Einigung auf Rahmenabkommen:Iran-Entwicklung drückt Ölpreise - Hoffnung für Wirtschaft?
Das angekündigte Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran lässt die Ölpreise fallen und weckt Hoffnung für die schwächelnde Wirtschaft. Ist eine Entspannung nun in Sicht?
Wenig ist bekannt rund um die Rahmenvereinbarung, auf die sich USA und Iran verständigt haben. Und es gibt weiterhin viele Unklarheiten – zum Beispiel zum Atomprogramm des Iran.
15.06.2026 | 1:17 minDer Iran-Krieg machte in Deutschland die Hoffnungen auf einen zarten Aufschwung in diesem Jahr zunichte. Außer höheren Preisen, die vielen Haushalten zu schaffen machen, machte sich in der Industrie neuerlicher Materialmangel bemerkbar. In der Folge halbierten Ökonomen ihre Konjunkturprognosen. Könnte nun infolge des Rahmenabkommens zwischen den USA und Iran eine Trendwende kommen?
An den Märkten sorgte die Einigung zumindest für Erleichterung. Der Ölpreis fiel am Montagmorgen auf den tiefsten Stand seit März. Die weltweite Referenzsorte Brent verbilligte sich um 4,10 Prozent auf 83,25 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl der Sorte WTI gab um 4,72 Prozent auf 80,87 Dollar nach.
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Auch die Börsen weltweit befanden sich im Aufwind. In Frankfurt schoss der deutsche Aktienleitindex Dax zum Handelsbeginn um fast zwei Prozent in die Höhe und notierte bei 25.068,37 Zählern. Damit eroberte er erstmals seit zehn Tagen die psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke zurück.
Auch US-Präsident Donald Trump zeigt sich optimistisch - und erklärte mit Blick auf die Blockade des Öltransports durch die Straße von Hormus: "Schiffe dieser Welt, startet eure Motoren! Lasst das Öl fließen!"
"Die Absicht ist, weiter zu verhandeln. Das ist gut", so Außenminister Wadephul (CDU). Die Straße von Hormus müsse frei werden. Dabei sei Deutschland prinzipiell bereit zu helfen.
15.06.2026 | 5:21 minWie dürfte sich ein Ende des Kriegs auf die Wirtschaft auswirken?
"Ein Kriegsende hätte positive Auswirkungen auf die Konjunktur", sagte der Ökonom Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturforschung am Münchner Ifo-Institut.
Zunächst würden die Weltmarktpreise für Rohöl und Erdgas sinken, wodurch die Inflationsraten unmittelbar sinken und die Kaufkraft der Verbraucher zurückkehren würde.
Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturforschung am Münchner Ifo-Institut
Das sich abzeichnende Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran wirkt sich auch auf die Finanzmärkte aus. ZDF-Börsenkorrespondent Frank Bethmann mit einer Einordnung.
15.06.2026 | 1:08 minSinken würden nach Einschätzung des Wissenschaftlers auch die Kapitalmarkt- und Kreditzinsen, da weitere Erhöhungen der Leitzinsen ausbleiben würden. Doch wäre der Effekt voraussichtlich kein sofortiger. "Die Ausweitung des Angebots an Rohöl, Erdgas und damit verbundenen Vorprodukten aus der Region des Persischen Golfs auf das Vorkriegsniveau wird wohl noch etwas dauern, da einige Produktionsstätten offenbar beschädigt sind", sagte Wollmershäuser. "Daher werden die Energiepreise wohl nicht unmittelbar auf das Vorkriegsniveau sinken und die Lieferkettenprobleme könnten noch etwas andauern."
Einem Bericht des ADAC zufolge hat der Tankrabatt verbunden mit gesunkenen Rohölpreisen die Preise an den Zapfsäulen im Mai stark gedrückt. Doch die Preisentspannung könnte bald ein Ende haben.
04.06.2026 | 0:38 minWie könnten sich die Benzinpreise entwickeln?
Für die Bundesregierung zog vor allem der rasante Anstieg der Spritpreise politischen Ärger nach sich. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die staatliche Eingriffe eigentlich ablehnte, geriet unter Druck und stimmte schließlich Entlastungsmaßnahmen für Autofahrer zu, die etliche Ökonomen für wenig sinnvoll halten.
Seit 1. April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen, am 1. Mai folgte der bis Ende Juni befristete Tankrabatt von knapp 17 Cent pro Liter.
Wenn ein Ende des Nahostkriegs dazu führt, dass die Straße von Hormus wieder frei befahrbar ist und Öltransporte dort reibungslos laufen können, dürfte auch der Ölpreis schrittweise nachgeben.
