Seltene Erden aus China: Wie abhängig sind wir von dem Land?

Seltene Erden für Smartphones:Warum die ganze Welt von China abhängig ist

Porträt ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer

von Miriam Steimer, Baotou

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Seltene Erden stecken in Chips und Militärtechnik. Die ganze Welt hängt an Chinas Tropf, das Land hat ein Quasi-Monopol. Wo die Metalle herkommen, soll Staatsgeheimnis bleiben.

Ein aktiver Goldabbau-Steinbruch mit Industrieanlagen, Blick vom Rand des Steinbruchs.

China verfügt über ein Quasi-Monopol bei Seltenen Erden: Es baut 70 Prozent dieser Metalle ab und verarbeitet 90 Prozent. Deutschland deckt zwei Drittel seines Bedarfs aus China.

07.12.2025 | 3:02 min

Dass das Schild am Ortseingang der Stadt Baotou im Norden Chinas in der "nationalen Gesundheitsstadt" begrüßt, kommt einem schon komisch vor, sobald man die vielen rauchenden Industrieschlote sieht. Wie bodenlos der Propaganda-Slogan ist, wird im Westen der Stadt klar, als ein stechender Geruch und Kopfschmerzen hinzukommen. Im Fabrik-Viertel spürt man die Verschmutzung bei jedem Atemzug.

"Hauptstadt der seltenen Erden"

Nebenan liegt der riesige künstliche See, in dem landet, was beim Abbau von seltenen Erden übrigbleibt: Schlamm, versetzt mit Schwermetallen, mit radioaktiven Rückständen, mit Säuren, die eingesetzt werden, um die seltenen Erden aus anderen Mineralien herauszulösen. Die Stadt Baotou in der Inneren Mongolei, autonome Region in China, nennt sich selbst "Hauptstadt der seltenen Erden". Schon Ende der 30er Jahre wurden die Rohstoffe hier entdeckt. China hat Abbau und Verarbeitung systematisch aufgebaut und hat heute einen großen Vorsprung vor dem Rest der Welt.

Schaltgespräch zwischen Christian Sievers und ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer

ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer sagt, dass sich der Westen beim Abbau Seltener Erden abhängig von China gemacht habe und diese Abhängigkeit werde China politisch ausspielen.

07.12.2025 | 2:20 min

Die Dörfer in unmittelbarer Nähe werden "Krebsdörfer" genannt. Einige Bewohner wurden inzwischen umgesiedelt, andere wohnen noch hier. Vor einem kleinen Kiosk steht eine Gruppe Männer. "Es ist viel besser als früher", sagt einer. "Es gibt jetzt mehr Bäume."

Wenn wir früher weiße Wäsche aufhängten, war die in kurzer Zeit schwarz. Das ist jetzt anders.

Anwohner von Baotou

Hier wird klar, welch hohen Preis die Menschen vor Ort dafür zahlen, dass die ganze Welt seltene Erden für Smartphones, E-Autos und Raketen hat. Denn China hat ein Quasi-Monopol, baut weltweit 70 Prozent dieser Metalle ab und verarbeitet sogar 90 Prozent. Deutschland bezieht zwei Drittel seiner seltenen Erden aus China, obwohl es auch bei uns Vorkommen gibt. Seltene Erden sind gar nicht so selten, wie der Name vermuten lässt, doch mit westlichen Umwelt- und Arbeitsschutz-Auflagen gilt Abbau und Verarbeitung als unwirtschaftlich. Und vor allem nicht konkurrenzfähig. Der Westen hat China das dreckige und teure Geschäft gerne überlassen - und muss jetzt mit den Konsequenzen leben. Denn mit globalen Exportbeschränkungen hat Peking im vergangenen Jahr der ganzen Welt gezeigt, dass es diese Rohstoffe als geopolitische Munition nutzt, Ausfuhren politisch dosiert.

Auto-Industrie braucht "Könige der Magnete"

Rund um die "seltene Erde"-Straße haben Hunderte Hightech-Firmen ihren Sitz. Den Industriepark gibt es schon seit den 90er-Jahren, seit 2020 boomt die Nachfrage. Denn hier nutzen sie die seltenen Erden, um die sogenannten "Könige der Magnete" herzustellen: besonders starke Magnete, zum Beispiel für E-Autos.

Die Metalle dafür kommen aus der Bayan-Obo-Mine weiter nördlich. Bis zu 40 Prozent der weltweiten Ressourcen sollen hier liegen. Wenige Kilometer vorher: eine Straßensperre. Die Polizei hält jedes Auto an. Wer ein Journalisten-Visum im Pass hat, wird erstmal aussortiert: "Warten Sie hier, wir rufen die lokalen Behördenmitarbeiter", sagt ein Mann in Zivilkleidung. "Die werden ihnen helfen. Sie sind die Serviceorganisation für Ausländer."

Container mit der Aufschrift "China Shipping" stehen im Hafen.

Trotz Handelsstreitigkeiten erreichte China im vergangenen Jahr einen Handelsüberschuss von 1,2 Billionen Dollar. Die Exporte stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent.

14.01.2026 | 0:30 min

Autos, Hände und Fußmatten verdecken die Kamera-Linse

Nach einer Stunde gibt es plötzlich das OK zum Weiterfahren. Die angekündigten Behördenmitarbeiter sind nicht aufgetaucht, aber im Rückspiegel setzen sich vier Autos zeitgleich in Bewegung. Am Eingang des Ortes schmückt das Modell eines Minerals die Mitte eines Kreisverkehrs. Wer versucht, das zu fotografieren oder zu filmen, wird sofort gestoppt: Die Autos, die seit der Polizeisperre folgen, unternehmen riskante Überholmanöver, um jedes Bild zu verhindern. Mit Händen und sogar Fußmatten werden die Kameralinsen verdeckt.

Am Eingang des Minen-Geländes kommen weitere Aufpasser dazu. "In dieser Gegend ist Filmen verboten. Drohne fliegen und Fotos machen ist nicht erlaubt.", sagt ein Mann mit Pelzmütze. Die Herkunft von Chinas geopolitischer Munition, die Folgen von Abbau und Verarbeitung der seltenen Erden für Mensch und Natur: ein Staatsgeheimnis. Auf dem Weg Richtung Osten ist eines der Verfolger-Autos noch 200 Kilometer lang im Rückspiegel zu sehen.

Miriam Steimer ist Korrespondentin und als Studioleiterin des ZDF-Studios Ostasien zuständig für die Berichterstattung u.a. aus China, Japan, Korea und den Philippinen.

Sendungsbezug: Über dieses Thema berichtete das heute journal am 07.12.2025 um 21:45 Uhr.

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