Interview

Experte über Nahost-Konflikt:Baumann: Israels Regierung will "kein Abkommen mit Iran"

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Das Rahmenabkommen zwischen USA und Iran steht. Beide Seiten versuchen, sich als Gewinner darzustellen. Als Verlierer könne Israel gelten, sagt Nahost-Experte Bauke Baumann.

Bauke Baumann zugeschaltet ins Studio

Sehen Sie hier das gesamte Interview mit Bauke Baumann aus der ZDFheute-live-Sendung.

18.06.2026 | 11:27 min

Das Rahmenabkommen zwischen Iran und den USA soll eine Grundlage bieten für einen langfristigen Frieden in der Region - auch mit Israel. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seine Regierung hätten an diesem Abkommen aber derzeit eigentlich gar kein Interesse, sagt Nahost-Experte Bauke Baumann von der Heinrich-Böll-Stiftung im Interview bei ZDFheute live.

Experte: Rahmenabkommen ein Problem für Israel

Das Rahmenabkommen könnte der langersehnte Durchbruch sein und eine Basis für weitere Verhandlungen für Iran und USA - aber ein großes Problem für Israel, erläutert Baumann.

US-Präsident Donald Trump geht nach einem Abendessen im Schloss Versailles.

US-Präsident Trump hat in Versailles das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran unterzeichnet. Beifall gab es von Frankreichs Präsident Macron und anderen Gästen.

18.06.2026 | 0:31 min

Denn Israel habe in dem Konflikt "ganz auf eine Strategie der militärischen Dominanz" ohne politische Exit-Strategien gesetzt, berichtet Baumann. Das sei Netanjahu nun zum Verhängnis geworden. Auf Druck von Trump habe er dem Abkommen zustimmen müssen, innenpolitisch stehe er deshalb aber "nackt" da. Für den militärischen Weg benötige Israel aber die Unterstützung des großen Partners in Washington.

Netanjahu und seine Regierung wollen kein Abkommen mit dem Iran. Das ist eigentlich auch unabhängig davon, was da drin steht.

Bauke Baumann, Heinrich-Böll-Stiftung

Dabei sei die Situation für Israel durch den Krieg bisher nicht sicherer geworden, so der Experte. Israel sei "strategisch gescheitert", trotz der schweren Schläge, die es dem iranischen Regime versetzen konnte. Nun müsse man "neue Wege" finden, um die eigene Sicherheit nachhaltig zu garantieren. Das sei bisher nicht gelungen, weder durch die eigene militärische Stärke, noch durch das Abkommen zwischen Iran und den USA.

Elmar Theveßen zugeschaltet aus Bern

Es "liest sich wie ein Zugeständnis an Iran", sagt ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen über das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran.

18.06.2026 | 10:37 min

Baumann sieht US-israelisches Verhältnis beschädigt

Das Verhältnis zwischen den USA und Israel ist Baumann zufolge nicht erst durch den Iran-Krieg und das neue Rahmenabkommen "beschädigt". Schon während des Gaza-Kriegs habe sich die öffentliche Meinung unter den Amerikanern immer stärker gegen Israel gewendet.

Eine Konstante, die man beobachten kann [...] ist, dass die Unterstützung für Israel in der Bevölkerung der USA stark abgenommen hat.

Bauke Baumann, Heinrich-Böll-Stiftung

Außerdem sei US-Präsident Donald Trump laut dem Experten ein "Opportunist". Als solcher habe er sich bisher eng mit Netanjahu gegeben. Nun habe es aber einen offenen Bruch gegeben, nachdem das enge Verhältnis zu Israel für Trump auch hinsichtlich der anstehenden Zwischenwahlen in den USA "hinderlich" geworden sei. Dieser Bruch ziehe auch das Bild der israelischen Gesellschaft in Mitleidenschaft, so Baumann.

Thomas Reichart zugeschaltet aus Tel Aviv

Israel habe immer wieder versucht, an Trump heranzukommen, berichtet ZDF-Korrespondent Thomas Reichart aus Tel Aviv. Netanjahu nehme die Verhandlungen der USA mit Iran als absichtlichen Ausschluss wahr.

18.06.2026 | 7:58 min

Trotz Rahmenabkommen noch viele Fragen offen

Generell sei durch das Rahmenabkommen zwischen Iran und den USA noch lange kein dauerhafter Frieden für die Region in Sicht. Aktuell gebe es nur eine "blumige Absichtserklärung", sagt Baumann. Ob sich diese tatsächlich in greifbare Zugeständnisse umwandeln lasse, sei absolut unklar.

Einen dauerhaften Frieden in der Region sehe ich überhaupt nicht auf der Basis dieses Absichtsabkommens.

Bauke Baumann, Heinrich-Böll-Stiftung

Der Konflikt habe zu viel Unsicherheit in der Region geführt. Die Menschen in Iran fühlten sich "betrogen" von Trump, da sie jetzt von einem noch selbstbewussteren Regime "geknechtet werden". Gleichzeitig lebten auch die Menschen im Libanon und in den Golfstaaten in deutlich größerer Unsicherheit. Die Botschaft, die dieser Krieg ausgesendet habe, sei auch nach dem Rahmenabkommen, dass "im Zweifelsfall nur militärische Stärke eine Rückversicherung ist".

Das Interview bei ZDFheute live führte Sara Bildau.

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Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 18.06.2026 ab 14:00 Uhr.

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