Sprecher des ADAC
Bis sich jedoch wieder stabile Abläufe entlang der Lieferketten einstellten, werde einige Zeit vergehen. "Umgehende Senkungen der Kraftstoffpreise auf das Niveau vor dem Krieg sind daher nicht zu erwarten, zumal auch Infrastruktur beschädigt oder zerstört wurde, die nicht sofort wieder aufgebaut werden kann."
Das sich abzeichnende Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran sorgt auf dem G7-Gipfel in Frankreich für Erleichterung – doch es gibt auch skeptische Stimmen. Elmar Theveßen mit einer Einordnung.
15.06.2026 | 1:49 minWann fahren wieder Schiffe in der Straße von Hormus?
Die US-Regierung und viele Experten gehen davon aus, dass Iran die Straße von Hormus teilweise vermint hat. Wie viele Sprengsätze dort tatsächlich lauern, ist nicht bekannt - aber allein die Angst vor Minen reicht, um die Schifffahrt lahmzulegen.
Daher braucht es zunächst einen Einsatz zur Minenräumung, für den unter anderem europäische Staaten schon Vorbereitungen getroffen haben. Erst nach dessen Abschluss wäre eine Rückkehr zum Normalbetrieb von vor dem Krieg wieder denkbar. In der Zwischenzeit könnte etwa das US-Militär seine Bemühungen verstärken, Schiffe durch die Meerenge zu lotsen.
Der Iran-Krieg drückt auf die Einnahmen von Bund, Ländern und Kommunen. Laut Finanzminister Klingbeil bremst der Energiepreis-Schock die Wirtschaft - die Unsicherheit bleibe groß.
07.05.2026 | 2:31 minEin weiteres Problem ist, dass viele Schiffe nach viereinhalb Monaten Iran-Krieg schlicht am falschen Ort sind: Hunderte sitzen noch im Persischen Golf fest, viele fahren inzwischen auf anderen Routen. Eine Rückkehr zum Normalbetrieb, mit rund 100 bis 150 Schiffen in der Meerenge pro Tag, dürfte noch eine Weile dauern. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Einigung zwischen den USA und Iran tatsächlich hält und es nicht zu neuen Kampfhandlungen kommt.
Wie lange dauert es, bis Lieferketten wieder funktionieren?
Das hängt nicht nur vom Ende des Iran-Kriegs und dem Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ab, sondern auch von einem mittlerweile weitgehend aus den Schlagzeilen verschwundenen Konflikt. Lars Jensen, dänischer Schifffahrtsexperte und -berater, erklärte:
Aus globaler Perspektive ist der bedeutendere Faktor (für die Containerschifffahrt) nicht die Hormuskrise, sondern die Krise im Roten Meer.
Lars Jensen, dänischer Schifffahrtsexperte und -berater
Denn die meisten internationalen Reedereien lassen ihre Containerschiffe schon seit dem Beginn des Gaza-Kriegs im Herbst 2023 nicht mehr auf dem kürzesten Seeweg von Ostasien nach Europa durch das Rote Meer und den Suezkanal fahren, sondern auf der viel weiteren Route um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas.
Die Auswirkungen des Iran-Kriegs zeigen sich hierzulande vor allem an den Tankstellen. Doch auch die Lebensmittelpreise drohen, aufgrund der hohen Energiekosten zu steigen.
24.04.2026 | 1:37 minIm Roten Meer bedrohen die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen die Schifffahrt. Da die Umrundung Afrikas einen Umweg von vielen tausend Seemeilen und bis zu zwei Wochen längere Fahrtzeiten bedeutet, sind die Kapazitäten in der Schifffahrt knapp, die Preise hoch. "Eine Lösung der Hormuskrise könnte auch die Bühne für eine mögliche Lösung der Krise im Roten Meer bereiten", sagte Jensen. "Das wiederum würde Schiffskapazität in großem Umfang freisetzen und eine Wende am Markt vom derzeitigen Kapazitätsmangel zum Überangebot nach sich ziehen."
Wann geht es wieder bergauf mit der Konjunktur?
Die deutsche Wirtschaft hätte dank des 500-Milliarden-Euro-Schuldenpakets der Bundesregierung in diesem Jahr eigentlich moderat wachsen sollen. Nach Beginn des Iran-Kriegs halbierte die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose auf nur noch 0,5 Prozent. Auch die Aussichten für 2027 sind verhalten. Die Wirtschaftsweisen rechnen mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 Prozent.
Doch abgesehen vom Iran-Krieg leidet die deutsche Wirtschaft an grundlegenden strukturellen Problemen, wie sowohl Unternehmen als auch Ökonomen seit Jahren kritisieren: steigende Sozialabgaben, hohe Energiepreise und zu viel Bürokratie. Sollte sich daran nichts ändern, ist ein Ende der Stagnation nach Einschätzung vieler Ökonomen nicht in Sicht.
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Der Iran-Krieg und die deutsche Wirtschaft
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