Nahost-Krieg: Iran nutzt Ölmarkt als Druckmittel gegen Westen

Interview

Asymmetrische Kriegsführung:Militärökonom: Irans stärkstes Druckmittel ist Öl

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Iran setzt im Krieg mit den USA vor allem auf wirtschaftlichen Druck über den Ölmarkt. Militärökonom Keupp erklärt, warum die Straße von Hormus der entscheidende Hebel ist.

Militärökonom Markus Keupp im ZDFheute live-Studio

Iran sei auf die Art der asymmetrischen Kriegsführung spezialisiert, sagt Militärökonom Marcus M. Keupp. Man dürfe diese Region nicht übersimplifizieren.

12.03.2026 | 22:39 min

Die Angriffe im Persischen Golf lassen den Ölpreis steigen, Tanker bleiben vor der Straße von Hormus liegen, Washington ringt um Kontrolle. Im Gespräch mit ZDFheute live ordnet der Militärökonom Marcus M. Keupp die Eskalationen in Nahost ein und beschreibt, wie der Iran die USA wirtschaftlich unter Druck setzt - und weshalb das die USA in eine strategische Zwickmühle bringt.

Drei Punkte stehen dabei im Zentrum:

1. Welches Druckmittel hat der Iran?

Eher ein wirtschaftliches als ein militärisches. Der Iran setzt die USA nach Einschätzung Keupps vor allem über den Ölmarkt unter Druck. Donald Trump habe die Folgen eines Militärschlags offenbar unterschätzt. Wer militärisch eingreife, müsse vorher über ein "Exit-Narrativ" nachdenken. Der US-Präsident habe auf einen schnellen Erfolg gesetzt, das sei nicht aufgegangen.

ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen in Washington

Die Menschen in den USA wollten nicht tiefer in diesen Krieg hineingezogen werden, von dem man nicht weiß, wie man wieder aus ihm herauskommen soll, so US-Korrespondent Theveßen.

12.03.2026 | 5:50 min

Durch die Kontrolle der Straße von Hormus sorgt Iran für Chaos auf dem Ölmarkt. Durch die Meerenge wird etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert. Keupp betont, sie sei "nicht im maritimen Sinne gesperrt". Es gebe keine iranische Flotte, die den Seeweg im maritimen Sinne blockiere. Stattdessen setze Teheran auf Abschreckung. Tanker Richtung Westen würden bedroht, Lieferungen nach China dürften passieren. China kaufe rund 80 Prozent der iranischen Ölexporte.

Ein großes Feuer und eine Rauchwolke sind zu sehen, nachdem nach Angaben der Behörden Trümmer einer abgefangenen iranischen Drohne die Ölanlage in Fudschaira getroffen haben.

Knapp zwei Wochen nach Kriegsbeginn greift Iran weiter Staaten in der Golfregion an. Zunehmend gerät der Energiesektor ins Visier – mit möglichen Folgen für Ölpreise und die Weltwirtschaft.

12.03.2026 | 1:32 min

Die Konsequenz: Reeder könnten Fahrten durch das Seegebiet nicht versichern. Wer trotzdem fahre, handle "nah am wirtschaftlichen Selbstmord". Normalerweise passieren laut Keupp rund 60 Tanker täglich die Meerenge, derzeit seien es nur etwa fünf. Das verhindere Ölverkäufe der US-Verbündeten im Nahen Osten und belaste Europas Energieversorgung. Höhere Ölpreise schlagen zudem auch in den USA auf Benzinpreise und Importkosten durch.

… ist Dozent für Militärökonomie an der Militärakademie der ETH Zürich, der Ausbildungsstätte für Berufsoffiziere der Schweizer Armee. Zuvor hat er an der Universität Mannheim und der Warwick Business School Betriebswirtschaftslehre studiert und an der Universität St. Gallen promoviert. In seiner Forschung beschäftigt sich Keupp insbesondere mit militärischer Logistik. Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine 2022 analysiert Keupp das Geschehen an der Front, die russischen und ukrainischen Nachschublinien sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges. 


