Football und Volleyball machen es vor:Challenges - auch für den Fußball eine Option?
von Bastian Grieble
Der VAR sorgt im Fußball regelmäßig für Diskussionen. Kann die Challenge-Regelung, die in anderen Sportarten funktioniert, Abhilfe schaffen?
Im American Football kann der Headcoach die Challenge per roter Flagge anfordern, so wie hier Denver-Coach Payton.
Quelle: APEiner der größten Kritikpunkte am VAR (Video Assistant Referee) im Fußball ist, dass niemand wirklich versteht, wann er eingreift. Neben der NFL im American Football macht auch der Volleyball vor, wie eine Challenge-Regelung sinnvoll eingesetzt werden kann.
In der NFL bewährt: die Challenge
Das aktuelle Challenge-System der NFL gibt es abgesehen von wenigen Anpassungen bereits seit 1999. Die Trainer dürfen in bestimmten Spielsituationen eine rote Flagge auf das Spielfeld werfen, um eine Entscheidung überprüfen zu lassen. Hier kann es sich beispielsweise um die Überprüfung eines Touchdowns handeln.
Die Coaches haben zweimal pro Spiel die Möglichkeit, eine Challenge einzufordern. Ist diese nicht erfolgreich, verliert das Team eine Auszeit. Außerdem kann in den letzten zwei Minuten jeder Halbzeit keine Challenge erfolgen.
Immer Ärger um den VAR: Für die einen sorgt er für mehr Fairness auf dem Platz, für die anderen nimmt er dem Fußball die Emotionalität: Wie könnte der Streit aufgelöst werden?
08.01.2026 | 14:40 minEiner Umfrage des "aktuellen sportstudio" zufolge stehen die Bundesliga-Trainer diesem Konzept eher kritisch gegenüber. Die Verantwortung würde vom Kölner Keller hin zu den Trainern verlagert, allerdings könnte man sich kaum noch über Unklarheiten, wann der VAR eingreifen soll, beklagen.
Experte Kinhöfer: "Sehe nicht den Mehrwert"
Der ZDF-Schiedsrichterexperte Thorsten Kinhöfer sagt zur Challenge-Regelung: "Wir haben eine permanente Challenge. Die Videoschiedsrichter überprüfen alles: die wichtigen Dinge wie Torerzielung, Tätlichkeiten, Strafstoß innerhalb oder außerhalb des Strafraumes."
Kinhöfer weiter: "Die Chance, dass der Trainer was sieht, was der VAR in Köln im Keller mit zig Monitoren nicht sieht, das würde ich bei zwei Prozent in Betracht ziehen. Deswegen sehe ich noch nicht den Mehrwert."
Der VAR sorgt für den Dauer-Aufreger in der Bundesliga. Knut Kircher (Chef der deutschen Elite-Schiedsrichter) und Thorsten Kinhöfer (ZDF-Schiri-Experte) im Sportstudio-Gespräch.
10.01.2026 | 28:19 minChallenge funktioniert auch im Volleyball
In der Volleyball-Bundesliga hat jedes Team die Möglichkeit, pro Satz zwei Challenge-Anträge zu stellen. Ist diese erfolgreich, wird der Spielzug gewonnen, dazu behält die Mannschaft die Challenge. Nach zwei erfolglosen Anträgen darf der Videobeweis erst im nächsten Satz wieder eingefordert werden.
Überprüft werden können Block- Netz- und Antennenberührungen, Übertritte der Linien, Bodenberührungen innerhalb des Spielfeldes sowie die Entscheidung darüber, ob der Ball sich im Spielfeld oder im Aus befindet.
Im DFB-Pokal gibt es bis zur Zweiten Runde keinen VAR. Das nutzen die Spieler mit übertriebener Theatralik aus, meint ZDF-Schiri-Experte Kinhöfer im sportstudio im Gespräch mit Jochen Breyer.
01.11.2025 | 3:58 minKinhöfer merkt an: "Da rudern wir zurück, wenn wir sagen, wir stellen den Kölner Keller ein und sagen nur die Trainer würden was machen. Dann würden viel mehr Fehlentscheidungen kommen, weil die Trainer den Job des VAR übernehmen würden. Und dazu werden die, das haben wir schon in der Umfrage gesehen, nicht bereit sein."
FIFA hat die Challenge bereits getestet
Bei der U17-WM in Katar wurde die Challenge-Regelung als kostengünstigere Alternative zum VAR getestet. Die Trainer konnten sie durch die Abgabe einer Karte bei Toren, Strafstößen, Roten Karten und der Verwechslung von Spielern bei Karten einsetzen. Bei erfolgreicher Challenge behält der Trainer die Karte, insgesamt hat er zwei Möglichkeiten, die Challenge einzufordern.
Bislang wird die Challenge im Fußball lediglich als günstigeres technisches Hilfsmittel bei kleineren Wettbewerben und nicht als Alternative zum VAR gesehen. Auch die Skepsis der Trainer, wie sie sich in der sportstudio-Umfrage gezeigt hat, könnte ein Grund dafür sein.
Thorsten Kinhöfer ist der neue Schiedsrichter-Experte im ZDF. Im sportstudio spricht er unter anderem über die neuen Durchsagen in den Stadien zu VAR-Entscheidungen.
22.02.2025 | 1:47 minRugby als Paradebeispiel für Kommunikation
Wie den Schiedsrichtern das Leben ganz ohne Challenge leichter gemacht werden kann, zeigt sich im Rugby. Der Respekt der Spieler den Schiedsrichtern gegenüber ist ohnehin nahezu einzigartig, nur die Kapitäne reden mit den Schiedsrichtern und sprechen sie mit "Sir" an. Außerdem werden die Entscheidungen erklärt, zudem ist auch die Kommunikation der Schiedsrichter transparent.
Zu dem Umgang mit den Schiedsrichtern im Rugby sagt Kinhöfer: "Das wäre wirklich der Idealfall, also ob die mit Sir angesprochen werden müssen, soll dahingestellt sein."
Aber da kann man sich ein Beispiel dran nehmen, was - in Anführungsstrichen - "echter, harter, fairer Sport" auch für einen Umgang mit sich bringen kann.
ZDF-Schiedsrichter-Experte Thorsten Kinhöfer
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