WISO - Wirtschaft erklärt:Iran-Krieg: Was der hohe Ölpreis für die Inflation bedeutet
von Tim Weber und Valerie Haller
Der Ölmarkt ist unter Druck: Trotz massiver Freigabe von strategischen Reserven fällt der Preis nicht, im Gegenteil. Was das für unsere Inflation bedeutet.
Seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Ölpreis kräftig angestiegen. Was bedeutet das für die Inflation? WISO - Wirtschaft erklärt mit ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.
13.03.2026 | 8:51 minIn einer konzertierten Aktion haben die 32 Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA) die größte Freigabe strategischer Ölreserven in der Geschichte beschlossen. Auch Deutschland ist daran beteiligt. Das erklärte Ziel: den rasant steigenden Ölpreisen Einhalt zu gebieten.
Doch die Entspannung am Markt bleibt aus. Der Ölpreis liegt nicht nur deutlich über dem Niveau vor Kriegsbeginn - er steigt sogar. Am Donnerstag legte der Preis für die Sorte Brent erneut auf fast 100 US-Dollar pro Barrel zu. Während Verbraucher die Folgen schon längst an den Tankstellen spüren, werden Warnungen vor einer neuen Inflationswelle laut.
Die Angriffe im Iran wirken sich auf die Benzinpreise in Deutschland aus. Durch die Kontrolle der Straße von Hormus steigen die Kosten für Öl. Ölkonzerne schlagen bereits jetzt höhere Preise auf.
05.03.2026 | 1:32 minStraße von Hormus weiterhin unpassierbar
Die Ursache für den Anstieg liegt im aktuellen Iran-Krieg: Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten für den Öltransport, ist weiterhin praktisch unpassierbar. Jeder Tag ohne Schiffsverkehr setzt den Ölmarkt unter Druck - und vor allem China.
Die energiehungrige Volksrepublik bezieht rund 40 Prozent ihres Öls über das Nadelöhr südlich von Iran. Doch die großen Öl-Exporteure der Region können jetzt nicht mehr liefern: Kuwait, Katar und Irak sind gänzlich auf den Transport per Tanker angewiesen. Mittlerweile drohen dort Produktionsstopps, da die Lagerkapazitäten erschöpft sind oder die Infrastruktur im Zuge des Konflikts beschädigt wurde.
China drängt auf den Ölmarkt
Chinas Hunger nach Öl sorgt für neuen Marktdruck: Zwar verfügt das Land über eigene strategische Vorräte, hält sich jedoch zur genauen Menge bedeckt.
Wirtschaftlich und politisch ist der Iran wichtiger Partner Chinas. Doch die Verbindung zwischen beiden Ländern ist asymmetrisch: Iran braucht China viel dringender als umgekehrt.
04.03.2026 | 3:06 minBerichten zufolge muss die Volksrepublik zunehmend auf amerikanisches Öl ausweichen. Damit steht China in direkter Konkurrenz zu europäischen Abnehmern, was die Preise am Weltmarkt zusätzlich nach oben treibt.
Thinktank errechnet Inflationsplus von zwei Prozentpunkten
Steigende Energiekosten betreffen uns auch jenseits der Zapfsäule. Als Grundstoff für die chemische und pharmazeutische Industrie sowie den globalen Güterverkehr hängt die Inflation stark am Ölpreis.
Trotz geringer Direktimporte verteuern die Weltmarktpreise auch hierzulande Energie deutlich: Super liegt mancherorts bereits über zwei Euro pro Liter. Valerie Haller mit einer Einordnung.
03.03.2026 | 1:14 minExperten des Thinktanks Dezernat Zukunft haben errechnet: Sollte der Konflikt am Golf eskalieren und Förderanlagen dauerhaft zerstört werden, könnte die Inflation kurzfristig um zwei Prozentpunkte steigen. Mit einer Teuerungsrate von knapp vier Prozent würde die Inflation damit den höchsten Stand seit 2023 erreichen.
Dezernat Zukunft - das "Institut für Makrofinanzen" - sieht sich als überparteilicher Thinktank mit dem Ziel "Geld-, Finanz- und Wirtschaftspolitik verständlich zu erklären, einzuordnen und neu zu denken".
Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat eine Prognose vorgelegt. Demnach entsteht ein Inflationsplus von 0,8 Prozentpunkten noch im laufenden Jahr, wenn der Ölpreis bei 100 US-Dollar verharrt.
WISO - Wirtschaft erklärt: So heißt das neue Format, mit dem das ZDF-Wirtschaftsteam künftig regelmäßig aktuelle Wirtschaftsthemen erklärt - hier bei ZDFheute und auf dem ZDFheute-Youtube-Kanal. Schicken Sie uns gern Ihr Feedback oder Themenvorschläge an wirtschafterklaert@zdf.de.
Kein Versorgungsengpass erwartet
Trotz der angespannten Lage: Mit einem Versorgungsengpass ist derzeit nicht zu rechnen, so die Bundesnetzagentur. Denn Europa bezieht nur einen kleinen Teil seiner Energie direkt aus der Golfregion. Deutschland hat nach Einschätzung von Experten somit kein Mengen-, sondern ein Preisproblem.
Die Preise für Diesel und Öl ziehen massiv an und schüren die Sorge vor Inflation. Was wird warum teurer?
04.03.2026 | 3:02 minEntscheidend ist, wie lange die Straße von Hormus praktisch unpassierbar ist. Bleibt die Meerenge dicht, droht die Inflation wieder aufzuflammen - eine Gefahr, vor allem für das industrie-lastige Deutschland.
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