KI und Arbeitsmarkt: Warum KI nicht einfach ein Jobkiller ist

WISO - Wirtschaft erklärt:Jobkiller KI: Warum es keine einfache Antwort gibt

von Mischa Ehrhardt und Florian Neuhann

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KI ist angekommen: Ob privat oder in Unternehmen - überall kommt sie zum Einsatz. Viele Menschen bangen um ihren Job. Zu Recht? Eine einfache Antwort auf die Frage gibt es nicht.

KI-Logo auf dem Kopf einer Person, die einen aufgeklappten Laptop auf den Beinen hat

Macht uns Künstliche Intelligenz bald alle arbeitslos? Oder ist KI am Ende doch eine Chance - vor allem für uns in Deutschland? Das fragt WISO - Wirtschaft erklärt mit Florian Neuhann.

09.05.2026 | 8:49 min

Claude sagt: "Sechs Millionen. So viele Arbeitsplätze könnten in Deutschland durch Künstliche Intelligenz wegfallen." Claude ist ein KI-Sprachmodell. Und Claude hat die Zahl frei erfunden. "Nicht absichtlich und nicht böswillig - aber das Ergebnis ist dasselbe", antwortet der freundliche Helfer, der gerne mal halluziniert.

Millionen Jobs durch KI betroffen - was heißt das?

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung von November 2025 rechnet mit 1,6 Millionen Jobs, die durch KI in den kommenden 15 Jahren betroffen sein können. Sie können "entweder wegfallen oder neu entstehen". Auch eine Information, die kaum Klarheit schafft. Aber sie trifft den Kern des Problems.

Als ChatGPT Ende 2022 an das Licht der Öffentlichkeit kam, war vieles noch Experiment. Texte, Bilder oder Programmcode ließen sich auf Knopfdruck erzeugen - eine Revolution. Gleichzeitig traten zwischen den Zeilen Halluzinationen in die Welt, selbstbewusst und sprachlich meist fehlerfrei vorgetragen. Eine ernsthafte Konkurrenz für Journalisten, Programmierer oder Zeichner? Niemals!, meinten viele Beobachter.

Halluzinationen bei KI-Sprachmodellen sind Fälle, in denen das Modell Informationen generiert, die falsch, irreführend oder frei erfunden sind, diese aber als wahr oder faktisch korrekt darstellt. Sie entstehen oft, wenn das KI-Modell versucht, Zusammenhänge zwischen verschiedenen Informationsfragmenten aus seinem Training herzustellen, dabei aber fehlerhafte Verbindungen zieht. Weil Halluzinationen bei KI-Sprachmodellen vorkommen können, ist es wichtig, die Ausgaben von KI-Modellen kritisch zu prüfen und bei wichtigen Informationen zusätzliche Quellen heranzuziehen.


KI verbessert sich rasant

Doch seither sind fast vier Jahre vergangen. Und die Fortschritte bei der Entwicklung von KI sind rasant. So setzen etwa Pharmakonzerne KI-Systeme längst beim Auffinden neuer und vielversprechender Moleküle ein; oder um Informationen aus Bildern zu interpretieren - etwa Gewebeschnitte von Tumoren.

Ein Mann und eine Frau in formeller Kleidung, neben ihnen ein Smartphone, auf dem "WISO-KI" steht.

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Und eine Studie, die Ende April in der Wissenschaftszeitschrift "Science" veröffentlicht wurde, zeigt, dass bei Diagnosen (nur bei Zweitmeinungen) in der Notaufnahme KI besser abschnitt als Ärzte.

Die Auswirkungen dieser Entwicklungen zeigen sich zunehmend auch auf dem Arbeitsmarkt bei Berufseinsteigern: Eine Untersuchung in den USA zeigt, dass junge Erwachsene im Alter von 22 bis 25 Jahren in von KI betroffenen Berufen einen Beschäftigungsrückgang von 16 Prozent verzeichnen. Die Beschäftigung erfahrener Arbeitnehmer in diesen Bereichen dagegen blieb stabil.

