China drängt auf Kaffeemarkt:Cotti Coffee greift den Coffee to go in Deutschland an
von Frank Bethmann
Cotti Coffee aus China versucht, den Markt in Deutschland aufzumischen. Die Methoden sind dieselben, wie sie auch Temu und Shein nutzen. Was das für unseren Kaffee bedeutet.
In China ist Cotti Coffee schon die Nummer zwei, auch in Deutschland will man beim Coffee-to-go-Geschäft mitmischen. Mit Kampfpreisen und Bestellung nur per App.
15.02.2026 | 0:38 minAls Anfang des Jahres plötzlich in Berlin, Köln, Hamburg und Düsseldorf neue kleine Kaffeeläden mit rot-weißen Logos auftauchten, ließ sich erahnen, dass Bewegung in den deutschen Kaffeemarkt kommt. Der neue Name: Cotti Coffee. Eine rasant expandierende chinesische Kette, die ein Ziel hat: den schnellen Kaffee für unterwegs drastisch billiger und digitaler anzubieten.
Cotti Coffee mit Kampfpreisen wie bei Shein oder Temu
Die Preise lassen aufhorchen: ein Espresso für 99 Cent, ein Cappuccino für unter drei Euro. Cotti Coffee setzt damit auf dasselbe Erfolgsrezept wie die chinesischen Billiganbieter Shein oder Temu im Mode- und Lifestylebereich: massive Skalierung, wie es in der Wirtschaftssprache heißt - also die Fähigkeit, schnell Kunden zu gewinnen -, volle Digitalisierung und niedrige Kosten pro Filiale.
Die EU erhöht die Importkosten für Billigwaren: Ab Juli 2026 wird für jedes Paket unter 150 Euro eine Abgabe von drei Euro fällig - besonders spürbar für Plattformen wie Temu.
12.12.2025 | 0:18 minBestellt wird meist per App, die Läden sind klein, Sitzplätze selten. Für Mintel, ein internationales Marktforschungsunternehmen mit Fokus auf Konsumverhalten, Marktanalysen und Trendforschung, ist Cotti Coffee mehr als nur eine reine Filialeröffnung.
Die scharfe Preisgestaltung und der digitale Einsatz verleihen dem Konzept echtes Disruptionspotenzial.
Eliana Riera-Mcinnes, Analystin bei Mintel Foodservice
Wie groß der Einfluss tatsächlich wird, hänge jedoch letztlich davon ab, wie schnell und wie breit das Unternehmen expandiere, sagt Analystin Eliana Riera-McInnes von Mintel Foodservice.
Hinter der chinesischen Billig-Kette Cotti Coffee stehen Lu Zhengyao und Qian Zhiya, die einst Luckin Coffee zu einem rasanten Höhenflug führten, bevor ein Bilanzbetrugsskandal um mehrere hundert Millionen US-Dollar das Unternehmen 2020 fast in die Knie zwang. Beide verließen damals Luckin. Nur zwei Jahre später starteten sie mit Cotti Coffee ein nahezu identisches, aber noch aggressiveres Konzept. Luckin selbst betreibt heute wieder über 26.000 Filialen, überwiegend in China.
Kaffeeverband: Markt wird internationaler
Der Deutsche Kaffeeverband bewertet den Markteintritt der Chinesen als Ausdruck der wachsenden Internationalisierung des Kaffeemarktes. "Der Markteintritt von Cotti Coffee in Deutschland zeigt einmal mehr die anhaltend hohe Bedeutung von Kaffee in Deutschland - sowohl im Außer-Haus-Markt als auch im Einzelhandel", sagt Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Verbandes.
Tatsächlich ist es kein Zufall, dass Cotti Coffee Deutschland als weiteres Expansionsziel ausgemacht hat. Die "Coffee-to-go-Kultur" boomt hierzulande, die Innenstädte sind dicht besiedelt, die Pendlerströme groß.
