Iran-Krieg im Nahen Osten:Wadephul in Israel - Differenzen über Kriegsziele
von Ines Trams
Der deutsche Außenminister besucht Israel und ein zerstörtes Wohngebiet nahe Jerusalem. Während Israel den Krieg entschlossen fortsetzen will, mahnt Berlin zur Vorsicht.
"Wir teilen die Sicherheitsbedenken" der USA und Israel, so Bundesaußenminister Wadephul in Riad. Aber man wolle, dass die territoriale Integrität des Iran gewahrt bleibe.
10.03.2026 | 6:49 minEs staubt noch immer. Fast wirkt es, als sei der Einschlag erst vor wenigen Stunden passiert. Doch die Rakete schlug bereits am zweiten Tag des Iran-Krieges ein, am vergangenen Sonntag.
Die Delegation um den deutschen Außenminister Johann Wadephul bewegt sich vorsichtig durch das zerstörte Wohngebiet von Beit Schemesch, westlich von Jerusalem. Überall liegen Trümmer, verbogene Metallteile, zersplitterte Steine. In der Mitte: ein tiefer Krater, den eine iranische Rakete in die Straße gerissen hat.
Außenminister Wadephul besucht den Nahen Osten, um Solidarität mit den von iranischen Angriffen betroffenen Ländern zu zeigen. Heute machte er Station in Israel.
10.03.2026 | 1:51 minBesuch in der Trümmerlandschaft von Beit Schemesch
Neun Menschen starben bei dem Angriff, rund 50 weitere wurden verletzt. Smodar verlor hier ihren Mann. Er wollte gerade die Tür zum Schutzbunker schließen, als die Rakete einschlug. Nun steht sie neben dem Krater und erzählt dem deutschen Minister unter Tränen von ihrem Verlust - von ihrem Mann, ihrem Zuhause, den Erinnerungen. Am Ende sagt sie: "Sie können uns alles nehmen - unsere Heimat, unsere Leben. Aber unsere Seelen bekommen sie nicht."
Es ist der erste Besuch eines europäischen Außenministers in Israel und der Region seit Beginn des Iran-Kriegs. Wadephul sagt, er sei gekommen, um Israels Sicherheit und Solidarität zu bekräftigen. Gleichzeitig warnt er vor einer weiteren Eskalation - mahnt wohl Zurückhaltung an in den Gesprächen hinter verschlossenen Türen mit Israels Außenminister Gideon Saar.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) ist in den Nahen Osten gereist, um sich ein eigenes Bild des Kriegs zu machen. ZDF-Korrespondentin Ines Trams berichtet von vor Ort.
10.03.2026 | 0:19 minDamit liegt Wadephul auf der Linie von Bundeskanzler Friedrich Merz. Der hatte zuletzt vor einer möglichen Zerstörung zentraler Infrastruktur in Iran und vor den Folgen eines möglichen Staatszerfalls gewarnt.
Saar: "Wir machen die Drecksarbeit"
Auf der gemeinsamen Pressekonferenz werden die unterschiedlichen Perspektiven deutlich. Saar macht klar, dass Israel den Krieg nicht auf halber Strecke beenden werde. Dabei verweist er auf eine Formulierung des deutschen Kanzlers: "Ja, Herr Merz hat Recht - wir machen die Drecksarbeit für den Rest der Welt", sagt Saar. Ohne Israel, so sein Argument, würde Iran weiterhin Terror und Gewalt exportieren.
Das Ziel Israels sei es, "die existenzielle Bedrohung durch Iran endgültig zu beseitigen". Auch ein Regimewechsel in Teheran sei möglich: "Wir sollten diese Chance nicht ungenutzt lassen und uns mit einem Teilergebnis zufriedengeben."
Wir werden den Krieg beenden, wenn wir es für angebracht halten.
Gideon Saar, Israels Außenminister
Zerstörungen in Iran und im Libanon, Raketenalarm in Israel: Die gegenseitigen Angriffe im Nahen Osten gehen weiter. Kanzler Merz äußert sich besorgt über die Kriegsführung.
10.03.2026 | 2:41 minDer deutsche Außenminister klingt zurückhaltender. Kriege mit dem Ziel eines Regimewechsels hätten in der Vergangenheit oft zu weniger Stabilität und weniger Menschenrechten geführt, sagt Wadephul. Die staatliche Integrität Irans müsse erhalten bleiben.
Zum Ende der Pressebegegnung werden damit politische Differenzen sichtbar: auf deutscher Seite die Sorge vor ausufernden Kriegszielen, auf israelischer Seite der feste Wille, den Krieg bis zu einem klaren Ergebnis fortzuführen.
Alarm kurz vor dem Abflug
Nach der Stippvisite wartet bereits der Transportflieger der Bundeswehr, ein A400M, auf dem Rollfeld in der pastellfarbenen Abendsonne. Gerade als die Delegation - in schweren Schutzwesten - in den kargen Sitzen Platz genommen hat, piept die Warn-App in den Handys - Luftalarm. "Alle raus aus dem Flugzeug", heißt es. Die Delegation eilt im Laufschritt zum nächsten Schutzraum - auch der Außenminister. Wenige Minuten später wird der Alarm aufgehoben. Kurz darauf hebt die Maschine ab, nächster Halt: Riad in Saudi-Arabien.
Für die Menschen in Israel ist dieser Rhythmus aus Alarm, Schutzraum und Rückkehr in den Alltag seit Beginn des Iran-Kriegs zur Routine geworden. Auch Beit Schemesch wurde am Nachmittag nach dem Besuch des Ministers erneut getroffen - diesmal durch herabfallende Trümmerteile abgefangener Raketen.
Ines Trams ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.
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