Wirtschaft erklärt mit Valerie Haller:Wie gefährlich ist der China-Schock für uns?
von Mischa Ehrhardt
China hat sich zum Hightech-Land entwickelt. Es stellt viele Produkte her, die Deutschland einst zum Exportweltmeister gemacht haben. Wie gefährlich ist Chinas Export-Flut für uns?
Ist die deutsche Industrie von einem sogenannten "China-Schock" bedroht? Wie kann sie gegen günstige Exporte geschützt werden? "WISO - Wirtschaft erklärt" mit ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.
24.02.2026 | 8:46 minLabubus sind kleine bunte Monsterchen. Aus possierlichem Plüsch, böse grinsend. Sie kommen aus China und haben unter Kindern und Jugendlichen Hypes ausgelöst. Man kann das als Teil einer Strategie sehen - China versucht, sein Image aufzupolieren. So bezahlt die chinesische Regierung auch ausländische Influencer, in China ihre Videos zu drehen, um so ein positives Bild des Landes zu transportieren. Soft-Power nennt sich diese Charme-Offensive: Anerkennung nicht durch Macht oder Zwang, sondern auch durch Anziehung und Überzeugung.
Die ökonomische Macht ist ohnehin bereits da. Denn China flutet Europa mit Exporten - zu unschlagbaren Preisen. Und zwar längst nicht mehr nur mit Billigware von Temu, Shein und Co., sondern mit High-Tech.
Beim EU-China-Gipfel in Peking geht es unter anderem um Handel: China exportiert deutlich mehr in die EU als umgekehrt - 2024 lag das Handelsdefizit bei rund 320 Milliarden Euro.
24.07.2025 | 3:01 minDer erste China-Schock - Rückblick
Einen wirtschaftlichen China-Schock hat es bereits vor einem Vierteljahrhundert gegeben: 2001 trat Peking der WTO bei, der World Trade Organisation. Für China bedeutete das einen Export-Boom, weil bisher geltende Zölle wegfielen. Für die Wirtschaft der USA war das ein Schock.
Hatten die USA in den 1990er Jahren noch viele einfache Produkte wie Kleidung, Spielzeug oder Haushaltsgeräte selbst hergestellt, fiel nach dem Beitritt Chinas zur WTO bis 2010 jeder dritte Industriearbeitsplatz in den USA weg. China produzierte nun, was vorher Arbeiter in US-Fabriken herstellten.
Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und China summierte sich 2025 auf mehr als 250 Milliarden Euro. Damit zog die Volksrepublik an den USA vorbei, die 2024 auf Rang eins lagen.
20.02.2026 | 0:22 minSchock für die USA - Segen für deutsche Maschinenbauer
Für Deutschland war das hingegen kein Schock - im Gegenteil. Denn damit China zur "Werkbank der Welt" werden konnte, brauchte die Volksrepublik jede Menge Maschinen. Und die hat Deutschland als Land der Maschinenbauer ihnen verkauft. Die Maschinenexporte nach China explodierten innerhalb von zehn Jahren um knapp 500 Prozent.
Heute sieht das anders aus. Die Exporte nach China gehen zurück, dafür kaufen Unternehmen und Konsumenten vermehrt dort ein - der Handel mit China ist aus dem Gleichgewicht geraten. Auch, weil die Regierung in Peking einen Masterplan verfolgt: China will bei führenden Technologien Weltspitze sein - also in Bereichen wie Elektromobilität, Robotik, grüne Energie und KI.
Der chinesische Elektroautohersteller BYD ist der weltweite erfolgreichste. Nun möchte er auch den europäischen Markt mit Niedrigpreisen aufmischen.
21.05.2025 | 1:39 minWettbewerbsvorteil - Subventionen und Überkapazitäten
Vor allem bei E-Autos haben sich chinesische Hersteller zur harten Konkurrenz entwickelt. Bei Batterien für die E-Mobilität ist China unbestrittener Weltmarktführer. Aber das ist längst nicht alles: Auch im Maschinenbau läuft China Deutschland den Rang ab. Während die deutschen Maschinenbauer über eine Absatzflaute klagen, gewinnt China immer mehr Marktanteile.
Dabei profitieren chinesische Firmen neben billigen Arbeitskräften auch von umfassenden Staatshilfen. Hinzu kommt, dass die einheimische Wirtschaft schwächelt. Die vielen Produkte, die in China nicht gekauft werden, suchen Abnehmer im Ausland.
Die USA schützen ihre Wirtschaft durch Zölle. Auch deshalb landen mehr Waren aus China in Europa. Jüngste Zahlen belegen das. So liegt das Volumen der Importe aus China mittlerweile mehr als doppelt so hoch wie das der Exporte nach China, so das Statistische Bundesamt.
China verschärft die Exportregeln für seltene Erden. Ein Signal, das in Europa für Unruhe sorgt. Die EU ist stark von China abhängig, wenn es um den Zugang zu diesen kritischen Rohstoffen geht.
30.10.2025 | 34:35 minDe-Risking und Innovation als Antwort
Dieser Trend hält schon seit längerem an, er zeigt den strukturellen Wandel der chinesischen Wirtschaft. Was könnte man dem entgegensetzen? Eine Strategie wären Schutzzölle gegen Billigimporte aus China. So hat die EU bereits Zusatzzölle auf die Einfuhr von Elektroautos aus China eingeführt. Zölle bergen allerdings das Risiko einer Eskalation zu einem Handelskrieg - mit dramatischen Folgen für die exportorientierte deutsche Wirtschaft.
Auch könnte China den Hahn bei bestimmten Produkten abdrehen, auf die hiesige Unternehmen angewiesen sind - etwa auf Chips für Autos oder seltenen Erden. Fehlen diese Importe, kann das Teile der Produktion lahmlegen.
China nutzt seine Rohstoffe und industriellen Verarbeitungsmöglichkeiten zunehmend strategisch. Machen sich deutsche Unternehmen unabhängiger davon? Bislang ist das die Ausnahme.
17.12.2025 | 2:50 minDe-Risking heißt deswegen das neue Zauberwort, seit in der Corona-Pandemie zeitweise Lieferketten nach China zerrissen: Deutschland müsse einseitige Abhängigkeiten von China verringern, indem es Partnerschaften mit anderen Ländern schließt, beispielsweise für Rohstoffe.
Der beste Schutz gegen Chinas Billig-Exporte ist Innovation. Die USA haben damals den China-Schock überstanden, indem sie neue Märkte erobert haben. Mit dem iPhone, mit Social-Media, mit ChatGPT. Warum sollte das nicht auch der deutschen Wirtschaft gelingen?
WISO - Wirtschaft erklärt: So heißt das neue Format, mit dem das ZDF-Wirtschaftsteam künftig regelmäßig aktuelle Wirtschaftsthemen erklärt - hier bei ZDFheute und auf dem ZDFheute-Youtube-Kanal. Schicken Sie uns gern Ihr Feedback oder Themenvorschläge an wirtschafterklaert@zdf.de.
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