Gaza-Abkommen:Israel lässt über 1.900 Palästinenser frei
Nach der Freilassung von Geiseln durch die Hamas hat Israel hunderte palästinensische Gefangene übergeben. Sie wurden im Westjordanland und im Gazastreifen empfangen.
Die letzten 20 Hamas-Geiseln sind frei und wieder bei ihren Familien. In der Knesset und ganz Israel wird US-Präsident Trump für seine Vermittlung im Nahostkonflikt gefeiert.
13.10.2025 | 3:00 minIm Gegenzug für die Freilassung der 20 noch lebenden Geiseln der Hamas hat Israel nach eigenen Angaben 1.968 palästinensische Häftlinge aus Gefängnissen entlassen. Es handele sich um Insassen aus mehreren Gefängnissen im Land, teilte die israelische Strafvollzugbehörde mit. Sie seien ins Westjordanland und in den Gazastreifen gebracht worden.
Eine jubelnde Menschenmenge erwartete die Busse, die am Montag vom Ofer-Gefängnis kommend in Beitunia im Westjordanland eintrafen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachteten. Kurz vor der Abfahrt der Busse hatten israelische Sicherheitskräfte Tränengas und Schallgranaten gegen Wartende und Journalisten eingesetzt, wie Fernsehbilder zeigten.
Alle lebenden Geiseln hat die Hamas freigelassen. Die Erleicherung in Israel ist groß, auch bei Familie Ohel, die jahrelang auf ihren Sohn wartete. Er ist daheim, nach 738 Tagen.
13.10.2025 | 2:47 minErste Palästinenser bei Freunden und Familie
Auch in Ramallah, wo die Autonomiebehörde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ihren Sitz hat, wurden Freigelassene von Angehörigen und Freunden in Empfang genommen und nach Hause begleitet. Feiern und Freudenfeste hatte Israel wie schon bei früheren Freilassungen von Häftlingen strikt untersagt.
Nachdem die Geiseln in Israel angekommen sind, soll Phase zwei beginnen: Es geht um die Frage, wie die Hamas entwaffnet werden kann, berichtet Thomas Reichart (ZDF) aus Tel Aviv.
13.10.2025 | 2:37 minAm Nasser-Krankenhaus in Chan Junis im Gazastreifen wurden die Busse des Roten Kreuzes mit Gefangenen unter anderem mit Freudenschüssen in die Luft empfangen. Dort wurden die Freigelassenen untersucht.
Weitere Häftlinge wurden nach Ägypten geschickt. Sie trafen nach Angaben eines ägyptischen Regierungsvertreters am Nachmittag am Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten ein.
Trump sei überzeugt, er habe geschafft, was noch keiner geschafft hat, sagt Elmar Theveßen. Die arabischen Staaten seien froh, dass Trump Druck ausgeübt habe, so Golineh Atai.
13.10.2025 | 5:30 minFreigelassene entgehen teils lebenslangen Haftstrafen
Nach der Vereinbarung über eine Waffenruhe mit der Hamas sollte Israel rund 1.700 im Gazastreifen festgenommene Palästinenser und etwa 250 zu teils lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilte Häftlinge freilassen.
Der Friedensprozess in Nahost nimmt weiter Fahrt auf: In Ägypten unterzeichneten die USA und weitere Vermittler-Staaten ein Abkommen, dass die Waffenruhe in Gaza sichern soll.
13.10.2025 | 2:47 minZuvor hatte die Hamas am Morgen die letzten 20 vor zwei Jahren aus Israel verschleppten Männer freigelassen. Diesen Austausch hatten beide Seiten bei indirekten Verhandlungen unter Druck von US-Präsident Donald Trump vereinbart.
Erst vier tote Geiseln übergeben
Die Hamas muss im Zuge der Vereinbarung mit Israel auch noch die sterblichen Überreste von bis zu 28 getöteten Geiseln übergeben. Am Montag übergab sie dem Roten Kreuz im Gazastreifen allerdings nur vier Särge mit toten Geiseln, wie die israelische Armee mitteilte.
Die Hamas und Netanjahu hätten den Weg zur Einigung bislang sabotiert, sagt Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. Die Folge sei umfassende Traumatisierung.
13.10.2025 | 3:53 minDas Forum der Geiselfamilien, eine Basisorganisation, die viele der Familien der Geiseln vertritt, zeigte sich "schockiert und bestürzt" darüber, dass zunächst nur so wenige Leichen übergeben wurden. Wann die übrigen 24 Toten an Israel überstellt werden, blieb zunächst offen.
Die 20 von der Hamas freigelassenen Männer waren bei dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023 verschleppt worden, das den Gaza-Krieg auslöste. Damals töteten Terroristen aus dem Küstenstreifen etwa 1.200 Menschen in Israel und verschleppten 251 Menschen.