WISO - Wirtschaft erklärt:Wie eine höhere Mehrwertsteuer an der Preisschraube dreht
von Mischa Ehrhardt und Valerie Haller
Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer bringt dem Staat viel Geld. Deswegen kehrt die Idee in Zeiten klammer Kassen gerne wieder. Doch das hätte für viele Menschen spürbare Folgen.
Die Erhöhung der Mehrwertsteuer wird diskutiert. Aber warum ausgerechnet die Mehrwertsteuer? Und welche Konsequenzen hätte das für uns? Das erklärt ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.
11.04.2026 | 8:38 minMorgens ein Matcha-Latte auf dem Weg zur Arbeit, mittags ein Snack vom Imbiss nebenan und auf dem Rückweg schnell beim Friseur vorbei. All diese Dinge kosten Geld. Und bei all diesen Käufen und Dienstleistungen verdient der Staat über die Mehrwertsteuer mit. Und das kräftig.
Mehrwertsteuer bringt Deutschland Einnahmen in Milliardenhöhe
Für jedes Produkt und jede Dienstleistung zahlen die Bürger Mehrwertsteuer von aktuell 19 Prozent, in der vergünstigten Form beträgt sie sieben Prozent. Sie gilt für täglich benötigte Güter wie Lebensmittel, aber auch Waren, die der Bildung oder dem gesellschaftlichen Leben dienen - etwa Bücher, Bahntickets oder bei Kunst- und Kulturangeboten.
Die Bedeutung der Mehrwertsteuer ist für die staatlichen Einnahmen kaum zu unterschätzen: Die oft unscheinbar wirkenden Käufe in unseren Alltag bringen dem Staat inzwischen mehr Geld ein als die Einkommensteuer. Im vergangenen Jahr lagen die Einnahmen durch die Mehrwertsteuer bei rund 310 Milliarden Euro.
Wie werden Steuern in Deutschland verteilt, wohin fließen sie? Die Aufteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen zeigt, wo Konflikte entstehen, die immer wieder Kritik auslösen.
02.02.2026 | 3:30 minMehrwertsteuer kann Inflation befeuern
Genau deswegen ist diese Steuer für die Regierung interessant. So denkt die schwarz-rote Koalition in Berlin darüber nach, sie zu erhöhen. Zur Diskussion steht eine Anhebung auf 21 Prozent. Im Gegenzug soll die Einkommensteuer für mittlere Einkommen sinken. Doch das hätte für viele Menschen in Deutschland spürbare Folgen.
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Die Folgen einer Mehrwertsteuer-Erhöhung konnte man schon einmal 2007 beobachten. Da hatte die damalige schwarz-rote Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent erhöht. Prompt zog die Inflation an. Nach Berechnungen der Bundesbank trug die Mehrwertsteuererhöhung damals 1,4 Prozent zur Gesamtinflation bei.
Inflation bedeutet, dass die Preise für Waren und Dienstleistungen über längere Zeit steigen und Geld dadurch an Kaufkraft verliert. In Deutschland misst das Statistische Bundesamt diese Entwicklung mit dem sogenannten Verbraucherpreisindex. Dafür wird ein "Warenkorb" festgelegt, der typische Ausgaben von privaten Haushalten abbildet. Darunter fallen Ausgaben für Lebensmittel, Miete, Energie, Kleidung oder Dienstleistungen. Die Preise werden regelmäßig erhoben und zum Verbraucherpreisindex zusammengefasst.
Die Inflationsrate zeigt, wie stark sich dieser Index verändert. Üblicherweise wird betrachtet, wie sich die Preise eines Monats im Vergleich zum Vorjahresmonat verändert haben.
Einkommensteuer runter - ein gutes Geschäft?
Steigt die Mehrwertsteuer, so werden Unternehmen wenn möglich die Preise erhöhen. So wälzen sie ihre steigenden Kosten auf die Konsumenten ab. Deswegen birgt eine Mehrwertsteuer-Erhöhung die Gefahr höherer Inflation.