Der Kaffeepreis ist im letzten Jahr stark gestiegen. Ein Grund: Der Klimawandel gefährdet den Anbau. In Brasilien versuchen sie nun, die Kaffeepflanze klimaresistenter zu machen.
03.08.2025 | 2:41 minCotti Coffee greift tief in ökonomische DNA der Branche ein
Deutschland liebt seinen Kaffee - aber Deutschland liebt auch das Sparen. Cotti Coffee nutzt genau diese Zwiespältigkeit. Der Espresso für 99 Cent stellt nicht nur die bestehenden Preisstrukturen am Markt infrage, er greift tief in die ökonomische DNA der Branche ein.
Mietpreise, Personalkosten, Energie: In Deutschland ist das alles hoch. Kleine Coffee-Shops kämpfen mit diesen steigenden Betriebskosten, während große Ketten ihre Expansion verlangsamen oder sogar Standorte schließen.
Am Ursprungort des Arabica-Kaffees kämpfen äthiopische Kleinbauern trotz Verschiebung der EU-Verordnung weiter mit hohen Hürden und bürokratischen Anforderungen.
22.12.2025 | 2:15 minMuss Starbucks jetzt zittern?
Starbucks steht in Deutschland wie kaum eine andere Marke für das Gegenteil, für das teure Kaffeeerlebnis - große Becher, individueller Service, Sitzplätze, Markenwelt. Mit rund 40.000 Starbucks-Filialen weltweit scheint der US-Riese unantastbar.
Aber Cotti Coffee hat in nur vier Jahren bereits 18.000 Filialen in 28 Ländern aufgebaut. Ein Tempo, das die Branche alarmiert. Ketten wie Lap Coffee, die bereits mit schlankem Konzept und günstigen Preisen (Espresso ab 1,50 Euro) arbeiten, geraten durch Cottis 99-Cent-Niveau direkt unter Druck.
Starbucks hat bislang noch nicht auf den neuen Konkurrenten aus Fernost reagiert. Branchenexperten gehen jedoch davon aus, dass die US-Kette seine Premiumposition über Marke, Atmosphäre und Standorttreue verteidigt, statt in einen radikalen Preiskampf einzusteigen.
Cotti Coffee mit vagen Nachhaltigkeitsversprechen
Für Holger Preibisch vom Kaffeeverband ist Deutschland ein anspruchsvoller Kaffeemarkt mit hohen Qualitäts- und Nachhaltigkeitserwartungen.
Wer hier erfolgreich sein will, muss nicht nur mit dem Preis und Konzept überzeugen, sondern auch Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette ernst nehmen.
Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer Deutscher Kaffeeverband
Das kann als Anspielung auf die chinesische Kette verstanden werden. Cotti bezieht seinen Kaffee aus mehreren klassischen Anbauregionen weltweit, nennt aber bislang nur sehr grob Herkunftsländer und arbeitet mit einem eher allgemein gehaltenen Nachhaltigkeitsversprechen.
Kaffee gehört bei vielen Menschen zum Start in den Morgen dazu. Dafür sind Kaffeekapseln eine beliebte und praktische Variante. Stiftung Warentest hat 17 Produkte genauer untersucht.
29.08.2025 | 5:00 minOb sich also Cotti Coffee auch in Deutschland durchsetzen wird, ist offen. Eine "umfassende Preisschlacht" erwartet Marktforscherin Riera-McInnes jetzt zwar nicht, eines aber ist sicher: Der Wettbewerb im Kaffeemarkt wird durch den Markteintritt der Chinesen härter werden.
Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
Lupine und Zichorie statt Kaffeebohnen:Warum Kaffee-Alternativen im Trend liegen
Mehr Nachrichten aus der Wirtschaft
Wirtschaft erklärt mit Valerie Haller:Alles auf KI: Wie Musk sein Imperium neu aufstellt
von Tim Webermit Video9:30Wer macht Kasse bei VW?:Gerangel um Geld und Boni bei Europas größtem Autobauer
von Peter Kunzmit Video1:27