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Noch keine dramatischen Folgen am Arbeitsmarkt

Betroffen sind vor allem Tätigkeiten, die sich standardisieren und digital abbilden lassen: Recherche, Zusammenfassungen oder erste Entwürfe von Texten und Analysen. Genau hier liefern KI-Systeme mittlerweile Ergebnisse, die für viele Unternehmen ausreichend sind. Auch bei jungen Software-Entwicklern ist die Zahl der offenen Stellen deutlich gesunken.

Allerdings zeigen sich trotz dieser Entwicklungen bislang insgesamt noch keine dramatischen Verwerfungen am Arbeitsmarkt. Und das hat einen Grund: Während die Industrielle Revolution im 18. und 19. Jahrhundert vor allem körperliche Arbeit betraf, die teilweise von Maschinen übernommen wurde, erfasst die KI-Revolution "White collar"-Jobs: also Tätigkeiten in Büros, Verwaltung oder wissensbasierten Dienstleistungen.

WISO - Wirtschaft erklärt: So heißt das neue Format, mit dem das ZDF-Wirtschaftsteam künftig regelmäßig aktuelle Wirtschaftsthemen erklärt - hier bei ZDFheute und auf dem ZDFheute-Youtube-Kanal. Schicken Sie uns gern Ihr Feedback oder Themenvorschläge an wirtschafterklaert@zdf.de.


Weniger betroffen sind bislang "Blue-Collar"-Berufe, bei denen praktische Fähigkeiten, körperliche Arbeit oder situatives Entscheiden gefragt sind: Die Heizung kann keine KI installieren, die Hausfassade müssen Maler streichen und die Pflege von alten Menschen oder die Erziehung von Kindern bleibt Sache des Menschen. Und während der Umbruch damals Jahrzehnte dauerte, könnte die KI-Revolution die Arbeitswelt in wenigen Jahren umkrempeln.

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KI - möglicherweise ein Jobmotor?

Hinzu kommt: Sinkende Kosten für geistige Arbeit durch den Einsatz von KI könnten neue Nachfrage erzeugen. Wenn Software schneller und günstiger entwickelt wird, entstehen womöglich mehr Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle - und damit neue Jobs.

Noch ein weiterer Faktor wirkt in Deutschland tendenziell stabilisierend auf das Jobangebot - der demografische Wandel. In den kommenden Jahren gehen Millionen Menschen in den Ruhestand, während deutlich weniger nachrücken. Schon heute klagen viele Branchen über Fachkräftemangel. So sehen Institutionen wie die Bundesagentur für Arbeit in KI-Modellen ein Instrument, um Produktivität zu steigern und fehlende Arbeitskräfte teilweise zu kompensieren.

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Zugleich eröffnet sich eine strategische Chance: Deutschland verfügt über eine starke industrielle Basis - vom Maschinenbau bis zur Automobilproduktion. Das Konzept Industrie 4.0 beschreibt seit Jahren die digitale Vernetzung von Produktion, Maschinen und Daten. KI kann diesen Ansatz entscheidend voranbringen - und so Wettbewerbsvorteil und Jobmotor sein.

Deswegen gibt es bis auf Weiteres keine einfachen Antworten auf die Frage, ob KI ein Jobkiller ist oder sogar Chancen für Mehrbeschäftigung bietet.

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Menschen müssen immer ein Auge auf KI-Ergebnisse haben

Und zuletzt: Wegen möglicher Halluzinationen der KI müssen Menschen ein Auge auf deren Ergebnisse haben. Nicht wahr, Claude? "Ja. Ich habe beim Formulieren des Beispiel-Einstiegs eine Zahl produziert, die sich plausibel angefühlt hat. Das ist genau das, was man als Halluzination bei Sprachmodellen bezeichnet."

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Über dieses Thema berichtete WISO in dem Beitrag "Jobkiller KI? Oder Chance für Deutschland?" am 09.05.2026 um 07:38 Uhr.

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