Wie läuft es im Basketball und Handball?:Was der VAR im Fußball von anderen Sportarten lernen kann
von Bastian Grieble
Kaum ein Spieltag der Fußball-Bundesliga vergeht ohne Diskussionen um den Videoassistenten. Andere Sportarten zeigen, dass es auch anders geht.
Immer wieder ein Aufreger: Schiedsrichter Osmers prüft die Videobilder beim Bundesligaspiel Dortmund gegen St. Pauli.
Quelle: ddpSeitdem der VAR (Video Assistant Referee) zur Saison 2017/18 in der Fußball-Bundesliga eingeführt wurde, steht er häufig in der Kritik. In anderen Sportarten ist es deutlich ruhiger um den Videobeweis. Liegt das nur an den immer wieder herangezogenen "Graubereichen" im Fußball oder kann der VAR sich in Sachen Umsetzung und Rolle der Schiedsrichter auf dem Platz etwas bei Eishockey, Handball und Co. abschauen?
Eishockey als Vorreiter in Deutschland
Zu den Play-offs der Saison 1999/2000 hat die Deutsche Eishockey Liga als erster Sport in Deutschland einen Videobeweis eingeführt. Anfangs wurde nur über Tore entschieden. Bis heute gibt es keinen VAR, der von außen eingreift, stattdessen muss sich der Schiedsrichter auf dem Eis festlegen, bevor er auf den Kufen an den Monitor fährt.
Immer Ärger um den VAR: Für die einen sorgt er für mehr Fairness auf dem Platz, für die anderen nimmt er dem Fußball die Emotionalität: Wie könnte der Streit aufgelöst werden?
08.01.2026 | 14:40 minDie Bilder müssen die Entscheidung im Spiel hundertprozentig widerlegen, ansonsten bleibt diese bestehen. Mittlerweile können auch große Strafen am Bildschirm bestätigt oder reduziert werden. Außerdem erklären die Schiedsrichter über ihr Mikrofon die Entscheidungen in der Halle hörbar.
Kinhöfer: "Für den Fußball schwer umsetzbar"
Der Videobeweis im Eishockey zeichnet sich dadurch aus, dass im Gegensatz zum Fußball für jeden klar ist, wann er greift. Zusätzlich ist ein großer Vorteil gegenüber des VAR, dass die Entscheidung auf dem Eis am meisten Gewicht hat und die alleinige Entscheidungsgewalt bei den Schiedsrichtern liegt.
ZDF-Schiedsrichterexperte Thorsten Kinhöfer sagt zu dieser Umsetzung des Videobeweises: "Das wird in der Öffentlichkeit nicht akzeptiert werden. Man entscheidet nach bestem Wissen und Gewissen auf dem Feld." Wenn also der VAR als Dienstleister diese Aufgabe übernehmen würde dann wäre das für den Schiedsrichter eine Hilfe, meint Kinhöfer.
Aber viele Dinge, die nicht im Blickwinkel des Schiedsrichters passieren, wird er leider nicht mitbekommen.
ZDF-Schiedsrichterexperte Thorsten Kinhöfer
Deswegen hält Kinhöfer "diese Regelung für den Fußball für schwer umsetzbar".
Der Nachzügler Handball
Lange kam die Handball-Bundesliga ganz ohne Videobeweis aus, erst 2023 wurde er eingeführt. Als einer der Gründe für die Einführung gilt das immer schneller werdende Spiel. Er wird unter anderem zur Überprüfung von Toren, bei Situationen ohne Ball, die außerhalb des Blickfelds der Schiedsrichter stattfinden, sowie bei Disqualifikationen eingesetzt.
Der VAR sorgt für den Dauer-Aufreger in der Bundesliga. Knut Kircher (Chef der deutschen Elite-Schiedsrichter) und Thorsten Kinhöfer (ZDF-Schiri-Experte) im Sportstudio-Gespräch.
10.01.2026 | 28:19 minWie auch im Eishockey haben hauptsächlich die Schiedsrichter auf dem Feld das Recht, den Videobeweis anzufordern. Geht es um Wechselfehler, dürfen auch die Delegierten eingreifen. Insgesamt bleiben im Handball die Schiedsrichter auf der Platte die Herren des Geschehens.
Hier merkt Kinhöfer an: "Beim Handball ist es ausreichend, wenn die das so machen. Beim Fußball brauche ich immer noch den VAR, der mir im Endeffekt den Rücken freihält und für mich schaut, ob ich versäumt habe etwas zu ahnden."
Instant Replay im Basketball
Das Instant-Replay-System kommt seit der Saison 2014/15 in der Basketball-Bundesliga zum Einsatz. Die Entscheidungen, bei denen er durch die Schiedsrichter zu Rate gezogen werden kann, liegen ebenfalls im klaren Schwarz-Weiß-Bereich. Es geht beispielsweise darum zu überprüfen, ob es sich um einen Zwei- oder Drei-Punkte-Wurf handelt.
Im Basketball ist ebenfalls festgelegt, dass der Hauptschiedsrichter entscheidet, ob er an den Bildschirm geht, dazu bleibt auch hier im Zweifelsfall immer die Entscheidung auf dem Feld bestehen.
Im DFB-Pokal gibt es bis zur Zweiten Runde keinen VAR. Das nutzen die Spieler mit übertriebener Theatralik aus, meint ZDF-Schiri-Experte Kinhöfer im sportstudio im Gespräch mit Jochen Breyer.
01.11.2025 | 3:58 minBasketball-Regelung deckt viel Fälle nicht ab
Zu der Frage, ob der VAR im Fußball ebenfalls nur noch bei faktischen Entscheidungen eingreifen sollte, sagt Kinhöfer: "Wenn man bei den faktischen Entscheidungen bleibt, dann gehen Foulspiele durch, klare Handspiele durch."
Außerdem nennt der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Schwalben, die zu unberechtigten Strafstößen führen als Beispiel für Szenen, bei denen der VAR nicht mehr eingreifen dürfte. "Und deswegen wurde der Videoschiedsrichter eigentlich eingesetzt, um solche eklatanten Fehler des Schiedsrichters aufzudecken", so Kinhöfer.
Und wenn wir nur faktische Entscheidungen nehmen, dann würden diese Fehler weiterhin durchgehen.
ZDF-Schiedsrichterexperte Thorsten Kinhöfer
Sie wollen über Sport stets auf dem Laufenden bleiben? Dann ist unser sportstudio-WhatsApp-Channel genau das Richtige für Sie. Egal ob morgens zum Kaffee, mittags zum Lunch oder zum Feierabend - erhalten Sie die wichtigsten News direkt auf Ihr Smartphone. Melden Sie sich hier ganz einfach für unseren WhatsApp-Channel an: sportstudio-WhatsApp-Channel.
Klare Worte von HSV-Coach Polzin:Rekordverdächtige VAR-Unterbrechung in Köln
mit Video10:22- Exklusiv
Umfrage des aktuellen sportstudios:Wie die Bundesliga-Trainer die Arbeit des VAR bewerten
von Bastian Grieblemit Video28:19 Was stört und was besser werden kann:Streitthema Videobeweis: Wie geht es weiter mit dem VAR?
von Ralf Lorenzenmit Video14:40Neuer Schiedsrichter-Experte:Kinhöfer: VAR-Durchsagen im Stadion notwendig
Video1:47