Beim derzeitigen Vorschlag soll im Gegenzug die Einkommensteuer sinken. Das klingt wie ein gutes Geschäft: weniger Abzüge auf dem Gehaltszettel, also mehr Netto am Monatsende. Und damit könnte man sich dann die höheren Preise im Alltag leisten. Doch das stimmt nicht für alle Menschen - und genau hier liegt ein Problem.
Durch steigende Freibeträge fällt die Lohnsteuer 2026 etwas geringer aus, aber mehr Geld in der Tasche bedeutet das nicht unbedingt.
29.12.2025 | 1:18 minMehrwertsteuer und Einkommensteuer entlasten und belasten unterschiedlich
Die Mehrwertsteuer trifft zwar alle Menschen gleich, wenn sie einkaufen oder eine Dienstleistung in Anspruch nehmen. Doch wer wenig verdient, gibt einen größeren Teil seines Einkommens für den alltäglichen Konsum aus und wird stärker belastet. Wohlhabendere Haushalte dagegen spüren Preissteigerungen im Alltag deutlich weniger.
Gleichzeitig profitieren Geringverdiener kaum von einer Senkung der Einkommensteuer, weil sie ohnehin wenig Steuern auf ihr kleines Einkommen bezahlen. Am Ende könnte also ausgerechnet die Gruppe stärker belastet werden, die ohnehin weniger Spielraum hat.
Zwar wird darüber diskutiert, die Mehrwertsteuer auf bestimmte Güter wie Lebensmittel zu senken, um die Belastung abzufedern. Doch ob solche Maßnahmen ausreichen, ist bei generell steigenden Preisen zumindest fraglich.
Der SPD-Wirtschaftsflügel will die Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel abschaffen - damit die Teuerung bei Energie und Lebensmitteln entschärft wird.
04.04.2026 | 1:42 minHöhere Mehrwertsteuer könnte Kauflaune dämpfen
Hinzu kommt, dass die wirtschaftliche Lage ohnehin angespannt ist. Die deutsche Wirtschaft ist stark auf den Binnenkonsum angewiesen - also darauf, dass Menschen Geld ausgeben. Doch genau daran hapert es derzeit.
WISO - Wirtschaft erklärt: So heißt das neue Format, mit dem das ZDF-Wirtschaftsteam künftig regelmäßig aktuelle Wirtschaftsthemen erklärt - hier bei ZDFheute und auf dem ZDFheute-Youtube-Kanal. Schicken Sie uns gern Ihr Feedback oder Themenvorschläge an wirtschafterklaert@zdf.de.
Die anziehenden Energiepreise in Folge des Iran-Krieges befeuern wieder die Inflation. Viele Menschen halten deswegen ihr Geld zusammen, aus Sorge vor unsicheren Zeiten. Sie erinnern sich noch gut an den Inflationsschock nach dem Beginn des Ukraine-Krieges 2022.
Eine höhere Mehrwertsteuer würde die Inflation weiter anheizen - und das könnte die Kauflaune weiter dämpfen. Das hätte möglicherweise auch direkte Folgen für das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung hierzulande.
Wirtschaftsexperte Florian Neuhann erklärt, warum die Wirtschaftskrise mehr als eine konjunkturelle Schwächephase ist, welche Probleme dahinterstecken und ob es Hoffnung gibt.
09.01.2026 | 8:50 minHaushaltsdefizit kann mit Vorschlag nicht ausgeglichen werden
Und schließlich bleibt zu fragen, ob die angedachte Steuerakrobatik ein grundlegendes Problem lösen kann. Denn wenn eine Mehrwertsteuererhöhung dazu dienen soll, die Einkommenssteuer zu senken, nimmt der Staat unter dem Strich nicht mehr Geld ein. Das aber wird nötig sein. Denn in den kommenden Jahren bis 2029 fehlen im Bundeshaushalt mindestens 130 Milliarden Euro.
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