WISO - Wirtschaft erklärt:Deutschlands Wirtschaft wächst wieder: Ist die Krise vorbei?
von Mischa Ehrhardt und Valerie Haller
Stellenabbau, teure Energie, Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit. Viel ist die Rede von Krise. Doch aktuelle Daten zeigen: Die Lage ist in Deutschland besser als gedacht.
Reden wir unsere Wirtschaft schlechter, als sie ist? Mit welchen Herausforderungen sie kämpft und wo sich die deutsche Industrie unverzichtbar macht: WISO - Wirtschaft erklärt mit Valerie Haller.
26.09.2026 | 9:52 minGlaubt man den jüngsten Daten, fasst die Wirtschaft in Deutschland wieder Tritt: Das Ifo-Institut meldete zuletzt zum fünften Mal in Folge eine bessere Stimmung in den Unternehmen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat seine Wachstumsprognose 2026 diese Woche auf jetzt 1,2 Prozent verdreifacht. Auch die führenden Wirtschaftsinstitute erwarten nun ein deutlich stärkeres Wachstum dieses Jahr von 1,3 Prozent.
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Ein Wirtschaftswunder wie in der Nachkriegszeit ist das zwar nicht - damals waren neun bis zwölf Prozent Wachstum drin. Immerhin aber dürfte die Wirtschaft wieder so stark zulegen wie vor der Corona-Pandemie.
Deutschland hat Probleme weiter im Fokus
In der Öffentlichkeit dominiert jedoch weiterhin die Krisenstimmung. Immer wieder ist die Rede von Deindustrialisierung, Standortnachteilen und wachsender internationaler Konkurrenz. Tatsächlich befinden sich vor allem die Autoindustrie und ihre Zulieferer in einem tiefgreifenden Umbruch, kündigen den Abbau tausender Jobs an und stellen Werksschließungen in Aussicht - nach Volkswagen nun auch Mercedes.
Durch die drastischen Sparmaßnahmen des VW-Konzerns fallen zusätzliche Jobs weg. ZDF-Börsenexpertin Sina Mainitz ordnet die einzelnen Maßnahmen ein.
04.09.2026 | 1:05 minGleichzeitig wächst die Sorge, deutsche Firmen könnten in der aktuellen KI-Revolution den Anschluss verloren haben gegenüber den USA und China. Hinzu kommen hohe Energiepreise, eine insgesamt steigende Inflation und geopolitische Risiken etwa durch den Iran-Krieg.
Hohe Energiepreise als Kernproblem für deutsche Wirtschaft
Ein zentrales Problem bleiben die hohen Energiepreise. Das lange erfolgreiche Modell der deutschen Industrie, günstige Energie importieren, hochwertige Produkte produzieren und weltweit teuer exportieren, funktioniert nicht mehr wie früher.
Gleichzeitig sorgt die teure Energie dafür, dass die Menschen ihr Geld vorsichtiger ausgeben. Der private Konsum trägt deshalb kaum mehr zur wirtschaftlichen Erholung bei.
Es gebe verschiedene Vorschläge für Maßnahmen gegen die gestiegenen Energiepreise, sagt Diana Zimmermann, ZDF-Hauptstadtkorrespondentin. Die Regierung wehre sich noch dagegen.
12.09.2026 | 2:12 minHinzu kommt ein weiteres strukturelles Problem: die Produktivität. Gemeint ist die Frage, wie effizient Menschen und Unternehmen arbeiten und wie viel wirtschaftliche Leistung dabei entsteht. Die Produktivität wächst seit Jahren deutlich langsamer als früher. Deshalb stehen Themen wie Bürokratieabbau, Digitalisierung und KI so stark im Fokus.
Warum die Wirtschaft in Deutschland dennoch wächst
Die Krisenmeldungen erzählen aber nur einen Teil der Geschichte. Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt ist Deutschland weiterhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt hinter den USA und China.
Grundlage dafür bleibt die breite industrielle Basis mit gut ausgebildeten Fachkräften und forschungsintensiven Unternehmen. Viele mittelständische Firmen sind in ihren Bereichen weltweit führend, etwa Trumpf, Festo oder Stihl.
Die OECD blickt optimistischer auf die deutsche Wirtschaft. Der KI-Boom treibt die Exporte, etwa bei Kabeln und Kühlsystemen. Zugleich mahnt die Organisation Reformen an.
23.09.2026 | 1:36 minFür viele internationale Unternehmen bleiben deutsche Produkte attraktiv, denn für Hightech liefern sie Schlüsseltechnologien: Spezialglas von Schott, Optik von Zeiss, Halbleiter von Infineon. Deutschland baut selten Produkte, die große Überschriften produzieren wie neue KI-Modelle aus Amerika, dafür aber Maschinen und Teile, die in KI-Rechenzentren und modernen Geräten wie Tablets und Smartphones dringend gebraucht werden.
Hinzu kommen die höheren staatlichen Ausgaben und Investitionen und die wieder anziehende Nachfrage aus dem Ausland. Steigende Exporte nach Asien stützen die deutsche Industrie. Davon profitieren unter anderem Chemie- und Pharmaunternehmen.
Der Blick von außen - überraschend positiv
Das Ausland schaut übrigens deutlich positiver auf den Standort Deutschland, als die heimische Debatte vermuten lässt. In einer aktuellen Umfrage der Deutschen Bank wird Europa von internationalen Führungskräften als attraktivste Wirtschaftsregion bewertet. Innerhalb Europas nennen viele Deutschland sogar als bevorzugten Investitionsstandort.
Fazit
Die deutsche Wirtschaft steht zwischen Aufschwung und Strukturwandel. Viele Probleme sind real. Die aktuellen Konjunkturdaten aber zeigen, dass von einem wirtschaftlichen Niedergang keine Rede sein kann. Deutschland wächst wieder, wenn auch unter schwierigeren Bedingungen als früher.
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