Reise von Außenminister Wadephul :Deutschlands begrenzter Einfluss im Nahen Osten
von Ines Trams
Außenminister Johann Wadephul wirbt in Israel und den Golfstaaten für Deeskalation. Doch im Konflikt zwischen Israel und Iran sind die Spielräume Deutschlands begrenzt.
Auf dem Weg nach Saudi-Arabien nahm Außenminister Wadephul (CDU) eine gestrandete deutsche Touristengruppe mit. Von Riad aus soll eine Sondermaschine sie nach Deutschland bringen.
12.03.2026 | 1:31 minDie Reise von Außenminister Johann Wadephul (CDU) nach Israel und in mehrere Golfstaaten war vor allem eines: ein Signal diplomatischer Präsenz.
In einer Region, die seit den iranischen Angriffen auf Israel und die Golfstaaten in höchster Anspannung steht, wollte Berlin Solidarität mit Israel zeigen - und zeigen, dass Deutschland als Gesprächspartner präsent ist – im Austausch mit Partnern wie Katar, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Und so fordert Wadephul am Donnerstag in der türkischen Haupstadt Ankara eine gemeinsame politische Kraftanstrengung von Europäern und Golf-Anrainern für ein rasches Ende des Iran-Kriegs.
Ich bin der Überzeugung, dass eine verlässliche und tragfähige Lösung nur auf diplomatischem Weg erreicht werden kann.
Johann Wadephul, CDU
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) ist in den Nahen Osten gereist, um sich ein eigenes Bild des Kriegs zu machen. ZDF-Korrespondentin Ines Trams berichtet.
10.03.2026 | 0:19 minWo Wadephul auf Linie mit Merz liegt
Solche Reisen gehören zur klassischen Krisendiplomatie. Sie dienen dazu, Kontakte zu halten, Positionen auszuloten und für Deeskalation zu werben. Natürlich gegenüber Iran, aber auch bei den Golfstaaten, denn es ist offen, wie lange sie die Angriffe aus Iran ohne erhebliche Gegenreaktion noch ertragen werden.
Auch in Israel wird Wadephul, so ist anzunehmen, hinter verschlossenen Türen Mäßigung angemahnt haben, ganz auf Linie mit Kanzler Friedrich Merz (CDU), der seit einer knappen Woche eindringlich und besorgt vor einem Zerfall Irans und vor Angriffen auf die iranische Infrastruktur warnt.
Offen, ob Israels Führung sich davon beeindrucken lässt. Der israelische Außenminister Gideon Saar zumindest sagte nach dem Gespräch mit Wadephul, Israel würde diese Chance, das iranische Regime zu entfernen, nicht verstreichen lassen. Man würde jetzt nicht auf halber Strecke Halt machen - sondern den Krieg erst dann beenden, wenn man selbst es für angebracht hielte.
Außenminister Wadephul besucht den Nahen Osten, um Solidarität mit den von iranischen Angriffen betroffenen Ländern zu zeigen.
10.03.2026 | 1:51 minDeutschland will sichtbarer werden
Gerade in unübersichtlichen Konflikten gilt in der Diplomatie ein einfacher Grundsatz: Wer nicht vor Ort ist, spielt politisch kaum eine Rolle. Gleichzeitig zeigt der Besuch auch die Grenzen deutschen Einflusses im Nahen Osten.
Die entscheidenden strategischen Hebel liegen weiterhin bei den USA als wichtigstem Verbündeten Israels sowie bei regionalen Mächten selbst. Deutschland kann vermitteln, moderieren und politische Signale setzen – den Verlauf der Krise aber wohl nur begrenzt beeinflussen.
"Wir teilen die Sicherheitsbedenken" der USA und Israel, so Bundesaußenminister Wadephul in Riad. Aber man wolle, dass die territoriale Integrität des Iran gewahrt bleibe.
10.03.2026 | 6:49 minInnenpolitische und europäische Dimension
Für Berlin hat die Reise dennoch eine wichtige Funktion: Sie unterstreicht den Anspruch, außenpolitisch präsent zu sein und europäische Interessen einzubringen.
Deutschland, so erscheint es, will lernen aus der Vergangenheit, als man lange beispielsweise in der Nahost-Politik kaum eine Rolle spielte oder in Gesprächen um einen Waffenstillstand in der Ukraine nicht mit am Tisch saß. Auch innerhalb der EU bemüht sich Deutschland zu zeigen, man will aktiver werden, diplomatisch sichtbarer.
Ein diplomatischer Durchbruch war daher nicht zu erwarten – und ist auch nicht erreicht worden. Die Reise von Wadephul steht vielmehr für den Versuch einer mittleren Macht, in einer hochdynamischen Krise im Gespräch zu bleiben und zumindest mit am Tisch zu sitzen, wenn über Stabilität im Nahen Osten gesprochen wird.
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