2. Was wäre aus US-Sicht die beste Lösung im Konflikt?

Die Straße von Hormus sei das "wirklich starke Druckmittel", mit dem Iran den USA und ihren Partnern ökonomisch "weh tun" könne. Militärisch könne Teheran Washington nichts Gleichwertiges entgegensetzen. Doch Iran sei auf diese Art der asymmetrischen Kriegsführung spezialisiert. Genau das bringe Trump in Zugzwang, weil selbst massive Luftschläge dieses Grundproblem nicht lösen können, analysiert Keupp.

Bereits im Iran-Irak-Krieg der 1980er-Jahre habe es mit dem sogenannten "Tanker War" gezielte Angriffe auf Schiffe und Handelswege gegeben. Heute laufe das Prinzip ähnlich, nur mit modernerer Technik. Mehr Raketen und Luftschläge gegen Iran würden das Problem daher nicht lösen.

Demonstranten Majtaba Chamnei Porträt

Der neue oberste Anführer des Iran, Modschtaba Chamenei, gibt sich in einer Botschaft unnachgiebig: weitere Blockade der Straße von Hormus, Rache an den USA und Israel.

12.03.2026 | 2:47 min

Iran habe keinen Anreiz, freiwillig einzulenken. Deshalb werde man wohl "sehr starke amerikanische Marinepräsenz" benötigen, um Handelsschiffe zu schützen.

Ich sehe im Moment keine andere Alternative als eine Wiederauflage des Tanker War, wie wir ihn in den 1980er Jahren hatten, dass es irgendwann maritime Eskorten gibt.

Marcus M. Keupp, Militärökonom

Zugleich warnt Keupp vor einer zu simplen Vorstellung eines Machtwechsels in Iran:

Iran ist kein Ein-Personen-Regime, das man einfach beseitigen kann, wie Maduro zum Beispiel.

Marcus M. Keupp, Militärökonom

Anders als in klassischen Diktaturen hänge das System nicht an einer einzelnen Figur. "Es gibt Millionen im iranischen Volk, die diese Theokratie unterstützen", erklärt Keupp. Ein schneller Regimewechsel sei daher keine realistische Option.

Schaltgespräch Wiesel mit Elmar Theveßen

"Man konzentriert sich sehr darauf, die Möglichkeiten des Iran weiter drastisch zu reduzieren", so ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen über die US-Taktik zur Lage in der Straße von Hormus.

12.03.2026 | 2:15 min

3. Profitiert Putin von Nahost-Krieg?

Kurzfristig ja, sagt Keupp. Höhere Ölpreise bedeuteten höhere Einnahmen und damit Entlastung für den russischen Staatshaushalt. Er spricht von ein paar Tagen "Taschengeld" für Russlands Präsident Wladimir Putin. Dauerhaft sei der Effekt aber begrenzt. Russisches Öl wird wegen der Sanktionen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg weiter mit Abschlag verkauft.

Iran-Krieg - Tanklager in Hamburg

Die durch den Iran-Krieg gestiegenen Ölpreise spielen Russland in die Karten. Als einer der weltweit größten Öl-Exporteure verdient Moskau trotz Sanktionen wieder mehr.

12.03.2026 | 1:50 min

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Nebeneffekt: Ein höherer Ölpreis stärkt den Rubel. Das verbilligt Exporte, etwa aus China, und verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit russischer Waren. Auch die temporär von Trump gegebene Erlaubnis an Indien, wieder russisches Öl zu kaufen, mindere zwar das russische Staatsdefizit etwas, mache aber die Kriegsführung nicht grundlegend billiger.

Entscheidend bleibe am Ende der Ölpreis, so Keupp. Solange er hoch bleibe, rechne der Markt nicht mit einem schnellen Ende des Konflikts.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 12.03.2026 ab 19:30 Uhr.
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