WISO - Wirtschaft erklärt:FIFA im Geldrausch: Wer von den WM-Milliarden profitiert
von Mischa Ehrhardt und Christian Hauser
Von WM zu WM steigen die Einnahmen der FIFA. Für den Zeitraum mit der Fußball-WM 2026 werden 13 Milliarden US-Dollar Umsatz erwartet. Wer außer dem Weltfußballverband profitiert.
Bei der FIFA klingeln mit der Fußball-WM 2026 die Kassen. Doch was passiert mit all dem Geld? Das fragt WISO - Wirtschaft erklärt mit Christian Hauser.
20.06.2026 | 10:27 minDie derzeit laufende Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada ist ein Superlativ: Es ist die größte, die teuerste und die lukrativste, die je gespielt wurde. 13 Milliarden US-Dollar Umsatz erwartet der Weltfußballverband FIFA für den laufenden Zyklus 2023 bis 2026 - ein Plus von über 70 Prozent gegenüber der WM 2022 in Katar.
Woher das Geld für die FIFA kommt
Der größte Einzelposten sind die TV-Übertragungsrechte: knapp 4,3 Milliarden US-Dollar. Doch der eigentliche Umsatztreiber dieser WM sind die Tickets.
Drei Änderungen machen den Unterschied: Erstens gibt es 48 statt 32 Teams - mehr Spiele, mehr Tickets. Zweitens sind die Preise erstmals "dynamisch" gestaltet - eine höhere Nachfrage treibt also die Verkaufspreise.
Was in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, ist international ein großes Thema: Dynamische Preisgestaltung von Ticketpreisen. Je gefragter Konzerte sind, umso teurer wird das Ticket.
27.05.2026 | 1:33 minDrittens ist auch der FIFA-Wiederverkaufsmarktplatz eine lukrative Einnahmequelle: Die FIFA kassiert dabei 30 Prozent. Früher lagen Ticket-Erlöse zusammen mit dem Gastrogeschäft unter einer Milliarde US-Dollar. Diesmal: drei Milliarden US-Dollar - allein aus Tickets.
Auf die Kritik, dass die FIFA über den Zweitmarkt aktiv mitverdiene, antwortet der Verband auf Anfrage von ZDFheute: Im Gegensatz zum Schwarzmarkt schaffe man eine sichere und transparente Umgebung. Und jeder Dollar fließe zurück in den Fußball.
Teure Tickets verärgern Fußballfans sowieso. Nun wird der FIFA auch noch vorgeworfen, rückwirkend die Sitzplatzkategorie bei manchen Tickets verschlechtert zu haben. US-Justizbehörden prüfen.
29.05.2026 | 2:23 minWas mit dem Geld zur Fußball-WM 2026 passiert
Von den 13 Milliarden US-Dollar sollen laut FIFA 12,9 Milliarden bis Ende des Jahres ausgegeben oder investiert sein. Der größte Posten: die Turnierorganisation selbst, rund 7,6 Milliarden - davon allein zwei Milliarden für die Klub-WM 2025.
Was bleibt, fließt in Verwaltung, Marketing - und in einen besonders auffälligen Posten: 3,9 Milliarden Dollar für Entwicklung und Bildung. Das entspricht rund 30 Prozent aller Einnahmen.
Ein Großteil landet im sogenannten FIFA-Forward-Programm. Jeder der 211 Mitgliedsverbände bekommt Geld - zum Beispiel für Nachwuchsförderung oder den Bau von Sportplätzen oder Fußball-Förderungszentren. Unter FIFA-Präsident Gianni Infantino stiegen die Zahlungen pro Verband von bis zu fünf auf aktuell bis zu acht Millionen US-Dollar pro Zyklus.
Donald Trump und FIFA-Chef Gianni Infantino versuchten im Vorfeld der Fußball-WM die politischen Störfeuer klein zu halten. Denn es geht um viel Geld.
07.06.2026 | 2:44 minVorwurf: Infantino sichert sich Stimmen für Wiederwahl
Genau hier setzt die Kritik an: Die NGO FairSquare argumentiert, dass das unter Gianni Infantino bestehende FIFA-System die Loyalität der Mitgliedsverbände sichere und damit bestehende Machtstrukturen innerhalb des Verbands festige.
Ärmere Verbände - vor allem aus Afrika und Asien - sind auf diese Mittel angewiesen. Solange sie steigen, gibt es gute Gründe, Infantino wieder zu wählen. 2027 steht die Neuwahl des FIFA-Präsidenten an. Bei der Wahl zählt jede Stimme gleich - egal ob aus Brasilien oder Bhutan.
Funktionär, Strahlemann, Fußball-Autokrat: Gianni Infantino plante, die Korruption im Fußball zu bekämpfen. Stattdessen machte er die FIFA zu seinem Hofstaat.
18.12.2023 | 14:30 minInfantino selbst weist das zurück. Bei der Eröffnungspressekonferenz in Mexiko-Stadt fragte er rhetorisch: "Wo soll das Geld sonst hingehen? Zu korrupten Praktiken? Das Geld gehört den Verbänden, es wird geprüft und in Kinder investiert."
Die Geschichte des Verbands zeigt allerdings, dass Skepsis berechtigt ist. 2012 flossen FIFA-Entwicklungsgelder in ein Trainingszentrum in Trinidad und Tobago - gebaut auf Grundstücken im Besitz von Firmen des damaligen FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner. Der Verband sagt, so etwas sei heute undenkbar. Das Forward-Programm schreibe klare Nachweispflichten vor.
Countdown für das Fußball-Highlight des Jahres: die WM 2026. Die größte Weltmeisterschaft ever. Und obendrein noch nachhaltig. So die FIFA.
10.05.2026 | 43:52 minKaum Steuern für die FIFA-Milliarden
Steuern auf die Einnahmen muss die FIFA kaum zahlen - sie profitiert von den Steuervorteilen eines Vereins. Dabei darf sie auch milliardenschwere Reserven halten, um laut Satzung das finanzielle Risiko des Vier-Jahres-Rhythmus abzufedern.
Die FIFA unterhält ein hochprofitables Milliardenbusiness. Der Verband profitiert vom Status eines Vereins mit Sitz in der Schweiz und hat das politische Gewicht einer ausgewachsenen internationalen Organisation.
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